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  • Hintergrund • Tongeschichte

  • Vom Knistern zur digitalen Soundära

 erstellt am 05.11.2010 von Dennis Schirrmacher

Vor wenigen Jahrzehnten kam nicht nur Musik aus den Lautsprechern, auch das Knistern einer Schallplatte gehörte zum guten Ton und prägte mehrere Generationen. Reisen Sie mit uns von den ersten Versuchen der Tonaufzeichnung bis zur digitalen Soundära im Wohnzimmer.

 
 
Ständiger Wegbegleiter: 1979 erfand Sony den Walkman und prägte den mobilen Musikgenuss maßgeblich. Den MP3-Trend hat das Unternehmen hingegen anfangs verschlafen
Bild: Sony
Der iPod ist für viele der MP3-Player schlechthin. Apple setzt wie gewohnt Designmaßstäbe und in Verbindung mit dem iTunes-Store stampften sie ein vorbildliches digitales Vermarktungsmodell aus dem Boden
Bild: Apple

Am Anfang ging es darum, Sprache zu konservieren und bei Bedarf abrufen zu können. Viele Mythen und Geschichten setzten sich bereits mit der Tonaufzeichnung auseinander. Diesen zufolge erfand etwa der Dichter Gottfried August Bürger um 1777 das eingefrorene Posthorn für seinen Freiherrn von Münchhausen. Wörter wurden darin eingefroren und wenn es warm wurde, tauten sie wieder auf und wurden wiedergegeben. Alles natürlich nur Fiktion, aber der Gedanke zählt.

1857 wurden die ersten Schallschwingungen sichtbar gemacht – eine Wiedergabe war aber noch nicht möglich. Am 18. Juli 1877 gelang es dann Thomas Alva Edison, die menschliche Stimme aufzuzeichnen und wiederzugeben: "Hello" ertönte es knarzend aus seiner Paraffin-Papierstreifen-Membran- Nadel-Konstruktion. Edison entwickelte die Idee weiter und wenig später entstand sein Phonograph.
 
Das Funktionsprinzip entsprach schon damals in etwa dem der Schallplatte: Die Schallwellen werden in einen Träger geritzt und beim Abspielen reproduziert eine Nadel das Signal. Edison sprach das alte Kinderlied "Mary Had A Little Lamb" ein und siehe da, es funktionierte.
 
Der US-amerikanische Physiker Charles Sumner Tainter entwickelte 1886 des umständliche Konzept weiter und arbeitete mit Wachsplatten, die als erste Schallplatten der Welt gelten. Seinen Prototyp nannte er "Graphophone", was ihm eine Klage von Edison einbrachte. Kurz darauf gab Tainter auf.

Knisterndes Vinyl

Schwarzes Gold: Äußerlich kommt die Schellackplatte der Vinylversion sehr nahe. Vinyl erwies sich aber als haltbarer, außerdem waren längere Aufnahmen möglich
Bild: Wikipedia

Als Vater der klassischen Schallplatte bezeichnet man den Hannoveraner Emil Berliner, der 1870 in die USA auswanderte. Auch er orientierte sich an den Ergebnissen von Edison, ging aber durch eine neue Aufnahmemethode (Seitenschrift) Patentproblemen aus dem Weg. Sein Ansatz ging so weit, dass es ihm möglich war, ein Negativ (Master) herzustellen, von dem er beliebig viele Positive (Kopien) ziehen konnte. Ende 1887 meldete er seine Erfindung dann als "Grammophon" an. Als Medium dienten ihm Zinkplatten mit einem Durchmesser von 28 Zentimetern.
 
Ab 1890 trat das Grammophon seinen Siegeszug in die privaten Haushalte an, hergestellt von einer Spielzeugfirma, die auch sprechende Puppen mit Mini-Schallplatte im Bauch verkaufte. Die Tonqualität war aber so schlecht, dass der Text der Lieder auf die Hüllen gedruckt werden musste, damit man überhaupt etwas verstand. Von 1889 bis 1890 wurden etwa 25 000 Platten gepresst.
 
1896 wurde dann die harzige Substanz Schellack für die Produktion entdeckt und die sogenannte Schellackplatte war geboren. Sie war der unmittelbare Vorgänger der bekannten Vinylplatte. Nach einer erfolgreichen Werbekampagne explodierten 1898 die Plattenverkäufe und es wurden über 700 000 Stück verkauft. Um 1900 schwappte der Audiowahn auch nach Europa und 1930 erschien dann die erste Vinylplatte.


Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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