Spitzenverbände warnen vor Vodafone-Unitymedia-Fusion

25.03.2019, 15:00 Uhr, bey

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko), der Bundesverband Glasfaseranschluss (Buglas), der Verband Privater Medien (Vaunet) sowie die Deutsche Netzmarketing GmbH (DNMG) haben in Berlin ihre Bedenken zur Fusion von Vodafone und Unitymedia kundgetan.


Mit der Übernahme von Unitymedia strebt Vodafone in de nAugen der Verbände die Re-Monopolisierung des Kabelmarktes in Deutschland an. Zwanzig Jahre nach der Liberalisierung des Marktes liege damit ein Fusionsvorhaben bei der EU-Kommission zur Prüfung, das einen Mega-Player mit über 14 Millionen angeschlossenen Haushalten und 80 Prozent Marktanteil im Kabelmarkt erschaffen würde. Kleinere Wettbewerber würden dadurch aus dem Markt gedrängt, zum Schaden der Endkunden, so die gemeinsam vorgestellte Mitteilung.

Der Zusammenschluss würde zudem den Gestattungswettbewerb ernsthaft gefährden, aufgrund dessen die Wohnungswirtschaft eine günstige Infrastruktur- und Medienversorgung zugunsten der Mieter realisiert, heißt es weiter.


Die Verbände gehen davon aus, dass das zusammengeschlossene Unternehmen ohne vorhandenen Gestattungswettbewerb nicht bereit sein wird, in den Glasfaserausbau von Mehrfamilienhäusern (FTTB/FTTH) zu investieren. Der Zusammenschluss würde daher mittelfristig auch Mehrbelastungen für Mieter auslösen.

Zudem birgt der Zusammenschluss von Vodafone und Unitymedia erhebliche Gefahren für die Medienvielfalt in Deutschland. Er ließe einen Gatekeeper entstehen, der bei fast der Hälfte der deutschen Fernsehhaushalte den Zugang zu Medieninhalten kontrollieren würde.

Auswirkungen auf Verbraucher


Verbraucher hätten durch zu erwartende Preiserhöhungen und schwindende Angebotsvielfalt elementare Nachteile. Die Tendenz bei den großen Netzbetreibern geht bereits heute zu Bundle-Angeboten. Diese sind dann problematisch, wenn sie Elemente enthalten, die der Verbraucher gar nicht wünscht und dennoch dafür bezahlen muss.

Auswirkungen auf kleinere Kabelnetzbetreiber


Der deutsche Kabelmarkt wird bereits heute von einem Duopol dominiert: Vodafone und Unitymedia. Die entstehende Marktdominanz des fusionierten Mega-Players würde die kleineren Wettbewerber in ihrem Geschäftsmodell bedrohen. Genau diese agieren jedoch bereits heute als Motor für den Ausbau der Breitbandinfrastruktur in Deutschland. Die geplante Fusion würde den Markt de facto re-monopolisieren, was das Bundeskartellamt bei den mehr oder weniger gleichen beteiligten Kabelnetzbetreibern in den letzten 14 Jahren wiederholt verhindert hat.

Auswirkungen auf Infrastruktur und Medienvielfalt


Der schleppende Glasfaserausbau in Deutschland ist auch darauf zurückzuführen, dass die großen Netzbetreiber ihre Bestandsnetze so lange wie möglich amortisieren wollen und zukunftsorientierte Investitionen scheuen. Ohne Wettbewerb zwischen den Netzbetreibern wird der Glasfaserausbau stagnieren, so die Befürchtung der Verbände. Außerdem entstünden zahlreiche Gefahren für die Medienvielfalt in Deutschland. Allein aufgrund seiner Größe - 14 Millionen Haushalte und rund 30 Millionen Nutzer - könnte das fusionierte Unternehmen künftig seine Vertragskonditionen zu Lasten der TV- und Medienanbieter diktieren.

Neben einer Erhöhung der Einspeiseentgelte wird auch mit einer Verschlechterung der Nutzungsbedingungen gerechnet, etwa bei der Verbreitung von HbbTV oder dem Zugang zu erhobenen Daten. Die dominante Position könnte sich auch auf den TV-Rechtemarkt auswirken, das neue Unternehmen sich beispielsweise begehrte Sportrechte leichter sichern.

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