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  • Neues aus dem Testlabor: Mit Anspannung auf das Netz geschaut

16.02.2012, 16:14 Uhr, Jens Voigt

Der Alltag der Gerätetester ist von verschiedenen Unwegsamkeiten geprägt. Während die einen die Netzversorgung nur nutzen, um Verbraucher einer höheren Leistungsaufnahme zu testen, ist für die anderen eine saubere, ungestörte Netzspannung wichtigster Ausgangspunkt für die Beurteilung des Verhaltens eines Testgerätes im Testlabor.

Teil des Testlabors für Handwerks- und Haushaltmaschinen
Bild: Auerbach Verlag

Für Geräte mit hoher Leistungsaufnahme ist es wichtig, dass möglichst geringe Ableitwiderstände für Neutralleiter und Schutzleiter existieren, damit die Personenschutzfunktionen gewährleistet bleiben. Dies gilt grundsätzlich auch für alle anderen Geräte, die an das öffentliche Energieversorgungsnetz angeschlossen werden.
 
Häufig kommt es aber vor, dass solche Großverbraucher mit Motoren oder Kompressoren wie bei Kühlgeräten ausgestattet sind. Die sogenannten induktiven Lasten haben oft mit elektrisch-physikalischen Eigenheiten zu kämpfen, da ihr interner Aufbau häufig die verschiedensten Arten von Störungen erzeugt und ins öffentliche Netz zurückspeist. Auch die Phasenanschnittsteuerung zum Dimmen von Lampen ist kritisch, genauso wie die Funkenbildung an den Motorenkontakten von Bohr- oder Handwerksmaschinen.
 
Es können Spannungsspitzen, Offset-Gleichspannungen oder sogenannte Blindenergieanteile entstehen, weil hier Änderungen im Laufzeitverhalten zwischen Strom und Spannung auftreten, die durch den Leistungsfaktor Cosinus Phi gekennzeichnet werden. Nicht zu unterschätzen ist die große Anzahl von Schaltnetzteilen, die z. B. in jedem Computer zum Einsatz kommen, welche hohe Ableitströme sowie starke hochfrequente Störkomponenten in die unmittelbare Hauselektroverteilung einbringen.
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Teil des Testlabors für Audioelektronik
Bild: Auerbach Verlag

Wenn also die Bedämpfung von solchen Störfaktoren, die durch DIN, VDE und VDI vorgegeben sind, nicht eingehalten werden (was leider oft vorkommt), dann können andere Verbraucher vorrangig aus der Branche der Unterhaltungselektronik bei der Audiowiedergabe Störungen in Form eines an- und abschwellenden Pfeifens oder Brummens anzeigen. Sogenannte Offset-Gleichspannungen in der 230-Volt-Netzspannung können konventionelle Transformatoren von linearen Netzteilen in die magnetische Sättigung versetzen und damit zu nichtlinearen Verzerrungen bei der Energieumformung führen.
 
Diese Verzerrungen und ihre Oberwellen können sich in einem linearen Netzteil weiter fortpflanzen und dann in den Baugruppen der Signalaufbereitung eine Verschlechterung der allgemeinen Audioperformance hervorrufen. Nun ist es für denjenigen, der die Messtechnik bedient, eine besondere Herausforderung, bei jedem aufgenommenen Messwert abzuwägen, ob dieser zu einem anderen Zeitpunkt und an einem anderen Ort wiederholbar ist, also nicht durch Fremdeinflüsse durch die bereits genannten Faktoren beeinflusst wurde.
 
Unsere Arbeit bedeutet also immer, mehrere Faktoren im Blick zu behalten und mit der über Jahre hinweg gesammelten Erfahrung die täglichen Erscheinungen aufs Neue kritisch zu hinterfragen.

Neues aus dem Testlabor - Störfaktoren bei Audiotest

Ein analoges Audiogerät, gemessen abends gegen 19.30 Uhr, wenn die Netzversorgung sauberer ist als am Tag. Das FFT-Spektrum zeigt die normalen gerad- und ungeradzahligen harmonischen (nichtlinearen) Verzerrungen am Messpunkt an
Bild: Auerbach Verlag
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