Hintergrund • UHD gegen Blu-ray

Bildvergleich beim Blockbuster "Elysium"

 erstellt am 02.09.2014 von Dennis Schirrmacher
Der Scifi-Blockbuster "Elysium" wurde mit einer 5K-Kamera gefilmt und ultrahochauflösend im Kino gezeigt. Wir haben die UHD-Version mit dem Ableger auf Blu-ray Disc verglichen und zeigen, auf wie viele Details Sie bei der Full-HD-Fassung verzichten müssen.

Wie schon Peter Jackson bei den "Der Hobbit"-Filmen, setzte auch der Regisseur Neill Blomkamp ("District 9") bei seinem aktuellen Werk "Elysium" auf die extrem kompakte und flexible RED-Kamera der Epic-Serie. Diese zeichnet Bilder mit unglaublichen 5 120 × 2 700 Bildpunkten (5K) und maximal 120 Bildern pro Sekunde auf. Da der Film auch anamorph in IMAX-Kinos gezeigt werden sollte, entscheid man sich letztlich dafür, die komplette Produktion mit 24 Bildern pro Sekunde in 2D und 3,3K mit 3 296 × 1 350 Bildpunkten durchzuführen, um das Cinemascope-Bildseitenverhältnis von 21:9 einzuhalten. Letztlich wurde das Endergebnis auf die 4K-Auflösung hochskaliert, sodass schließlich rund acht Millionen Bildpunkte zur Verfügung standen.
 
Auf der Blu-ray Disc liegt der Film in Full HD und aufgrund des Cinemascope-Formates mit rund 1 920 × 800 aktiven Pixeln vor. Letztlich bleiben so "nur" 1,5 Megapixel übrig und das 4K-Master bietet rund fünfmal mehr Bildpunkte. Im Sichttest prüft en wir auf einem UHD-Fernseher der neuesten Generation mit einer Bildschirmdiagonalen von 65 Zoll (165 Zentimetern) inwieweit sich der Auflösungsverlust bemerkbar macht.
 
Die UHD-Version lag uns dabei auf einer Festplatte mit 3 840 × 2 160 Bildpunkten vor, wenngleich auch hier aufgrund des 21:9-Bildseitenverhältnisses die aktive Auflösung für den Vergleich korrekterweise auf 3 840 × 1 800 Pixel gekürzt werden muss. Im Versuchsaufbau nahmen nun Testzuschauer in verschiedenen Betrachtungsabständen Platz und während der Vorführung wurde nicht gesagt, ob sie nun die UHD- oder Full-HD-Version von "Elysium" sahen. Danach wurden Tipps abgegeben und daraus konnte dann ein Ergebnis abgeleitet werden. Das Endresultat überraschte und dürft e 4K-Befürworter nur bedingt in die Karten spielen.
Vor allem bei detailreichen Objekten, die im Fokus liegen, ist der Unterschied erkennbar. Dafür müssen Sie sich aber im besten Fall rund 1,5 Meter vor einem 65-Zoll-Fernseher befinden
Bild: Auerbach Verlag

Wo bleibt die 4K-Offenbarung?


Aus einem Abstand von 80 Zentimetern nahmen selbst Laien den Auflösungsvorteil wahr und die UHD-Fassung wurde stets eindeutig identifiziert. Im Verlauf des Sichttestes war dies bis zu einem Abstand von 1,6 Metern (m) der Fall. Ab 2 m wurde es schon schwieriger und beide Versionen konnten von den Testzuschauern nicht eindeutig identifi ziert werden. Argusaugen enttarnten die UHD-Zuspielung dennoch anhand von extrem detailreichen Objekten, die im Fokus der Kamera lagen, wenngleich dies mit einem Standbild wesentlich leichter fiel. Das liegt daran, dass die neuesten UHD-Fernseher noch Schwächen bei der Bewegtbildschärfe aufweisen. Ab 3 m sah dann aber selbst der erfahrenste Testredakteur auf dem 65-Zoll-Bildschirm keinen Unterschied mehr zwischen den beiden Versionen; an dieser Stelle limitiert letztlich das Auflösungsvermögen unserer Augen.
 
Abschließend bleibt zu sagen, dass Sie für die volle Detailvielfalt näher an den Fernseher heranrücken müssen, damit der UHD-Vorteil nicht verpufft. Galt in Full- HD-Zeiten noch die Faustregel "Bildhöhe mal 3", muss die Formel heutzutage auf "Bildhöhe mal 1,5" angepasst werden, wenn man keine Auflösungsreserven verschenken will. Insgesamt waren wir enttäuscht vom Schärfegrad der UHD-Version von "Elysium" und die Blu-ray-Fassung schlägt sich im direkten Vergleich erstaunlich gut. Dabei muss aber auch erwähnt werden, dass der verwendete Ultra-HD-Fernseher UE65HU8590 von Samsung eine hervorragende Arbeit bei der Skalierung von Full-HD-Material leistet.
 
Das Kopf-an-Kopf-Rennen innerhalb von gängigen Betrachtungsabständen im Wohnzimmer ist zum einen auf das limitierte Auflösungsvermögen unserer Augen und der aktuell noch nicht optimalen Bewegtbildschärfe zurückzuführen. Auf der anderen Seite ist der Grund aber auch im Medium Film selbst zu suchen. Denn in der Regel gibt es in einer Szene immer nur einen kleinen Bereich, in dem der Fokus scharf gestellt ist, um so die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu lenken. Darüber hinaus loten Regisseure aus ästhetischen Gründen auch oft nicht das komplette Schärfepotenzial einer Kamera aus. Gänzlich anders sieht das bei Dokumentationen oder einem Fußballspiel mit 3 840 × 2 160 Bildpunkten und 60 Vollbildern pro Sekunde aus: Derartige Inhalte sorgen aufgrund der voll genutzten 8,3 Millionen Bildpunkte für einen sofortigen Aha-Effekt. Fast so, wie es früher beim Umstieg von SD auf HD der Fall war.
Je nach Szene fällt der Unterschied deutlich weniger signifikant aus. Dabei spielt es auch eine Rolle, dass Kinofilme aus ästhetischen Gründen oft nie das komplette Schärfepotential ausloten
Bild: Auerbach Verlag

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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