"Suffragette": Meryl Streep kämpft ums Wahlrecht

30.01.2016, 11:52 Uhr, Matthias von Viereck/buhl

Im frühen 20. Jahrhundert gab es noch kein Wahlrecht für Frauen - einige Frauen forderten dies daher mit radikalen Mitteln ein. "Suffragette" erzählt auf dramatische Weise mit einem Starensemble um Meryl Streep und Carey Mulligan vom Kampf der Suffragetten.


Es gibt in diesem ohnehin recht aufwühlenden Film eine Szene, die zu den traurigsten dieses Kinowinters gehört: Protagonistin Maud Watts, gespielt von der Britin Carey Mulligan, muss da miterleben, wie ihr geliebter Sohn gegen ihren Willen von einem fremden Ehepaar adoptiert wird. Eine der vielen Entbehrungen, die die Frauen erleiden müssen, denen dieser Film ein beeindruckendes Denkmal setzt.
 
Es geht um die sogenannten Suffragetten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in England um das Wahlrecht für Frauen streiten und mit teils militanten Mitteln kämpfen. An Mulligans Seite spielen in diesem von einer Frau (Sarah Gavron) inszenierten, von einer Frau geschriebenen und von Frauen produzierten Drama bekannte Darsteller wie Helena Bonham Carter, Brendan Gleeson und nicht zuletzt Meryl Streep.


Hauptfigur Maud führt ein zwar zufriedenes Leben mit Sohn und Ehemann (Ben Whishaw). Seit ihrer frühen Kindheit aber muss sie in einer feuchtkalten Wäscherei ihr Brot verdienen. Dass ihr Vorgesetzter ein übergriffiger Sexist ist, kommt noch dazu. Politisch hat sich Maud Watts bisher nicht engagiert. Als sie mitten in der englischen Hauptstadt aber in einen Aufstand von Frauenrechtlerinnen gerät, weckt dies bei der zierlichen und noch recht jungen Mutter das Interesse für die Anliegen der Suffragetten.
 
Maud ist hin- und hergerissen: Einerseits erkennt sie, dass es so nicht weitergeht, andererseits muss sie in zunehmendem Maße um ihre Ehe fürchten. Ihr Mann hat keinerlei Verständnis für die Aktionen der Suffragetten unter Führung der im Untergrund lebenden Emmeline Pankhurst (Streep). Es sind charismatische Frauen wie Pankhurst, die schließlich dazu führen, dass sich auch Maud radikalisiert und schon bald erstmals im Gefängnis wieder findet.
 
Es ist eine Darstellerin, die das ohnehin tolle Ensemble von "Suffragette" mit ihrer Leistung noch überstrahlt: Carey Mulligan. Und das liegt nicht nur daran, dass der Film ihr den größten Teil seiner Aufmerksamkeit schenkt. Die 30-jährige Britin, deren Karriere in den vergangenen fünf Jahren ordentlich an Fahrt gewonnen hat (Filme wie "Drive" und "Der große Gatsby") überzeugt in wirklich jeder Szene mit ihrem nie auf- und doch stets eindringlichen Spiel.


Es ist berührend mit anzusehen, wie Mulligan als Maud Watts gleichzeitig um ihre ihr langsam entgleitende Familie und die Rechte der Frauen ringt. Begeisterung (etwa bei einer Rede der Emmeline Pankhurst) in der einen, weicht bei Mulligan glaubwürdig völliger Verzweiflung in der nächsten Szene. Helena Bonham Carter ist wunderbar als resolute Frau eines Apotheker. Ein wenig sonderbar indes der sehr kurze, ein paar Minuten dauernde Auftritt von Meryl Streep. Dass die von so vielen verehrte Grande Dame des Kinos ("Der Teufel trägt Prada") mit nur so wenig an Leinwandzeit nach Hause geht, dürfte manche Fans bitter enttäuschen.
 
Dass dies kein Film über ein rein historisches, ein abgeschlossenes Thema ist, macht "Suffragette" in seinem Abspann auf sehr wirkungsvolle Weise deutlich. Der Abspann nämlich zeigt eine Liste mit Ländern und dem jeweiligen Jahr, in dem diese das Wahlrecht für Frauen eingeführt haben. Die Liste reicht bis ins gerade vergangene Jahr: 2015 durften Frauen in Saudi-Arabien erstmals an Wahlen teilnehmen.
 
Und so handelt es sich bei diesem famos besetzten, bündig inszenierten, angesichts des komplexen Themas nicht besonders lang (106 Minuten) geratenen Film um mehr als nur ein historisches Drama. Das Werk ist genauso Unterhaltung wie eine tiefe Verbeugung vor der Leistung und den Entbehrungen der Suffragetten. Zugleich funktioniert "Suffragette" auch als dringliche Erinnerung daran, dass umfassende Frauenrechte auf globaler Ebene noch keine Selbstverständlichkeit sind.

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