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  • Hintergrund • Nintendo 3DS: Fenster zur Spielwelt

  • Kein leichter Stand

 erstellt am 26.09.2011 von Dennis Schirrmacher

Nintendos 3DS stellt dreidimensionale Bilder ohne Brille dar. Dabei kommen zwei LC-Displays zum Einsatz, wobei eines speziell geschaltet und jedes Auge mit einem separaten Bild versorgt wird. Das Ganze hat nur einen Nachteil: Der Handheld muss zwingend mit ruhiger Hand betrachtet werden, sonst bilden sich Doppelkonturen und der Effekt zerfällt.

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Die Eckdaten des Nintendo 3DS
Bild: Auerbach Verlag

In der Redaktion sehen wir Tag für Tag die neuesten Produkte der Unterhaltungselektronikindustrie und haben dementsprechend den 3D-Trend in den eigenen vier Wänden von Anfang an miterlebt. Eins war und ist allen Ansätzen gemein: Sie müssen eine 3D-Brille tragen, um den Effekt wahrnehmen zu können.
 
Mittlerweile drängt die zweite Generation von 3D-Fernsehern in den Markt und spätestens jetzt können alle großen Hersteller mit fehlerfreien plastischen Bildern überzeugen – folglich sind unsere kritischen Augen sehr verwöhnt, wenn es um die Darstellung von greifbaren Bildern geht. Kein leichter Stand für Nintendos 3DS.

Der Kleine ohne Brille


Die Brillenpflicht ist augenscheinlich noch immer die größte Hemmschwelle, um in die Welt der körperhaften Unterhaltung einzutauchen. Nintendo will dies, zumindest im kleinen Stil, ändern und bietet seit dem Frühjahr die portable Spielkonsole 3DS an, die über ein sogenanntes autostereoskopisches Display verfügt; hier werden dreidimensionale Bilder ohne Brille erzeugt.
 
Dabei setzt der Hersteller auf eine Technik namens Parallax-Barriere, um die zwei für den 3D-Eindruck nötigen Bilder zu trennen. Nach dem Auspacken waren wir skeptisch, und als der Handheld dann lief, machte sich ein ambivalentes Gefühl breit.

So funktioniert die brillenlose 3D-Darstellung bei Nintendos 3DS

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Skizze zur Brillenlosen 3D-Darstellung
Bild: Auerbach Verlag

Die greifbaren Bilder erzeugt der Handheld über eine sogenannte Parallax-Barriere. Nintendo setzt hier auf ein Steuer-LCD, das sich hinter dem eigentlichen Bildschirm befindet. Im 3D-Modus kann die Barriere die Hintergrundbeleuchtung blocken oder durchlassen. Die Anordnung sorgt bei frontaler Betrachtung dafür, dass jedes Auge mit einem anderen Bildstrom versorgt wird und im Gehirn der plastische Effekt entstehen kann.
 
Dabei geht jedoch Leuchtkraft verloren und die Auflösung halbiert sich. Achtung: Bereits minimale Abweichungen lassen den Effekt einbrechen und Doppelkonturen belasten die Augen bereits nach wenigen Sekunden.

Blick der Medusa

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Durch die Kamera können Sie die Umgebung betrachten und abfotografierte, umherfliegende Grimassen jagen
Bild: Nintendo

Bereits vor der Veröffentlichung wurde über den Blickwinkel diskutiert, denn aufgrund der Darstellungsweise muss der 3DS zwingend zentriert gehalten und fortwährend frontal betrachtet werden – der Spieler muss sozusagen in der optimalen Stellung verharren.
 
Da Nintendo jedoch durchweg ausgereifte Spielkonsolen herstellt, haben wir insgeheim gehofft, dass sie diesen Umstand in irgendeiner Art und Weise in den Griff bekommen werden. Dem ist leider nicht so und selbst kleinste Kopfbewegungen lassen den Effekt einbrechen und Doppelkonturen belasten die Augen.
 
Wird der Handheld aber korrekt gehalten und betrachtet, öffnet sich ein Fenster in die Spielwelt und der Tiefeneindruck kann je nach Spieltitel den einen oder anderen Begeisterungssturm auslösen – bei schnellen Actionspielen ist die korrekte Haltung aber nahezu unmöglich. Dass Objekte aus dem Bildschirm herauskommen, konnten wir zu keinem Zeitpunkt beobachten. An der Seite der portablen Konsole finden Sie einen Regler, über den Sie den 3D-Eindruck bis hin zur Deaktivierung stufenlos anpassen können. Nintendo hat auch mehrmals beteuert, dass es kein Spiel geben soll, dass die Aktivierung des 3D-Effektes voraussetzt.
 
Auf der einen Seite ist das schade, denn so sehen wir die Kreativität der Entwickler eingeschränkt. Dennoch dürfte diese Entscheidung vielen Spielern zugutekommen, denn in der Redaktion haben viele Tester den Effekt bereits nach wenigen Minuten deaktiviert und mit der herkömmlichen Darstellungsweise weitergespielt.

Erweiterte Realität

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Wird eine AR-Karte auf dem Tisch erkannt, werden virtuelle Objekte dreidimensional in die Realität projiziert
Bild: Auerbach Verlag, Nintendo

Viel Potenzial sehen wir bei den sogenannten Augmented-Reality-Funktionen der Taschenkonsole. Durch die Kameras auf der Rückseite des 3DS können Sie Ihre Umgebung filmen und auf dem Bildschirm passieren in Echtzeit die erstaunlichsten Dinge.
 
Bei diesem Ansatz wird die Realität mit virtuellen Objekten angereichert, die dann manipuliert werden können und sogar die Umgebung beeinflussen. So klafft etwa in Ihrem Wohnzimmertisch plötzlich ein tiefes Loch und durch Umherwandern müssen Sie den Blickwinkel anpassen, um beispielsweise Zielscheiben zu treffen.
 
Aber auch an dieser Stelle wird die Konsole zwangsweise bewegt, was den 3D-Effekt regelmäßig einbrechen lässt. Die erweiterte Realität können Sie im Übrigen von Werk aus genießen, denn der 3DS hat einige kompatible Anwendungen vorinstalliert. So schießen Sie etwa auf abfotografierte Gesichter, die durch Ihr Wohnzimmer fliegen oder Ihr Couchtisch verwandelt sich in eine zerklüftete Landschaft, in der Sie eine Kugel ins Ziel bugsieren müssen. Noch beeindruckender fällt ein Angelausflug aus, bei dem die Rute in den wabernden Wellen auf Ihrem Sofa versinkt.
 
Einige Fische sind jedoch ziemlich wählerisch und zeigen sich nur auf einem blauen Untergrund. Legen Sie daraufhin ein blaues T-Shirt auf Ihre Couch, zappeln auch die seltensten Meeresbewohner an der Angel.

Zukunft von 3D?

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Der Tiefeneffekt kann stufenlos angepasst und auf Wunsch auch deaktiviert werden
Bild: Nintendo

Keine Frage, der plastische Eindruck ist bei korrekter Haltung des Handhelds ein echter Hingucker. Aber eben immer nur für eine Person, denn mehrere Zuschauer können den 3D-Effekt nicht gleichzeitig wahrnehmen. Bei Actionspielen ist es zudem nahezu unmöglich, den Handheld ruhig zu halten und somit den perfekten Blickwinkel beizubehalten.
 
Nach einiger Zeit bekommt man jedoch ein Gefühl für die richtige Haltung und mit etwas Gewöhnung kann man es sich weitgehend unbeschwert im Sessel gemütlich machen. Die Starttitel und integrierten Minispiele lassen uns freudig in die dreidimensionale Spielezukunft blicken, denn das Potenzial ist da und will genutzt werden.
 
Nun muss Nintendo darauf hoffen, dass der Effekt nicht zu einer kurzfristigen Jahrmarktsattraktion verkommt und Millionen Spieler das Alleinstellungsmerkmal des 3DS, die 3D-Darstellung, auch langfristig nutzen.

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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