Neuer Trend: Smarte Lautsprecher als Haushaltszentrale

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Bild: © Victoria - Fotolia.com
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Von vernetzten Lautsprechern zu Boxen, die den kompletten Haushalten steuern und eine Sprachassistentin an Bord haben. Nach Amazon mit Echo zieht nun Google mit „Home“ nach und Apple verbessert seine Siri.

Erst haben vernetzte Lautsprecher, die Musik direkt aus dem Internet abspielen können, die Hifi-Branche umgekrempelt. Jetzt stehen die jungen Herausforderer selbst vor einer Bedrohung für ihr Geschäft. Denn der Trend geht zu Lautsprechern, die nicht nur Musik abspielen können, sondern auch zuhören und Sprachbefehle erkennen. Damit sollen sie im Haushalt zu einer zentralen Schnittstelle für die Kommunikation mit Computern und Haustechnik werden – ganz natürlich per Sprache.
 
Amazon machte mit seinem Lautsprecher „Echo“ vor, wie das funktionieren kann. Das Gerät liefert auf Anfrage nicht nur Informationen aus dem Internet wie Wettervorhersage oder Kochrezepte, sondern kann auch Artikel bei dem Online-Händler nachbestellen. Nahezu endlos werden die Möglichkeiten aber durch die Schnittstellen, über die Amazon Anbietern anderer Dienste den Zugang zu seiner sprechenden Assistentin Alexa öffnete. Damit kann man nicht nur vernetzte Hausgeräte steuern, sondern bekommt auch Zugriff auf alle möglichen Dienstleistungen und kann sich zum Beispiel eine Pizza oder einen Wagen bestellen.

Nach dem 2014 vorgestellten ersten „Echo“ für 180 Dollar in den USA, der nach Schätzungen einiger Marktforscher bereits drei Millionen Mal verkauft wurde, legte Amazon nach. Jetzt gibt es eine ganze Produktfamilie mit dem Bluetooth-Modell „Tap“ und dem kleinen „Echo Dot“, der die vernetzten Funktionen in andere Lautsprecher bringen soll. In Deutschland sind die Geräte bisher nicht verfügbar.
 
Und der Erfolg des „Echo“ scheint erst der Anfang eines großen Trends zu sein. Google springt auf das Amazon-Prinzip mit dem eigenen Lautsprecher „Home“ auf, der zum Herbst auf den Markt kommen soll. Dahinter steckt eine neuer Google-Assistent aus der Cloud auf Basis künstlicher Intelligenz. Apple macht seine Sprachassistentin Siri schlauer und lässt sie ebenfalls mit anderen Diensten verknüpfen. Siri ist bereits nicht nur im iPhone, sondern auch in der Fernsehbox Apple TV drin und zuletzt gab es das Gerücht, ein vernetzter Lautsprecher solle ebenfalls folgen. Mit den Geräten der zugekauften Marke Beats hätte Apple sogar eine Plattform dafür im eigenen Haus.
 
Unter den Herstellern vernetzter Lautsprecher herrscht jetzt Unruhe. Beim Pionier Sonos kündigte Gründer und Chef John MacFarlane verstärkte Investitionen in Sprachsteuerung an. „Wir sind Fans davon, was Amazon mit Alexa und der Echo-Produktlinie gemacht hat“, erklärte er. Der Echo werde den Zugang zu Musik, Wetterprognosen und „vielen, vielen anderen Dingen“ beeinflussen. Der neue Kurs ging mit einem Stellenabbau in unbekannter Höhe einher.
 
Dabei hat Sonos bereits erste Infrastruktur für die neue Welt in seinen Geräten: Das neueste Modell „Play:5“ enthält zwei bisher abgestellte Mikrofone, die ursprünglich für künftige Dienste zur Klangverbesserung eingebaut wurden. Sie könnten im Prinzip auch für ähnliche Funktionen wie beim Echo genutzt werden – aber das Unternehmen betont, dass es nichts in diese Richtung machen würde, ohne die Nutzer zu informieren. Der Datenschutz könnte grundsätzlich zur Schlüsselfrage werden: Immerhin muss der Verbraucher dem Anbieter soweit vertrauen, dass er sich dazu bereiterklärt, die Mikrofone ständig laufen zu lassen.
 
Der jüngere dänische Sonos-Konkurrent Libratone brachte am Mittwoch zunächst einmal mit „One“ und „Too“ zwei neue Modelle heraus, die als ganz klassische Bluetooth-Lautsprecher funktionieren. Aber auch sie haben Mikrofone für die Freisprech-Funktion mit angeschlossenen Smartphones. „Wir beobachten die Entwicklung ganz genau und sind gespannt, wohin sie führen wird“, sagt Produktchef Uffe Kjems Hansen zu dem neuen Trend.
 
Man sei in einer veränderten Situation, wenn ein Handelskonzern wie Amazon ins Lautsprecher-Geschäft nicht wegen der Musikwiedergabe einsteige, sondern letztlich um seinen Kunden den Einkauf zu erleichtern. „Wir werden definitiv auf irgendeine Weise folgen müssen. Wenn die Spracherkennung funktioniert, ist es die ultimative Art, mit Technik zu kommunizieren.“ Er glaube, dass die Elektronik-Anbieter eher Partnerschaften mit den großen Playern wie Amazon, Apple und Google eingehen werden, statt eigene Systeme zu entwickeln. So könnte bei den neuen Modellen aus technischer Sicht Apples Siri per Software-Update hinzugefügt werden, die Chips dafür seien bereits drin.
 
Der Lautsprecher-Hersteller Bowers & Wilkins ging mit dem Partnerschafts-Gedanken bereits viel weiter: Die traditionsreiche britische Firma, die unter anderem die legendären Abbey-Road-Studios ausrüstete, ließ sich vom kalifornischen Start-up EVA Automation kaufen. Das verspricht eine Reihe bisher nicht näher umschriebener vernetzter Produkte fürs Zuhause – und kündigte jetzt zunächst einmal an, den Namen von B&W anzunehmen. [Andrej Sokolow/kw]

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1 Kommentare im Forum

  1. Eigentlich geht es doch um das Mikrofon. Baut man das Mikrofon in einen Lautsprecher, und nennt das Ding dann auch "Lautsprecher", damit die Leute sich nicht so belauscht vorkommen, und das Ding einen harmloseren Anstrich bekommt?
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