So trickst DAZN bei den Sportrechten

21.05.2018, 07:40 Uhr, sh

Einige Sportevents dürfte der Streaminganbieter gar nicht übertragen. Deshalb bietet er einen fast geheimen zweiten Service an und narrt damit die Rechteanbieter.


Die Sportrechte-Anbieter haben genaue Vorstellungen, wie ihr Content empfangen werden soll. Reinen Streamingdiensten traut man aktuell nur eingeschränkt zu die Zuschauermassen zu erreichen. Bei der Rechtevergabe der aktuellen Fußball-Bundesliga-Spiele verpflichtete die DFL beispielsweise die Anbieter, mindestens drei Übertragungswege abzudecken. Diese wurden definiert als Web(-Streaming), Mobile(-Streaming), Satellit, Kabel, IPTV (z. B. T-Entertain) bzw. DVB-T2. Eurosport konnte mit seinem Player lediglich die Bereiche Web und Mobile abdecken, die Verhandlungen mit Sky für Satellit und Kabel platzten bekanntlich. Um nicht vertragsbrüchig zu werden brauchte Eurosport einen weiteren Verbreitungsweg, es kam deshalb wenige Stunden vor dem ersten Freitagsspiel zu der Vereinbarung mit HD+ und der Aufschaltung auf Astra.


Ähnliche Zwänge hat auch der Streaminganbieter DAZN, insbesondere bei den Übertragungen der englischen Liga. Reines Streaming ist einigen Rechteanbietern zu wenig. Nur aus diesem Grund bietet DAZN parallel zu seinem Streamingangebot auch noch einen linearen Pay-TV-Kanal mit Fußballspielen an, der aktuell aber nur im Kabelnetz von Wilhelm.tel in Norderstedt bei Hamburg empfangen werden kann. Um die 200.000 Haushalte gibt es dort als maximale technische Reichweite. DAZN kostet dort 9,90 Euro pro Monat und ist wie alle Pay-TV-Pakete von Wilhelm.tel monatlich kündbar. Als Verschlüsselungssystem wird Conax mit Einblendung von Wasserzeichen eingesetzt. Die SmartCard wird fest mit dem Kabelreceiver verheiratet (Pairing). Ein Empfang mit CI+ Modul ist ausgeschlossen.
 
Wobei das „Empfangen werden kann“ in der Praxis eher nicht stattfindet. Bei DAZN findet man keinerlei Hinweise auf das Kabel-Angebot, auch Wilhelm.tel verschweigt das mögliche Angebot in seiner Programmübersicht. DIGITAL FERNSEHEN machte den Kabelnetzbetreiber bereits letztes Jahr darauf aufmerksam. „Dies ist ein Fehler unsererseits, danke für den Hinweis“, so deren Unternehmenssprecher gegenüber DIGITAL FERNSEHEN. Der Sender wird jedoch bis heute weiter geheim gehalten. Die Englische Liga hätte sich das sicherlich anders vorgestellt.

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