Nach kritischem Bericht: Beugt sich das ZDF Dynamo Dresden?

12.03.2015, 10:04 Uhr, kw

Ein kritischer Artikel über Dynamo Dresden, der dem Verein nicht gefiel und anschließend vom ZDF zurückgezogen wurde, damit der Journalist, der ihn verfasst hat, wieder seiner Arbeit nachgehen kann. Der Verband Deutscher Sportjournalisten beklagt einen Angriff auf die Pressefreiheit.


Ein Artikel, der vor dem Pokalspiel von Dynamo Dresden gegen Borussia Dortmund auf "zdfsport.de" erschienen ist, sorgt für Wirbel. Darin hat sich Ullrich Kroemer kritisch mit der Fanpolitik des Dresdner Vereins auseinandergesetzt: Die Dresdner würden sich nicht ausreichend von ihren gewaltbereiten Fans distanzieren und deshalb ihr Fanproblem nicht in den Griff bekommen. Doch dieser Artikel hat Dynamo-Geschäftsführer Robert Schäfer ganz und gar nicht gefallen. Dem Journalisten wurde die Akkreditierung entzogen, er durfte das Stadion nicht mehr betreten und konnte so auch nicht über das Spiel am 3. März berichten.
 
Anschließend hat sich Schäfer mit Dieter Gruschwitz, dem Sportchef des ZDF, in Verbindung gesetzt. Daraufhin ist der Artikel von dem Onlineportal des Senders verschwunden und Kroemer darf seitdem das Dresdner Stadion wieder betreten. "Ich bin darum bemüht, mit Dynamo wieder eine Basis herzustellen", zitierte die "Zeit" Kroemer am Mittwochabend auf ihrem Online-Portal.


Der Vorfall klingt dabei nach einem direkten Angriff auf die Pressefreiheit: Entweder die Berichterstattung erfolgt nach den Vorstellungen von Dynamo oder es gibt keine Berichterstattung über Dynamo. Und das ZDF scheint dieses Spiel auch noch mitzuspielen.

So sieht es zumindest der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS). Nach Angaben der "Zeit" beurteilt Verbandspräsident Erich Laaser den Vorfall als einmalig im Sportjournalismus und hält es für "besorgniserregend, wenn kritische Berichterstattung auf diese Weise sanktioniert wird". Er sieht damit die Pressefreiheit in Gefahr: "Wir sind die vierte Gewalt im Staat. Wenn Akkreditierungen entzogen werden, ist das ein Angriff auf die Pressefreiheit."


Dieser Ansicht setzt sich ZDF-Sportchef Gruschwitz entgegen. Der Artikel sei schon vor seinem Gespräch mit Dynamo-Chef Schäfer entfernt wurden: "Wir haben von uns aus entschieden, den Artikel offline zu stellen, bevor wir mit Herrn Schäfer und Dynamo Dresden gesprochen haben", wurde Gruschwitz von der "Zeit" zitiert. "Redaktionelle Gründe" hätten dabei eine Rolle gespielt, das Thema sei "äußerst sensibel" und bei dem Artikel habe "die redaktionelle Sorgfalt nicht ausgereicht". Kroemer, der inzwischen wieder über Dynamo berichten darf, hat den umstrittenen Artikel mittlerweoile auf seinem privaten Blog online gestellt.

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