Hintergrund • Schärfetricks

Ehrliche Zahlen

 erstellt am 20.02.2013
Während in den letzten Jahren noch realistische Zahlen zur Bildschärfe in den Datenblättern der Hersteller zu finden waren, explodieren die Zahlen aktuell. So werben TV-Anbieter mit über 1 000 Hertz, doch stecken in den Fernsehern nach wie vor nur 50-, 100- oder 200-Hertz Panel, die mittels LED-Beleuchtung und Bildberechnungen zur Höchstleistung getrieben werden. Wir haben die Herstellerangaben für Sie entschlüsselt.

Samsung: Clear Motion Rate (CMR)

Bild: Samsung

 
Echte 100-Hertz-Qualität erhalten Sie bei Samsung erst ab 200 Hertz CMR, ein Modell der Serie ES6000 sollte es also Minimum sein, um eine gute Bewegtbildschärfe zu erhalten. Wollen Sie Kinofilme besonders flüssig darstellen, sollten Sie Geräte mit CMR 400 Hertz wählen.
 
Legen Sie auch auf 3D viel Wert, benötigen Sie aufgrund des 3D-Shutter-Verfahrens einen Fernseher mit echter 200-Hertz-Qualität, was nach den Berechnungen Samsungs 800 Hertz CMR entspricht. Hier stehen die Serien ES7000, ES8000 und ES9000 zur Wahl, die im Vergleich zu 100-Hertz-TVs weniger Doppelkonturen zeigen.

Philips: Perfect Motion Rate (PMR)

Bild: Philips

 
Vergleichbar zu Samsung erhalten Sie eine 100-Hertz-Qualität ab der Herstellerangabe 200 Hertz PMR, allerdings empfehlen wir Ihnen, für eine gute Bewegtbildschärfe auf Modelle mit PMR 400 Hertz zu setzen. Somit sollten Sie Modelle der Baureihe PFL5000 und aufwärts wählen.
 
Für 3D stehen zwei Optionen zur Wahl: Die Serie PFL6000 bietet trotz 100-Hertz-Technik dank Polfi lter eine sehr gute 3D-Wiedergabe. Für das Shutter-3D-Verfahren sind dagegen Modelle mit echter 200-Hertz-Qualität Voraussetzung, diese finden Sie ab den Baureihen PFL7000 aufwärts.

LG: Motion Clarity Index (MCI)

Bild: LG

 
Die wohl unlogischste Berechnung zur Bewegtbildschärfe finden Sie aktuell bei LG. Obwohl die Serie LM615 mit 200 Hertz MCI angegeben wird, entpuppte sich das Modell in unserem Test als reines 50/60-Hertz Gerät, ohne Möglichkeiten, die Bewegtbildschärfe zu verbessern.
 
Deshalb sollten Sie mindestens zu Geräten mit einem MC-Index von 400 Hertz greifen, was ab der Baureihe LM620 der Fall ist. Da LG ausschließlich auf das Polfilterverfahren setzt, haben selbst günstige Geräte keine Probleme mit der Bildtrennung. Die bestmögliche 200-Hertz-Qualität erwartet Sie ab der MCI-Angabe 800 Hertz.

Toshiba: Active Motion Rate (AMR)

Bild: Toshiba

 
Vergleichbar zu Philips und Samsung erhalten Sie ab einem AMR-Wert von 200 Hertz eine 100-Hertz-Qualität. Setzen Sie eine vollwertige Zwischenbildberechnung voraus, die Kinofilme flüssiger zeichnet, benötigen Sie einen Fernseher mit AMR-Wert 400 Hertz.
 
Für eine gute 3D-Qualität reicht dieser Wert ebenfalls, wenn Sie auf Modelle mit Polfilter-3D setzen, da hierbei die Bildtrennung über einen passiven Filter erfolgt. Das Shutter-3DVerfahren verlangt dagegen nach echter 200-Hertz-Qualität, die ab der AMR-Angabe von 800 Hertz erreicht wird und derzeit nur bei den Modellen ZL1, ZL2 und WL863 zur Verfügung steht.

Sony: Motionflow XR

Bild: Sony

 
Eine ehrliche Angabe zur Qualität der Bildschärfe finden Sie bei Sony: Der Hersteller listet den Motionflow-Wert (Herstellerkalkulation) und die tatsächliche Bildwiederholfrequenz getrennt auf. Somit erkennen Sie sofort, wie viele Bilder der Fernseher tatsächlich pro Sekunde generiert.
 
Motionflow XR 200 steht dabei für eine 100-Hertz-Technik, ab Motionflow XR 400 Hertz genießen Sie bereits eine echte 200-Hertz-Qualität. Für 3D ist Motionfl ow XR 400 verpflichtend. Das Nonplusultra stellt Motionflow XR 800 dar, eine Kombination aus LED-Backlight-Steuerung, Zwischenbildberechnung und 200-Hertz-Panel.

Panasonic

Bild: Panasonic

 
Eine 100-Hertz-Qualität erwartet Sie ab der Herstellerangabe 300 Hertz, eine 200-Hertz-Qualität ab 800 Hertz. Ein 8-Stufen-LED-Backlight samt 200-Hertz-LCD-Panel ergeben am Ende den Rekordwert 1 600 Hertz.
 
Komplizierter ist die Berechnung bei den Plasma-TVs, die allesamt eine 100-Hertz- Zwischenbildberechnung durchführen, aber eine 600-Hertz-Signalverarbeitung besitzen. Das Nachleuchten des Phosphors wird sogar mit 0,4 Millisekunden beziffert, was letztendlich in der Herstellerangabe 2 500 Hertz mündet. Für Shutter-3D setzt Panasonic im LCD-Bereich konsequent auf 200-Hertz-Panel.

Loewe, Metz, Bang&Olufsen

Bild: Bang&Olufsen, Loewe, Metz

 
Im Premiumbereich scheinen keine Marketingtricks nötig: Mit wenigen Ausnahmen finden Sie bei diesen drei Herstellern die korrekten Angaben bezüglich der Bildschärfe: 100 Hertz sind hier echte 100 Hertz, 200 Hertz wiederum echte 200 Hertz.
 
Für eine gute 3D-Wiedergabe sollten Sie bei Bang&Olufsen und Loewe auf 200-Hertz-Fernseher setzen, bei Metz können Sie dank Polfilter-3D auch zu 100-Hertz-Geräten greifen.

Warum ist eine hohe Hertz-Angabe wichtig?


LCD-Fernseher müssen, um schnelle Bildabfolgen klarer darzustellen, Zwischenbilder berechnen, sonst nehmen Sie deutliche Unschärfen wahr. Je mehr Bilder ein Fernseher berechnen kann, desto schärfer erscheint das Gesehene am Ende. Dabei stehen zwei Möglichkeiten zur Wahl: Entweder werden in einem komplexen Verfahren neue Zwischenbilder erzeugt, die mit dem Eingangssignal kombiniert werden, oder es findet durch die Hintergrundbeleuchtung ein Ein- und Ausschalten der LEDs statt:
 
Die Dunkelbilder minimieren die Anzeigedauer jedes Einzelbildes und es ergibt sich ein schärferer Gesamteindruck. Wollen Sie Kinofilme besonders flüssig genießen, benötigen Sie in jedem Fall eine komplexe Zwischenbildberechnung, die die Hersteller meist erst ab 400 Hertz (Marketingangabe, entspricht häufig 100-Hertz-Qualität) zur Verfügung stellen. Für 3D spielt die Hertz-Angabe beim Shutter-Verfahren eine wichtige Rolle: Nur mit echten 200-Hertz-Panels werden Doppelkonturen ausreichend minimiert.

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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