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  • Verschlüsseltes Free-TV

 erstellt am 15.01.2010 von Marc Hankmann

Was zunächst wie ein Anachronismus klingt, wollen uns die Marketingexperten der Fernsehsender unterjubeln. Free-TV bleibt Free-TV, auch wenn es verschlüsselt wird. Dabei ist diese Begriffsdiskussion völlig überflüssig. Welchen Namen das Kind auch trägt, am Thema Verschlüsselung entzünden sich die Gemüter.

Die Verschlüsselung ist für Öffentlich-Rechtliche ein rotes Tuch, für die Privaten die Grundvoraussetzung zum Überleben in der digitalen Welt
Bild: Auerbach Verlag

Und das nicht erst seit Entavio, der Plattform, mit der die RTL-Gruppe und Pro Sieben Sat 1 die Verschlüsselung für ihre Programme via Satellit einführen wollte. Mitte der 1990er Jahre wollten die Deutsche Telekom, Bertelsmann/UFA und CLT zusammen mit ARD, ZDF, Canal Plus und RTL eine Set-Top-Box mit dem Verschlüsselungssystem Seca/Mediaguard auf den Markt bringen. Die Mediabox sollte der Standard-Receiver für den digitalen Kabelempfang werden.
 
Anfang 2006 gelang den Privatsendern dann doch die Grundverschlüsselung im Kabel, wenngleich sie nicht so grundsätzlich ist, wie der Name vermuten lässt. Die öffentlich-rechtlichen Programme werden immer noch ohne Verschlüsselung im Kabel ausgestrahlt. Für alle anderen Free-TV-Programme ist eine Smartcard erforderlich, die gegen eine einmalige Gebühr bezogen werden kann. Das ist der Pay-Anteil am Free-TV, der mal Bearbeitungsgebühr, mal Technikpauschale genannt wird.

Die Verschlüsselung ist für Öffentlich-Rechtliche ein rotes Tuch, für die Privaten die Grundvoraussetzung zum Überleben in der digitalen Welt. Im Interview mit unserem Magazin DIGITAL INSIDER gab Jürgen Doetz, Präsident des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien, unverblümt zu, dass es ein Fehler gewesen sei, die Privatsender über nicht adressierbare Plattformen auszustrahlen. Der Versuch mit Entavio diesen Fehler rückgängig zu machen scheiterte, allerdings nicht, weil die Grundverschlüsselung politisch nicht gewollt ist, sondern weil das Bundeskartellamt wettbewerbswidrige Absprachen zwischen RTL und Pro Sieben Sat 1 anprangerte.
 
Die Kehrseite der Verschlüsselung bekommen hauptsächlich Pay-TV-Anbieter zu spüren. Das Hacken verschlüsselter Bezahlsender ist längst nicht mehr das Werk spitzfindiger Technik-Freaks. Es hat sich zu einer wahren Schattenindustrie entwickelt. Der Hack eines Pay-TV-Anbieters wird kommerziell ausgeschlachtet. Im Jahr 2005 machte die Cerebro-Smartcard die Runde, mit der das Programm von Premiere illegal freigeschaltet werden konnte. Der Support für die Karte wurde irgendwann eingestellt und eine neue Smartcard wurde den Schwarzsehern angepriesen, die wiederum zugriffen und zahlten. Das Besondere an der Cerebro: Ihre Daten waren gegen Hackerangriffe geschützt, denn das Geschäft wäre zusammengebrochen, hätte jemand die Codes im Internet frei verfügbar angeboten.
 
Dass auch die Anbieter von Verschlüsselungssystemen mit Hackern zusammenarbeiten, offenbarte im Jahr 2008 der Prozess zwischen NDS und Echostar in den USA. NDS wurde des Hackens einer Smartcard überführt und zur Zahlung eines symbolischen Schadenersatzes in Höhe von 1045,69 US-Dollar verurteilt. Insider gehen davon aus, dass das Hacken der Konkurrenzangebote in der Verschlüsselungsindustrie zum Standard gehört. Hacker kommen so an Daten, die sie nicht immer einzig und allein ihrem Auftraggeber zuspielen.
 

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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