Poker ist im deutschen Fernsehen weiterhin angesagt

09.08.2018, 20:34 Uhr, red

Der Casino-Klassiker Poker erfährt im deutschen TV nach wie vor wachsende Begeisterung. Wer zur Primetime durch die nationalen und internationalen Sportkanäle zappt, der hat längst festgestellt, dass nicht mehr nur der grüne Rasen regiert, sondern immer öfter auch das grüne Speed Cloth Tuch der Pokertische.


Sowohl auf Sport1 und den Kanälen von Eurosport als auch im Rahmen von Events auf ProSieben sind die Stars der Szene zu sehen, wie sie in unvergleichlicher Manier Hand um Hand ausspielen, ihre Gegner gekonnt ausstechen und dabei ganz nebenbei mit ungerührter Miene um hohe Preisgelder spielen.
 
Auch wenn TV-Übertragungen der World Series of Poker oder anderer namhafter Poker-Veranstaltungen nicht mit den Millionen-Quoten von Formel 1, den Olympischen Spielen, der Tour de France oder gar "König Fußball" mithalten können, ist das Kartenspiel mittlerweile mehr als ein Nischensport. Die durchschnittliche Poker-Übertragung hat immerhin 200.000 Zuseher - Tendenz steigend. Eine aktuelle Statistik bestätigt außerdem, was viele bereits ahnen: Poker ist ein Spiel für jedermann. Ganz gleich, ob jung oder alt, Frau oder Mann. Poker wird von allen geschaut, wenngleich der Anteil der männlichen Zielgruppe zwischen 18 und 34 am größten ist.
 
Die Frage danach, was die Zuseher dazu bringt, anderen Menschen im Fernsehen beim Kartenspielen zuzusehen, liegt vor allem in der Zugänglichkeit des Spiels. So jedenfalls die Auffassung des Sportreporters Michael Körner, der für den Sender Sport1 bereits zahlreiche Pokerturniere kommentiert hat. Demnach seinen viele Begriffe wie etwa die "Straße" oder das "Full-House" Jung und Alt bereits durch Familienspiele wie Kniffel ein Begriff. 
 
Das verringert die Einstiegshürden mindestens ebenso stark wie die Tatsache, dass es zum Loslegen lediglich ein Kartendeck braucht, so Körner weiter. Nicht ganz unschuldig am Erfolg von Poker im Fernsehen ist zweifelsfrei die Inszenierung, denn noch immer wird das leicht verruchte Image zwischen Western und Glamour-Poker á la Casino Royal gepflegt. Immerhin treten Stars der Szene gerne geheimnisvoll auf und verbergen ihre wahre Identität hinter Decknamen wie "Quiet Riot", "phibort" oder "Lady Horror".


Was die Übertragung selbst angeht, so steht auch hier der inszenierte Thrill gepaart mit dem Wissen der Zuseher im Vordergrund. Während Poker-Asse am Tisch lediglich über die Karten ihrer Kontrahenten mutmaßen können, zeigen Unterglaskameras dem Zuschauer genau das, was für alle anderen unsichtbar ist - das Blatt aller Spieler. Damit taucht der Zuschauer selbst in das Spiel ein und überlegt Taktiken, Züge und versucht selbst mitzuspielen. 
 
Einen großen Teil seiner immer noch steigenden Beliebtheit hat der Poker-Sport den zahlreichen Online-Angeboten zu verdanken, die seit Beginn des Jahrtausends wie Pilze aus dem Boden sprießen. Gerade, wer in seinem direkten Umfeld nicht genügend Mitspieler hat, sehr intensiv "trainieren" oder gar mit dem Pokern Geld verdienen möchte, ist im Internet bestens aufgehoben.
 
Sonst erbitterte Konkurrenten, bilden das Fernsehen und die Online-Welt in Sachen Poker eine interessante Symbiose. Häufig bieten gerade Online Veranstaltungen die Eintrittskarte für die Teilnahme an Live-Spielen im TV wie beispielsweise im Rahmen der bis 2016 ausgestrahlten "ProSieben PokerStars.de-Nacht". Und welcher Hobby-Pokerspieler wollte nicht schon immer einmal mit Pius Heinz und Co am gleichen Tisch sitzen?
 
Viele Zuschauer von Poker-Events fragen sich, warum diese meist nicht live übertragen werden. Nun, das liegt daran, dass die Veranstalter jede Form der Manipulation und Informationsweitergabe an die Spieler verhindern möchten. Dementsprechend handelt es sich bei den meisten Ausstrahlungen um Aufzeichnungen, bei deren Aufnahme auch die Kommentatoren vom Studiopublikum getrennt sind. Und wird doch einmal eine Liveübertragung im Fernsehen gezeigt, baut der Sender aus Sicherheitsgründen eine Sendezeitverzögerung von mehreren Minuten ein.

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