Hintergrund • TS-Stream erklärt

Digitales Aufzeichnen im TS-Dateiformat

 erstellt am 29.06.2015 von Thomas Riegler
Viele unserer Receiver erlauben das Aufzeichnen von TV-Sendungen entweder auf die eingebaute Festplatte oder häufiger auf ein externes Medium wie einen USB-Stick. Sie speichern nicht einfach nur das Video- und Audiosignal so wie früher auf VHS oder einer DVD, sondern auch eine Reihe von Zusatzdaten.
 
 

Zur digitalen Aufzeichnung kommt meist das TS-Dateiformat zum Einsatz. Wie etwa bei Linux-Geräten. Es erlaubt nicht nur eine äußerst flexible Nutzung, sondern verrät auch einiges über die TV-Sender selbst. Zuletzt hält das TSFormat auch einige Überraschungen für uns parat.

TS-Stream

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Bereits die Aufnahmenliste zeigt, dass ein TS-File zahlreiche Daten enthält wie den Namen der Sendung, Datum und Uhrzeit der Aufnahme, Kanalname und den EPG
Bild: © Auerbach Verlag/Thomas Riegler

Die meisten Receiver und Fernseher speichern TV-Sendungen als TS-Stream. Er enthält nicht einfach nur das Audio- und Videosignal, sondern deutlich mehr. Das erkennt man bereits, wenn man durch die Aufnahmenliste des Receivers scrollt. Jeder Mitschnitt wird nicht nur mit Sendungsnamen, Aufnahmedatum und Uhrzeit gelistet. Weiter sind die relevanten EPG-Daten zur Sendung erhalten geblieben. Womit man sich schon vor der Wiedergabe der Aufnahme über deren Inhalt schlaumachen kann. Abschließend wird auch der Stationsname angegeben, von wo dieser Mitschnitt stammt.
 
Während man eine Aufnahme anschaut, lassen sich ebenfalls die EPG-Infos einblenden. Weiter hat man uneingeschränkten Zugang zum gesamten Teletextinhalt, so wie er während der Aufnahme ausgestrahlt wurde. Dazu gehören auch Teletext- Untertitel. Per TS-Stream werden ferner alle Audiospuren gespeichert. So werden etwa auf Arte der deutsche und französische Ton sowie etwa auf SRF und ORF neben der deutschen Synchronisation auch die Spuren mit dem Originalton archiviert. Auf sie kann man während des Abspielens genauso zugreifen, wie während man einen Kanal live anschaut.

Analysen mit VLC-Player

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Auch während der Wiedergabe ist die EPG-Inhaltsangabe verfügbar und kann auf gewohntem Weg aufgerufen werden
Bild: © Auerbach Verlag/Thomas Riegler

Der VLC-Player ist seit 2001 kostenlos für jedermann verfügbar und kann von jedermann verbessert werden. Heute ist der VLC-Player ein riesiges Gemeinschaftswerk zahlloser Entwickler aus über 20 Ländern. Die Software genießt den Ruf, so ziemlich alles zu können und zu unterstützen, was man sich von einem Player nur erträumen kann. Deshalb genießt sie auch unter Sat- DXern großes Ansehen, die mit PC-Receivern auf Empfang gehen.
 
Zur Analyse braucht eine auf einem USB-Stick gespeicherte oder auf die PCFestplatte kopierte TS-Datei zunächst nur ganz normal mit dem VLC-Player gestartet zu werden. In seiner oberen Menüzeile ist unter "Extras" die Funktion "Codec-Informationen" aufzurufen. Sie listet in einem Fenster alle zu dieser Aufnahme gehörenden Streams. Hier erfährt man etwa, dass Stream 0 ein in H264 - MPEG- 4 AVC komprimiertes Videosignal mit einer Auflösung von 1280 × 720 Pixel enthält. Weiter erfährt man, dass über Stream 1 die primäre Audiospur mit einer Abtastrate von 48 kHz und einer Bitrate von 448 kBit/s übertragen wird und dass diese für Deutsch genutzt wird. Die folgenden Streams können weitere Audiospuren enthalten.
 
Auf weiteren Streams können zusätzliche Audiospuren aufgeschaltet sein. Zu ihnen erfährt man auch, welchen Codec sie nutzen. Bietet ein Sender Teletext an, ist am Ende der Liste auch dafür ein Stream vorgesehen. Zu den für alle Streams genannten Parametern gehören auch die PID-Adressen. Sie sind die Grundlage, nach der ein Receiver erkennt, welche Datenströme eines Transponders zu einem bestimmten Programm gehören.

TS-File kopieren

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Wird ein aufgezeichneter Transponderdatenstrom mit dem VLC-Player abgespielt, wird der Zugang zu allen darin enthaltenen Kanälen geboten
Bild: © Auerbach Verlag/Thomas Riegler

Diverse Receiver erlauben das Kopieren des eigenen Festplatteninhalts auf den Computer. Besonders komfortabel lässt sich das zum Beispiel mit Linux-Boxen bewerkstelligen, auf denen die Betriebsoberfläche OpenATV oder Ähnliches installiert wurde. Die Box braucht dazu nur im Heimnetzwerk eingebunden zu sein. Um den PC mit dem Receiver zu verbinden, braucht am Rechner nur ein üblicher Browser gestartet zu werden. In seinem Eingabefeld ist nur die IP-Adresse des Receivers einzugeben. Sie kann man in der Netzwerkkonfiguration in der Menüoberfläche nachlesen.
 
Linux-Boxen melden sich über das sogenannte OpenWebinterface und zeigen sich am Computer zunächst mit der Senderliste. Klickt man in der linken Menüleiste auf "Aufnahmen", gelangt man zum Speicherinhalt der eingebauten Receiver-Festplatte. Hier werden bereits viele der per TS ebenfalls abgelegten Infos wie Titel, Inhaltsangabe und Aufnahmedatum angezeigt. Daneben findet man einige Icons, über die Mitschnitte unter anderem am PC wiedergegeben werden können. Weiter erlaubt Open Webinterface auch das Kopieren von TS-Files auf die Festplatte des Computers. TS-Dateien können aber auch vom PC auf den Receiver überspielt werden. Dies geschieht allerdings über ein FTP-Programm.

Transponder aufzeichnen

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Hier kann die im Browser des Rechners einzugebende IP-Adresse abgelesen werden. Diese wird im Webbrowser eingegeben
Bild: © Auerbach Verlag/Thomas Riegler

Unsere Digital-Boxen und TV-Geräte zeichnen immer nur einzelne Programme mit allen zugehörigen Daten auf. PC-Receiver erlauben indes auch das Mitschneiden ganzer Transponder. Dazu sind allerdings spezielle Softwares erforderlich wie der TS-Grabber. Diesen haben wir zum Beispiel mit der Empfangssoftware EBS Pro verknüpft und können so direkt aus der Spektrumsanzeige einen ganzen Transponder am Stück aufzeichnen. Dazu braucht es allerdings so richtig viel Speicherplatz. Schließlich werden dabei zum Beispiel vier HD-Programme oder etwa zehn SD-Kanäle und alle Zusatzdienste gleichzeitig auf die Festplatte geschrieben.
 
Konkret: Ein gesamter Datenstrom, so wie er von einem Satellitentransponder ausgestrahlt wird. Alle diese Kanäle werden als einziges TSFile abgelegt. Sie können mit dem VLCPlayer uneingeschränkt abgespielt werden. Nachdem mit ihm die Wiedergabe der Datei gestartet wurde, lassen sich alle im File enthaltenen Programme direkt anwählen. Dazu ist in der oberen Menüzeile zunächst auf "Wiedergabe" und im nun darunter eingeblendeten Auswahlmenü auf "Programm" zu klicken. Nun wird eine Liste aller im Stream enthaltenen Kanäle angezeigt. Der gewünschte Sender wird mit der Maus ausgewählt und durch Bestätigen mit der linken Maustaste abgespielt. Selbstverständlich erlaubt der VLC-Player auch in dieser Betriebsart das Auslesen aller relevanten übertragungsparameter.


Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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Letzte Änderung: Montag, 29.06.2015