"Quizduell": Datensammelwut macht ARD-Show zunichte

15.05.2014, 13:48 Uhr, ps

Nicht Hacker sollen maßgeblich für die technischen Pannen bei der ARD-Show "Quizduell" verantwortlich sein, sondern offenbar die Datensammelwut des Senders. Dieser möchte über die App auch Informationen zu Standort und Geschlecht der User auswerten. Ist ein eigentlich überflüssiges Feature also für das Debakel verantwortlich?


Setzen Sechs! - So und nicht anders muss das Fazit der ersten drei Ausgaben des "Quizduell" im Ersten wohl lauten. Auch in der dritten Sendung am Mittwoch funktionierte die für das Konzept der Sendung grundlegende Teilnahme der Zuschauer an der Sendung via App nicht. Am Donnerstag hat die ARD nun erstmals offiziell die Ergebnisse ihrer bisherigen Fehleranalyse veröffentlicht. Demnach waren wohl nicht, wie zunächst vermutet, Hacker das Hauptproblem, sondern eine System-Überlastung.


Dass die ARD erst nach drei Tagen feststellt, warum ihre neue Quiz-Sendung offensichtlich nicht so funktioniert wie sie sollte, ist peinlich. Technische Probleme gerade bei völlig neuen Konzepten, sind im Fernsehen keine Seltenheit. Im Falle des "Quizduells" treten diese allerdings in einer so massiven Form auf, dass das eigentliche Konzept der Sendung noch nicht mal im Ansatz funktioniert. Dabei hilft es wenig, dass Moderator Jörg Pilawa aus der Situation wahrlich das beste macht und auch mit Selbstironie punkten kann. Letztlich kann dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Show ansonsten bislang ein völliges Debakel ist.

ARD sammelt zusätzliche Daten


 
Was beinahe noch schlimmer ist: Als Ursache für die massive Überlastung des eigenen Systems vermutet die ARD nun die eigene Datensammelwut. So sollten über die "Quizduell"-App nicht nur die Antworten der via Smartphone teilnehmenden Zuschauer ausgewertet werden, sondern auch weitere Daten wie beispielsweise zu Geschlecht und Standort der Nutzer. Diese sollten den App-Usern, die an der Sendung teilnehmen, dann als zusätzliche Infos zur Verfügung gestellt werden. Für manchen Teilnehmer mag dies tatsächlich ein nettes Gimmick sein, zum Funktionieren der TV-Show hätte es hingegen wohl eher wenig bis gar nichts beigetragen. Hier stellt sich die Frage, ob man bei der ARD und der Produktionsfirma ITV nicht vielleicht die Prioritäten falsch gesetzt hat.
 
Es wäre schon kurios, wenn ausgerechnet das an sich überflüssige Datensammeln die Show tatsächlich lahm legen würde. Smartphone-Apps können durchaus Spaß machen und den Alltag erleichtern. Das fast überall anzutreffende Sammeln von Daten gehört jedoch zweifellos zu den schlechtesten Eigenschaften der mobilen Anwendungen. Es wäre schade, wenn man ausgerechnet diese Eigenschaft einer App in die Show importiert hätte und diese letztlich auch noch für deren Scheitern verantwortlich wäre.

Zuschauer geben dem Format eine Chance


 
Die genaue Fehlersuche und das Beheben sollen jedenfalls noch einige Tage in Anspruch nehmen. Somit wird es das TV-"Quizduell" bis auf weiteres auch weiterhin erstmal nur ohne die App-Zocker am heimischen TV-Bildschirm geben. Bislang scheinen die Zuschauer, zumindest mit Blick auf die Einschaltquoten, gnädig mit der ARD zu sein. Wie lange dieser Zustand anhält ist jedoch fraglich. In der Vergangenheit waren Sendungen, die ihre technischen Schwierigkeiten nicht in dien Griff bekamen, jedenfalls meist ziemlich schnell wieder weg vom Fenster. Vielleicht ließe sich Jörg Pilawa für diesen Fall ja zu einer neuen Quiz-Sendung ohne App dafür aber mit Studio-Publikum überreden.

  • Gefällt mir