Porträt • Samsung - Ganz nach oben?

Zu Besuch im Samsung Research America

 erstellt am 22.06.2016 von Christoph Pech
Samsung will zur Nummer Eins im Audiobereich aufsteigen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat man viel Geld in die Hand genommen und viel Kompetenz verpflichtet, um das Audio Lab von Samsung Research America zum Nonplusultra zu machen.
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Von außen unscheinbar: Samsung Research America verbirgt sich in einem typischen Bürogebäude
Bild: © Auerbach Verlag

Nördlich von Los Angeles liegt das etwas verschlafene Städtchen Valencia, dominiert von Privathäusern und ständig gleich aussehenden Bürogebäuden. Man würde eher nicht vermuten, dass das Weltunternehmen Samsung ausgerechnet hier auf den Audiothron springen möchte. Auch unser Fahrer fährt erst einmal am Ziel vorbei, weil er es schlicht übersieht. Das Audio Lab von Samsung Research America ist das beste Beispiel dafür, dass äußere Eindrücke trügen können.

Mit Herzblut

Mit dem neuen R7 geht Samsung im Multiroombereich in die Offensive und bringt 360°-Lautsprecher in bezahlbare Dimensionen
Bild: © Samsung

Allan Devantier, Leiter der Einrichtung, ist seit 30 Jahren im Business und hat davon 22 Jahre bei Harman gearbeitet. Er ist im besten Sinne ein Audio Geek. Typisch amerikanisch ist er um selbstbewusste Äußerungen nicht verlegen: "We wanna help Samsung become the No. 1 Audio company in the world." Um auch wirklich ganz nach oben zu kommen, hat man viel investiert.
 
Ohne genaue Zahlen zu nennen, lässt sich Devantier doch entlocken, dass ein siebenstelliger Betrag in das Audio Lab investiert wurde. Experten-Know-How - Devantier ist nicht der einzige Mitarbeiter, der von der Konkurrenz abgeworben wurde - und modernste Technik sind die Eckpfeiler, die für herausragende Entwicklungen sorgen sollen. Künftig sollen von der Soundbar bis zum integrierten TV-Lautsprecher alle Audiotechnologien in Valencia entwickelt werden. Die erste komplett eigene Kreation ist der R7-360-Grad-Lautsprecher.

Objektive Subjektivität

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Hier sind Enthusiasien am Werk, die die Musik im Herzen und deren Macher an der Wand tragen
Bild: © Auerbach Verlag

Devantier und sein Team haben ein Problem: Sie kommen aus einem High-End-Background und es gibt wohl tatsächlich wenige Leute auf der Welt, die ähnliche Experten sind. Wenn man ihm zuhört, merkt man, wie aus jedem Satz Leidenschaft für Lautsprecher, Klang und Musik quilt.
 
Warum ist das ein Problem? Im Audiobereich produziert Samsung keine High-End-Ware. Man wird, wohl auch langfristig, keinen 10 000 Euro teuren Lautsprecher des Unternehmens zu hören bekommen. Aktuell lautet die Zielsetzung, Innovationen aus hohen Preiskategorien in die Mittelklasse zu übersetzen. 360-Grad-Lautsprecher sind keine Neuheit, im 500-Euro-Segment und darunter sind sie aber derzeit einzigartig.
 
Das Team, das für perfekten Klang lebt, muss also aus limitiertem Equipment (es darf für den Endkunden nicht zu teuer werden) das Optimum herausholen. Dafür setzt man auf die Vereinbarkeit von zweierlei Philosophien: Am Anfang steht die objektive Messung. Bevor Lautsprecher real gebaut werden, werden sie digital simuliert. Prototypen werden dann zunächst objektiv beurteilt. Das Motto lautet: "Measure Everything!". Alles soll messbar gemacht werden.
 
Zudem will man Lautsprecher für typische Alltagsräume, also das Wohnzimmer oder die Küche entwickeln und testet in entsprechend simulierten Räumlichkeiten. Doch Klang ist immer auch subjektiv, persönlich. In Blindtests werden die Lautsprecher Probanden vorgeführt. Dabei hören diese drei oder vier Lautsprecher, ohne zu sehen, um welche es sich handelt (und von welchem Hersteller sie stammen) und sollen sie bewerten - nach vorheriger Schulung, worauf man bei einem guten Lautsprecher achten sollte.
 
Mit diesem System, das bemerkenswert gleichmäßige Ergebnisse bei großen Testreihen produziert, lässt sich der subjektive Höreindruck wiederum objektiv messbar machen. Die Entwickler erfahren: Ist der Klang neutral? Sind die Höhen zu scharf? Weist der mittlere Frequenzbereich ein Loch auf?

Luft nach oben


Auch unsere Journalistengruppe darf sich dem Blindtest unterziehen. Dieser sorgt allerdings nicht für das erwartete Prädikat. Der R7 zieht im Vergleich zur Konkurrenz den Kürzeren. Das liegt vor allem am unglücklichen Testfeld, denn der Multiroom-Lautsprecher tritt gegen zwei Konkurrenzprodukte für etwa 2 000 bzw. 5 000 Euro an. Alles andere als der letzte Platz wäre hier eine faustdicke Überraschung gewesen. Man muss aber festhalten: Es ist kein schlechter Lautsprecher.
 
Am Folgetag lauschen wir einer 4.0-Aufstellung, die belegt, dass R6 und R7 durchaus als Heimkinosystem überzeugen können. Genau wie deren Rundumklang: Durch den in alle Richtungen abstrahlenden Klang ist die Hörposition tatsächlich egal, anders als bei klassischen Lautsprechern, deren Klangeigenschaften sich komplett ändern, wenn man an der Rückseite steht. Reicht das nun für die Spitzenposition im Audiobereich? Vorerst wohl nicht.
 
Bislang ist das Audio-Portfolio von Samsung zu klein und zu sehr auf das Niedrig- und Mittelpreissegment beschränkt. Doch die Reise beginnt erst. Das Audio Lab wurde im vergangenen Jahr eingeweiht, die Zukunft wird zeigen, wo die Reise hingeht. Die Versprechungen von Allan Devantier lassen jedenfalls auf interessante Entwicklungen hoffen: "You'll see three cool ideas from this lab in the next two years."

Im Labor

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Werkbänke, Büroplätze, Hightech-Labore: Das Audio Lab hat den Charme einer kleinen Werkstatt, ist aber mit neuester Technik ausgestattet

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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