TV-Koch muss gehen - Hitlers "Leibgericht" gekocht

28.10.2008, 16:06 Uhr, mg

Brüssel - Der belgische Fernsehkoch Jeroen Meus hat sich an "Hitlers Lieblingsgericht" gründlich die Finger verbrannt. Der Jamie Oliver von Flandern wollte den Zuschauern am Dienstagabend zur besten Sendezeit Forelle in Buttersauce auftischen, angeblich die Leibspeise des Nazi-Diktators.


Nach heftigen Protesten hat der öffentlich-rechtliche Sender VRT jetzt das Kochprogramnm abgesetzt. Darüber berichtet die Zeitung "20 Cent" mit Verweis auf die Nachrichtenagentur AFP.
 
In seiner Sendung mit dem französischen Namen "Plat Préféré" (Leibspeise) kocht Meus die Lieblingsgerichte von Prominenten nach: Auf dem Menü des 30-Jährigen standen zuletzt die Muscheln mit Fritten des belgischen Chanson-Sängers Jacques Brel, das Pilzrisotto von Operndiva Maria Callas oder die Langusten des spanischen Malers Salvador Dalí.
 
In der jetzt abgesetzten Sendung bereitete Meus die Forelle in Buttersauce auf einem Gaskocher vor Hitlers "Adlerhorst" in Bayern zu. Der Steinbau auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden gilt als Hitlers "Teehaus". Die mächtige Alpenkulisse diente Hitler und seinen NS-Helfern als Freizeitfestung, während in Europa der von ihnen angezettelte Weltkrieg tobte und die Nazis Millionen von Menschen in Konzentrationslagern ermordeten.
 
Nach tagelangen heftigen Protesten der jüdischen Gemeinde und von Opferverbänden machte der öffentlich-rechtliche Sender VRT einen Rückzieher und setzte das Kochprogramm ab. Jeder habe das Recht, sich über Hitler und sein Lieblingsgericht "seine eigene Meinung zu bilden", hatte Jungkoch Meus seine Sendung bis zuletzt verteidigt.
 
Sein niederländischsprachiger Sender gab sich verblüfft über die Empörung. "Wir hatten Reaktionen erwartet, aber nicht eine so große gesellschaftliche Unruhe", sagte VRT-Sprecherin Diane Waumans.
 
Mit der Sendung habe er die bayerische Küche einem breiteren Publikum vorstellen wollen, verteidigte sich der Fernsehkoch. Doch das Rezept ging nicht auf. Übel stieß die Sendung nicht nur der jüdischen Gemeinde Belgiens auf, die eine Banalisierung des Holocaust fürchtete. Auch frühere belgische Kriegsgefangene warnten davor, den Massenmörder Hitler als "Mann mit der Forelle" zu verharmlosen.
 
Der Chefredakteur der jüdischen Zeitschrift "Joods Actueel" aus Antwerpen, Michael Freilich, wirft dem Fernsehkoch zudem schlechte Recherche vor. Es gebe keinerlei historischen Beleg, dass der als Vegetarier bekannte Hitler jemals Forelle gegessen habe, sagte er der Zeitung "Het Laatste Nieuws".
 
Trotz Rückzug der Sendung bleibt ein übler Nachgeschmack. Auf der Webseite des Unterhaltungssenders Canvas, der zum öffentlich-rechtlichen VRT gehört, fand sich am Dienstag kein Wort der Entschuldigung oder Erklärung. Dort wollte der Sender auch das Rezept für die Forelle in Buttersauce veröffentlichen. Der Sender steht nach wie vor zum Inhalt des Programms. "Grenzen ausloten" sei eben das Motto von Canvas, sagt Programmdirektor Jan Stevens.
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