Ohne Facebook und Youtube kein Jugendkanal von ARD & ZDF

04.11.2015, 13:29 Uhr, kw

Der von ARD und ZDF gemeinsam betriebene Jugendkanal soll seine Inhalte vorwiegend über Plattformen wie Facebook und Youtube verbreiten. Privatverbände drohten gegen dieses Vorgehen mit rechtlichen Schritten. Ohne diesen Verbreitungsmechanismus wäre der Onlinesender allerdings zum Scheitern verurteilt.


Nach langjähriger Planung soll der öffentlich-rechtliche Jugendkanal im nächsten Jahr tatsächlich an den Start gehen. Dies wird er allerdings nur, wenn der Onlinekanal seine Inhalte über Drittanbieter wie Facebook und Youtube verbreiten darf, ansonsten wäre das öffentlich-rechtliche Projekt zum Scheitern verurteilt: "Wenn wir nicht auf Drittplattformen mit originären Inhalten aktiv sein dürften. Dann würde so ein Angebot keinen Sinn machen", erklärte Florian Hager, Chef des gemeinsamen Jugendkanals von ARD und ZDF im Interview mit der "Taz".


Der Tageszeitung gegenüber stellte Hager klar, dass diesen Drittplattformen eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung der öffentlich-rechtlichen Inhalte zukommt. Auf Plattformen wie Facebook, Youtube, Snapchat und Instagram soll der potenzielle Zuschauer auf das Angebot aufmerksam gemacht werden. "Der Erstkontakt wird dort stattfinden, wo er ist: auf einem mobilen Endgerät auf einer Drittplattform", so Hager. "Alles andere zu behaupten, hieße davon auszugehen, dass die Zielgruppe zu uns kommen wird. Das wäre überheblich."
 
Den Verbreitungsmechanismus über Drittplattformen sowie die damit verbundenen wegfallenden Beschränkungen, die eigentlich für öffentlich-rechtliche Angebote gelten, hatten Privatverbände im Vorfeld heftig kritisiert. Damit der Jugendkanal seine Inhalte über die Drittplattformen verbreiten kann, müssen nun die entsprechenden Ausnahmeregelungen in den Rundfunkstaatsvertrag aufgenommen werden, die entsprechende Gesetzesänderung sollen die Länderchefs im Dezember unterzeichnen. Im Fall der vorgesehenen Änderung des Staatsvertrages hatten die Privatverbände rechtliche Schritte angekündigt. Sie befürchten durch die dem Sender zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel, finanziert aus dem Rundfunkbeitrag, eine unverhältnismäßige Konkurrenz.

Dieser Befürchtung der Privatanbieter versuchte Hager zu entkräften: So denkt er eher an Kooperation statt an Konkurrenz. Der "Taz" gegenüber erklärte er, dass "es hier in Deutschland im Webvideobereich einen Mangel an Vielfalt gibt, was die Formate, die Köpfe, die Inhalte angeht". Von daher sieht er den Jugendkanal als Chance, der deutschen Medienlandschaft zu mehr Vielfalt und dadurch letztendlich zu mehr Qualität zu verhelfen. "Durch die größere Vielfalt, die wir bringen, wird die allgemeine Qualität steigen, davon profitieren alle", erklärte er in einem Interview mit der "Taz". Ferner sieht er die Rundfunkanstalten ARD und ZDF dadurch in der Pflicht, sich dauerhaft um die entsprechende Zielgruppe zu kümmern, statt diese - wie bisher - nur marginal durch einzelne Events anzusprechen.
 
In diesem Zusammenhang betonte Hager, dass sich die Ausnahmeregelungen, die dem Jugendkanal größere Freiheiten als anderen öffentlich-rechtlichen Angeboten gewähren, sich nur auf eben diesen beziehen. "Die Freiheiten, die wir für das junge Angebot brauchen, die alternativlos sind, gelten nur für dieses Angebot", so Hager. "So steht es im Gesetzestext. Das ist keine Blaupause für andere Sender und deren Onlineaktivitäten."

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