ProSieben: "Stromberg" wird Vater, aber noch fieser

04.11.2011, 11:28 Uhr, Carsten Rave

Politisch korrekt? Darauf pfeift "Stromberg". Der Versicherungsangestellte mit wenig Sinn für Toleranz und Minderheiten lästert ab Dienstag (8. November) wieder auf ProSieben. Der Irrwitz kennt auch in Staffel fünf keine Grenzen.

Polarisiert die deutschen Serienfans: "Stromberg"
Bild: ProSieben


"Schwule, Ausländer, Frauen". Mit diesen "Minderheiten" hat Stromberg nur Ärger. Daran ändert auch sein gesellschaftlicher Aufstieg nichts, den der Bürohengst, bislang noch stellvertretender Leiter der Abteilung Schadensregulierung, nun anstrebt. "Stromberg" wird in der neuen Staffel, die am Dienstag (8.November) um 22.10 Uhr auf ProSieben startet, Chef der Abteilung und hält emsig Kontakt zur Schaltzentrale der Macht. "Und plötzlich trifft Stromberg auf viele Strombergs, die sich gegenseitig nicht die Augen aushacken, weil sie ihre Pfründe sichern wollen", wie Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst (45) sagt.


Und mit dem beruflichen Erfolg tritt ganz offenbar auch privates Glück ein. Denn die Kollegin Milena Dreißig (Jennifer Schirrmann) kann dem aufdringlichen und schleimigen Charme des Endvierzigers mit Platte und Bart kaum widerstehen. Ob ein Junge oder ein Mädchen die Folge von Strombergs Spiel mit dem Frauen-Feuer ist, will Herbst noch nicht verraten. "Er hat aber schon immer von sich als Papa geredet", sagt Herbst. "Die Fans werden ihn kaum erwarten können in dieser neuen Aufgabe. Stromberg wird in der neuen Rolle empathischer, er bekommt noch mehr sympathische Züge."


Ein Wechselspiel der Gefühle für den Zuschauer: "Man möchte ihm am liebsten in den Hintern treten, aber dabei auch in die Arme nehmen", meint Herbst über seinen "Stromberg", der in Anlehnung an die britische Serie "The Office" entstand und seit Oktober 2004 bei ProSieben zu sehen ist. Seine deutsche Version gewann den Deutschen Fernsehpreis, den Grimme-Preis und bildete um sich eine verschworene Fangemeinschaft, aber nicht besonders viele Zuschauer am TV, so dass das Programm immer wieder am seidenen Faden hängt. "Wir hatten pro Staffel einen Geschäftsführer", berichtet Herbst mit Stolz. Der erste war noch Dejan Jocic, der trotz magerer Quoten die zweite Staffel genehmigte und der Serie damit Freiraum gab.


Den Kult um "Stromberg" machen natürlich Strombergs perfide Sprüche aus. Kostproben? "Chef ist kein Job für Eierlose, sag' ich gleich. Chef ist wie'n Wecker. Keiner will ihn, jeder hasst ihn, aber ohne ihn würden alle immer nur pennen, pennen, pennen." Oder: "Ich will anderen nie eine Grube graben, ich drücke Ihnen höchstens die Schaufel in die Hand, aber dann habe ich mit dem Rest nichts mehr zu tun..." Oder: "Warum haben Versicherungen immer Rasen vor dem Haus? Damit es nicht so laut ist, wenn wir das Geld zum Fenster rauswerfen." Stolz ist Herbst, dass "ständig etwas passiert, wie auf einem Breughel-Gemälde".

Christoph Maria Herbst als "Stromberg"
Bild: ProSieben


Ob es nach der fünften Staffel für eine sechste reicht, ist offen. Fest steht nur, dass sich dann auch mit Stromberg einiges ändern muss. "Der leistet sich zum Ende der neuen Staffel so unfassbare Klöpse, dass er in der Capitol-Versicherung einfach nicht mehr tragbar ist", sagt Herbst. Nicht auszuschließen ist sogar ein Branchenwechsel, vielleicht macht er sich auch selbstständig. Und wenn er dann doch bleibt in seiner Versicherung, dann könnte er mit der Figur sogar in Rente gehen, meint der Hauptdarsteller. Schließlich ist dem 45-jährigen Herbst die Rollenfigur mit Ende 40 ein paar Jahre voraus.


Wenn "Stromberg" nun wieder loslegt, ist Herbst auf Lesetour: In "Ein Traum von einem Schiff" lästert er über das ZDF-"Traumschiff", auf dem er auch zu Gast war, unter anderem als "schipperndem Knast" oder über die Kommandobrücke als "Palliativstation" für TV-Kapitän Siegfried Rauch. Einige Stellen erscheinen nach einer Einstweiligen Verfügung (von unbekannt) geschwärzt (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete). Herbst nimmt die Begleiterscheinungen dankbar als kostenlose PR-Aktion an. "Traumschiff"-Erfinder Wolfgang Rademann habe jedenfalls "Tränen des Lachens und der Rührung" im Auge gehabt, als er ihm daraus vorgelesen habe, sagt Herbst.

So wie die Capitol-Versicherung vor "Stromberg", ist die TV-Branche auch nicht vor Herbst sicher.

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