Hintergrund • OLED-Bildrevolution

Gebogen, nicht gerade

 erstellt am 07.01.2014 von Christian Trozinski
Der 28. August 2013 geht in die Geschichte ein, denn erstmals wurden Fernseher in 55 Zoll mit brandneuer OLED-Technik in Deutschland verkauft. Wie die ersten OLED-TVs technisch einzuordnen sind, verraten wir Ihnen im Vorabcheck.
Samsung KE55S9C: Die Pixelmatrix zeigt bei Samsungs OLED-Fernseher einen deutlich erweiterten Blauanteil – damit will Samsung der geringeren Lebensdauer der blauen OLED-Zellen entgegenwirken.
Bild: Samsung

Endlich: OLED-Fernseher sind ab sofort käuflich zu erwerben und dies ab 8 000 Euro. So viel verlangt zumindest Samsung für den KE55S9C getauft en OLED-TV. Dieser setzt wie bisherige LCD- oder Plasmafernseher auf eine RGB-Matrix, bei der rote, grüne und blaue Subpixel einen Bildpunkt in jeder denkbaren Farbe darstellen können. Neu ist allerdings, dass die blauen Subpixel deutlich mehr Platz einnehmen als die roten und grünen. Der Grund dafür ist einfach: Da blaue OLED-Leuchtstoffe deutlich schneller an Helligkeit verlieren, sorgt die größere Fläche dafür, dass diese nicht allzu stark beansprucht werden müssen. Gänzlich ungewohnt ist anfangs die gewölbte Bildfläche: Die Seiten sind nach vorn gebogen, sodass der Sichtradius nahezu gleich bleibt, ganz egal, ob Sie die Bildmitte oder die Seitenränder fixieren. An diesen unterschwelligen Effekt gewöhnt man sich schneller als gedacht und obwohl der Vorteil der gebogenen Bildfläche mit zunehmendem Sitzabstand abnimmt, empfanden wir die Bildwiedergabe tatsächlich imposanter und angenehmer als mittels traditioneller gerader Bildfläche.
 
LGs 55EA9809 kann diesen Trumpf ebenfalls ausspielen, kostet mit rund 9 000 Euro aber noch einmal deutlich mehr als Samsungs OLED-TV. Dafür erhalten Sie einen mit 17 Kilogramm extrem leichten Fernseher, der im Karbongehäuse und mit durchsichtigen Lautsprechern für Aufsehen sorgt. Durch die abweichende Pixelstruktur (LG kombiniert die RGB-Matrix mit zusätzlichen weißen Subpixeln) ist der 55EA9809 zudem noch energieeffizienter als Samsungs OLED-TV, sodass die Leistungsaufnahme bei durchschnittlich 100 Watt liegt, was der Energieeffizienzklasse A entspricht (Samsung KE55S9C 145 Watt, Energieeffizienzklasse B).

Wer braucht schon UHD?


Wir müssen angesichts der imposanten Kontrastdarstellung den Hut ziehen: Was Samsung mit dem KE55S9C und LG mit dem 55EA9809 aus Full-HD-Quellen herausholen, beeindruckte uns mehr als alle UHD-Vorstellungen mit konventionellen LCD-Fernsehern. Schwarz ist ultimativ schwarz, helle Bildpunkte brennen förmlich in den Augen und die OLED-Technik scheint tatsächlich die besten Eigenschaft en von LED-LCDs und Plasmas zu vereinen. Dadurch erreicht auch die Farbdarstellung ein neues Level und durch die pixelgenaue Helligkeitsansteuerung gibt es in keinem Testbild einen Qualitätsabfall. Einziges OLED-Manko: Die Bildhelligkeit fällt bei vollflächigen weißen Mustern deutlich ab und der maximale Kontrast wird bei Standbildern nur kurzzeitig erreicht – eine Kontrastautomatik reduziert die Helligkeit, um die OLED-Zellen zu schützen.

Welcher OLED-TV ist besser?

LG 55EA9809: LG hat das Problem der schneller alternden blauen OLED-Zellen ebenfalls erkannt, setzt zur besseren Lichtausbeute aber auf einen zusätzlichen Weißanteil
Bild: LG

Noch ist es zu früh, über die Leistungsfähigkeit der beiden OLED-Fernseher zu urteilen, erste Unterschiede sind aber erkennbar. Während Samsung z. B. auf eine aktive 3D-Wiedergabe setzt, verwendet LG das passive Polfilterverfahren. Helle, flimmerfreie Bilder gibt es somit nur bei LG, Samsung punktet dagegen mit besserer 3D-Auflösung. Doppelkonturen werden übrigens auch bei Samsungs aktiver Brillentechnik so stark minimiert, dass sie kaum sichtbar in Erscheinung treten. Leichte Vorteile scheint Samsungs KE55S9C bei der Bewegtbildschärfe zu besitzen, denn unsere Testsequenzen liefen selbst bei extrem hoher Geschwindigkeit nahezu ohne Unschärfen über den Bildschirm – da kann kein LCD-Fernseher mithalten. Gleichfalls bietet Samsung die bekannte Motion-Plus-Steuerung, die eine nahezu stufenlose Filmglättung möglich macht. LGs 55EA9809 zeigte zwar ebenfalls eine gute Bewegtbilddarstellung, neigte aber minimal zum Verwischen – ob dies wirklich dem Fernseher oder nur der Voreinstellung zuzuschreiben ist, konnten wir leider nicht überprüfen, da LGs OLED-TV nur mittels Werkseinstellung zu begutachten war. Beim Thema Blickwinkel konnte LG jedoch punkten: Der 55EA9809 zeigte Bilder ohne wahrnehmbare Verfärbung, während bei Samsungs KE55S9C die Farbtemperatur bei seitlicher Betrachtung leicht ins Grünliche kippte.
 
Einen Kontrastverlust zeigte aber auch der KE55S9C nicht, sodass der Bildeindruck qualitativ immer noch deutlich über dem Niveau von LED-LCDs lag. Angesichts des günstigeren Preises verwundert es, dass Samsung bei der Ausstattung die Nase vorn zu haben scheint: Die externe Anschlussbox ist ungemein praktisch, Doppeltuner lassen Sie beim TV-Empfang flexibel agieren und die aufwändige Rahmenkonstruktion um das Gehäuse verleiht dem Fernseher einen sehr robusten Eindruck. Auch die 3D-Brillen warten mit Mehrwert auf: Integrierte Lautsprecher liefern bei der gleichzeitigen Darstellung von zwei unterschiedlichen TV-Bildern den passenden Klang, sodass zwei Personen zwei unabhängige (2D)-Bildinhalte gleichzeitig mittels 3D-Brille anschauen können. Beim Thema Gaming konnten uns die ersten OLED-Fernseher noch nicht bekehren: Zwischen 60 und 150 Millisekunden (Gaming- und TV-Modus) lag die Eingabeverzögerung – es bleibt abzuwarten, ob LG und Samsung mit neuer Firmware die Bildverarbeitung noch beschleunigen können.

Ist dies die TV-Zukunft?


Sie sind schlank, aufsehenerregend gebogen, präzise gefertigt und liefern ein Bild zum Staunen: Allzu schnell gerät man angesichts der Bildqualität der ersten OLED-Fernseher ins Schwärmen, doch selbst nach der Deutschlandpremiere drosseln die Hersteller LG und Samsung gleichermaßen die Erwartungshaltung. Noch ist OLED keine Technologie für den Massenmarkt, denn die Ausbeute der OLED-Panel ist nach wie vor schlecht und die Fertigung damit teuer und langsam. Zudem müssen wir immer wieder betonen, dass sämtliche Bildpunkte bei einem OLEDFernseher eigenständig Helligkeit und Farbe erzeugen und durch fehlende Langzeittests noch keine Aussage bezüglich der Haltbarkeit der Bildpunkte getroffen werden kann – Pixelausfälle sind mit dieser neuen Technologie wahrscheinlicher als mit langzeiterprobten LCD- und Plasmatechnologien.
 
Euphorie wollen die OLED-Debütanten somit vermeiden, zumindest noch für dieses Jahr, denn 2014 sollen OLEDFernseher in unterschiedlichen Größen- und Preisklassen zur Verfügung stehen. Bis dahin werden Sie bei uns detaillierte Profitests der ersten OLED-Fernseher lesen, die die Stärken und Schwächen der OLED-Panel aufdecken. Was wir bislang sehen durften, stimmt uns optimistisch, dass OLED tatsächlich die LCD- und Plasmatechnik beerben kann, wenn auch noch nicht jetzt, sondern erst in den nächsten 5 Jahren.

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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