Olympia bei der ARD: Zuschauer können Programm selbst basteln

17.07.2012, 11:02 Uhr, red

Nach dem Ende der Fußball-Europameisterschaft steht bereits das nächste sportliche Großereignis auf dem Programm: die Olympischen Spiele in London. Im Interview mit der DF-Redaktion sprachen ARD-Olympiachef Walter Johannsen und Online-Projektleiter Thomas Luerweg, beide vom in der ARD federführenden NDR, über die Vorzüge der Live-Streams und darüber, welche Rolle Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert in London spielen wird.

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Walter Johannsen - Sportchef Fernsehen des NDR, Olympia-Teamchef von ARD/ZDF bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking.

Bild: NDR/Marcus Krüger


Wie viele ARD-Korrespondenten werden bei den Olympics 2012 in London vor Ort sein?

Walter Johannsen: ARD und ZDF werden mit rund 480 Mitarbeitern in London arbeiten und damit deutlich weniger Personal aufwenden als noch in Peking vor vier Jahren. Darunter sind rund 80 Moderatoren, Redakteure, Reporter, Regisseure und Storymacher, die für die Berichterstattung unseres Programms "ARD Olympia live" tätig werden. Nicht mit eingerechnet sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ARD-Studios London sowie vom Morgen– und Mittagsmagazin, die nur eine Woche aus London senden.

Die ARD-Olympia-Website sportschau.de/olympia startet in einer ersten Version am 2. Juli und wird sukzessive immer weiter ausgebaut. Sie wird am 2. Juli bereits umfangreiche Informationen zu London, zur olympischen Geschichte oder auch zum ARD-Team enthalten.


Was wird hinsichtlich der ARD-Berichterstattung im Vergleich zu den letzten Olympischen Sommerspielen 2008 anders sein? Was bleibt gleich?

Johannsen: Wir werden – wie das ZDF – auf eine ausgewiesene Highlight-Sendung (in Peking noch mit Reinhold Beckmann) und auf eine Fortsetzung von "Waldi und Harry" verzichten, weil wir diesmal nur eine Stunde Zeitverschiebung haben und Live-Sport bis nach Mitternacht angeboten wird. So konnten die Produktionskosten für London deutlich reduziert werden.

Neu im ARD-Team ist Rolf Seelmann-Eggebert, der sich auf Grund seiner vielen "Royalty"-Übertragungen bestens in London und mit der englischen Mentalität auskennt. Einzige ARD-Expertin bleibt Franziska van Almsick, die bei den Schwimmwettbewerben als Co-Moderatorin zur Verfügung steht.

Vor unseren acht Live-Sendungen (in der Regel von 09:45 – 01:00 Uhr) haben wir jeweils eine ca. 45-minütige Dokumentation über die Olympischen Spiele von 1896 – 2008 platziert. Eine Fundgrube für diejenigen Zuschauer, die seit Jahren und Jahrzehnten Interesse an diesem sportlichen Highlight haben.


Welche Disziplinen bzw. Sportarten werden bei der Berichterstattung im Mittelpunkt stehen?

Johannsen: Fünf Sportarten stehen sicher im Mittelpunkt des Zuschauerinteresses: Leichtathletik, Schwimmen, Reiten sowie Rudern und Kanu. Wir tragen dem Rechnung und haben an den entsprechenden Sportstätten eigene Technik (Kameras) installiert, um das Weltbild-Angebot ggfs. ergänzen zu können. Ansonsten versuchen wir natürlich, wie immer die Gesamtheit der Spiele zu erfassen - wie oft rutschten Sportarten in den Mittelpunkt des Zuschauerinteresses, mit denen niemand vorher rechnen konnte (z. B. Gewichtheber Steiner in Peking!). 


Eine Auslagerung der Wettkämpfe auf die digitalen Spartensender von ARD und ZDF soll in diesem Jahr nicht mehr genutzt werden. Die britische BBC geht hingegen einen besonders aufwendigen Weg und will für die Laufzeit von Olympia 24 zusätzliche TV-Kanäle in HD anbieten. Warum legen Sie mit insgesamt sechs abrufbaren Livestreams hingegen mehr Wert auf Ihr Web-Angebot?

Walter Johannsen: Eine Ausweitung der Kanäle ist für die ARD aus verschiedenen Gründen nicht darstellbar. Das Web-Angebot bietet den Vorteil, dass sich der User "sein" Programm selbst basteln kann. Die ARD-Streams sind nicht nur im Internet, sondern auch via HbbTV und auf mobilen Endgeräten zu empfangen. Insofern legen ARD und ZDF nicht mehr Wert auf das Internet als die BBC.

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Thomas Luerweg, Projektleiter Online

Bild: NDR/Marcus Krüger


Es wird davon ausgegangen, dass es einen großen Ansturm auf die Livestreams Ihrer Online-Mediathek geben wird. Denken Sie, dass die Server dafür gut gerüstet sind, sodass es zu keiner Überlastung kommt?

Thomas Luerweg: Sicher kann man sich nie sein. Aber wir glauben, dass wir in dem Bereich gut gerüstet sind. Die Zahlen, die gerade jetzt beim Fußball-Streaming erreicht werden, sollten wir "abfedern" können. Aber es wird absolut spannend sein, zu erleben, in welchem Umfang das Streaming-Angebot angenommen wird. Denn mit ziemlicher Sicherheit wird die Entwicklung in diese Richtung weitergehen und uns vor neue Herausforderungen stellen.

Die ARD-Streams werden aufgrund rigider Geoblocking-Auflagen übrigens nicht in den Mediatheken der ARD zu sehen sein, sondern im Internet ausschließlich unter sportschau.de/olympia.

Johannsen: Die ARD-Olympia-Website sportschau.de/olympia startet in einer ersten Version am 2. Juli und wird sukzessive immer weiter ausgebaut. Sie wird am 2. Juli bereits umfangreiche Informationen zu London, zur olympischen Geschichte oder auch zum ARD-Team enthalten.




In diesem Jahr wird es erstmalig ein HbbTV-Angebot geben, in dem unter anderem die sechs Livestreams zu sehen sein werden. Derzeit wird HbbTV allerdings noch von einem geringen Teil der Zuschauer genutzt. Warum wollen Sie trotzdem die Internetinhalte für Fernsehzuschauer verfügbar machen?


Luerweg: ARD und ZDF erachten es für einen guten Service, als Fernsehzuschauer zwischen verschiedenen Olympia-Übertragungen auswählen zu können. Olympia ist eine gute Gelegenheit, die Möglichkeiten von HbbTV zu demonstrieren.


Wie stellen Sie sich mit Ihrer Sportschau-App auf das Sport-Großereignis ein? Wird es hier auch einen Livestream geben?

Luerweg: Die Sportschau-App wird wesentliche Elemente der Olympia-Website enthalten, allerdings keine Live-Streams. Diese werden über die mobile Ausspielung von sportschau.de/olympia erreichbar sein.


Vielen Dank für das Gespräch!



Weitere Details rund um die Olympischen Sommerspiele 2012 in London erfahren Sie auch in der aktuellen Ausgabe der DIGITAL FERNSEHEN.

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