Türksat: Weitere regierungskritische Sender gehen vom Netz

17.11.2015, 09:00 Uhr, rp/kw

Der Satellitenprovider Türksat knickt gegenüber der türkischen Regierung weiter ein und schaltet unter Druck der Erdogan-Regierung weitere regierungskritische TV-Sender über das Satellitensystem Türksat 42 Grad Ost ab.


Die Medienlandschaft in der Türkei bleibt weiter in Bewegung. Nach der Abschaltung mehrerer TV-Kanäle über Türksat 42 Grad Ost am Wochenende dünnt sich die über das Satellitensystem verbreitete Senderzahl weiter aus. In der Nacht von Montag zu Dienstag wurden nun auch die Sender Kanaltürk und Bugün TV  auf Türksat 42 Grad Ost abgeschaltet.


Nachdem der Satellitenprovider Türksat gegenüber der Regierung in Ankara lange Zeit standhaft geblieben war, knickte er nun ein und folgte den Aufforderungen der Erdogan-Regierung, sämtliche regierungskritische Sender abzuschalten. Kanaltürk und Bugün TV wurden dabei sowohl im SD- als auch im HDTV-Modus auf dem Satelliten abgeschaltet. Als eine der letzten Filme zeigte Kanaltürk am Montagabend Avatar mit englischer Originaltonspur. Bereits in der Nacht auf Sonntag war die Verbreitung der Programme  Samanyolu TV, Mehtap TV, Samanyolu Haber, Yumurcak TV und Irmak TV über Türksat eingestellt worden.

Nach Samanyolu TV haben aber auch Kanaltürk und Bugün TV vorgesorgt und sich Ersatzkapazität auf anderen Satelliten gesucht. Beide Sender können so weiterhin über Eutelsat 10A auf 10 Grad Ost auf der Frequenz 11543 MHz horizontal (Symbolrate SR 4900, Fehlerkorrektur FEC 3/4) empfangen werden. Zudem sendet Bugün TV auch auf der Hotbird-Position 13 Grad Ost im Paket des Anbieters Media Broadcast. Die Frequenz lautet hier 11604 MHZ horizontal (Symbolrate SR 27500, Fehlerkorrektur FEC 5/6). Die HD-Versionen der Sender sind allerdings aktuell nicht empfangbar.

Die regierungskritischen TV-Sender des Koza-Ipek-Medienkonzerns waren Ende Oktober gewaltsam auf Regierungskurs gebracht worden. Nach der Stürmung ihrer Sendezentrale, bei der sich die Polizei gewaltsam Zutritt zu den Räumlichkeiten der Sender verschafft hatte, war ihr Programm unter staatliche Aufsicht gestellt worden.

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