Netflix hat in den USA das Kabelfernsehen eingeholt

23.12.2017, 07:51 Uhr, PMa

Gleich zwei Studien bescheinigen Netflix in den USA mindesten genauso viele, wenn nicht sogar knapp mehr, Nutzer als das dort traditionelle Pay-TV - Tendenz steigend.


Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) liegt Netflix in den USA mittlerweile gleichauf mit traditionellen Pay-TV-Abos. Bei der PwC-Umfrage gaben 73 Prozent der Befragten an, einen Netflix-Account zu besitzen. Genau so viele Menschen sagten jedoch auch, dass sie Kabelkunde sind, was nichts anderes bedeutet, als dass eine großer Teil der Teilnehmer Abos bei beiderlei Anbietern bezieht.


Dazu muss man jedoch die Eigenschaften des amerikanischen TV-Marktes genauer in Betracht ziehen. Dort ist Kabel- eigentlich mit Pay-TV gleichzusetzen. Der Free-TV- beziehungsweise öffentlich-rechtliche Sektor beschränkt sich quasi auf das Public Service Broadcasting und regionale Sender(-Ketten). Dadurch haben Pay-TV und Streaming-Anbieter eine ganz andere Stellung als beispielsweise in Deutschland.

Bei den herkömmlichen Pay-TV-Angeboten ist die Tendenz im Gegensatz zu Netflix und Co. jedoch rückläufig. Knapp die Hälfte der Befragten (46 Prozent) gab an darüber nachzudenken weniger Geld für traditionelles US-Kabelfernsehen ausgeben zu wollen. Es bedarf keiner Kristallkugel zu prognostizieren, dass nicht wenige von diesen Leuten zu einem Streaming-Abo wechseln könnten.

Besonders interessant ist zudem, dass, nachdem Netflix und Co. sich in den letzten Jahren besonders unter jungen Nutzern beliebt machten, bei der aktuellen Studie der Kundenzuwachs unter Menschen zwischen 50 und 59 am größten war. Bei dieser älteren Zielgruppe stieg die Nutzung von Streaming-Inhalten im letzten Jahr um 15 Prozent.

Insgesamt konnte Netflix allein im letzten Quartal weitere 850.000 inländische Abonnenten gewinnen und verzeichnete einen Anstieg der Kundenbasis in den USA auf insgesamt 50,85 Millionen Menschen. Während Kabel - laut einer anderen Studie der Leichtman Research Group - nur 48,61 Millionen Abonnenten erreichen kann. Hier hat konnten die Abruf-Abonnements also schon das Pay-TV hinter sich lassen.

Es scheint, als hätte das Streaming-Zeitalter spätestens jetzt begonnen - zumindest in den Vereinigten Staaten.

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