Umfrage unter Sendern: Keine neuen Hinweise auf Missbrauchsfälle

15.05.2018, 09:04 Uhr, dpa

Nach Vorwürfen sexueller Übergriffe beim WDR hat der ARD-Sender Aufklärung zugesichert. Andere Sender sagen, vergleichbare Fälle seien zuletzt nicht bekannt geworden. Auf der Agenda steht das Thema aber trotzdem.


Vorwürfe sexueller Übergriffe haben beim Westdeutschen Rundfunk für Diskussionen gesorgt - andere Sender haben nach eigenen Angaben bisher keine Hinweise auf vergleichbare Fälle in jüngerer Vergangenheit. Das Thema Schutz vor sexueller Gewalt steht laut den Sendern jedoch auf der Agenda. Beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) etwa hat eine Arbeitsgruppe im Frühjahr eine anonyme Umfrage in der Belegschaft durchgeführt, um Hinweise und auch konstruktive Vorschläge zum Umgang mit sexueller Belästigung zu erhalten. Die Antworten werden derzeit ausgewertet.

Darüber hinaus sei die Einrichtung eines anonymen Postfachs geplant, teilte der Sender mit. "Außerdem werden Führungskräfte in verpflichtenden Fachseminaren zum Thema "Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz" sensibilisiert." Konkrete Hinweise auf sexuelle Übergriffe haben seit Bekanntwerden der Vorwürfe beim WDR im April eigenen Angaben zufolge weder der Bayerische Rundfunk noch der Hessische Rundfunk, der NDR, der MDR, der rbb, Radio Bremen oder das ZDF erhalten. Bei allen Sendern gibt es aber Ansprechpartner für Opfer sexueller Übergriffe.


Der WDR hat inzwischen zwei Mitarbeiter freigestellt, nachdem Missbrauchsvorwürfe laut geworden waren. Die WDR-Geschäftsleitung hatte bereits zuvor ein Maßnahmenpaket für eine bessere Vorbeugung beschlossen und eine dauerhafte externe Ombudsstelle angekündigt, an die sich Betroffene wenden können.

Das ZDF habe nach Bekanntwerden der Vorwürfe beim WDR Anfang April keine Kenntnis von sexuellen Übergriffen bekommen, teilte ein Sprecher mit. Im vergangenen Jahr gab es nach ZDF-Angaben "einige wenige" solcher Hinweise. "Betroffene können sich im ZDF an eine hierfür explizit benannte Vertrauensperson bei der Personalabteilung wenden." Auch die Gleichstellungsbeauftragte des ZDF sei eine Ansprechpartnerin. "Dies gilt auch für Beschäftigte von Produktionsunternehmen, die im Auftrag des ZDF arbeiten. Beschäftigte von ZDF Enterprises sowie der Tochter- und Beteiligungsunternehmen können sich an den Betriebsrat oder an eine Vertrauensperson bei ZDF Enterprises wenden."

Beim Norddeutschem Rundfunk (NDR) gibt es dem Sender zufolge ebenfalls keine aktuellen Hinweise auf sexuelle Übergriffe. Das gilt auch für das vergangene Jahr: "Die Gleichstellungsbeauftragten im NDR bieten zu diesem Thema vertrauliche Sprechstunden an, eine Statistik darüber wird jedoch nicht geführt. Im Rahmen der #MeToo-Debatte der letzten Monate haben die Gleichstellungsbeauftragten allgemein einen erhöhten Beratungsbedarf festgestellt", teilte der Sender mit.

Auch der Bayerische Rundfunk (BR), wie der WDR eine der großen ARD-Landesrundfunkanstalten, hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen keine vergleichbaren Hinweise bekommen. Im Jahr davor sei ebenfalls kein Fall von sexuellen Übergriffen gemeldet worden. Im BR gebe es ein breites Netz an Ansprechpartnern, um allen Betroffenen zu ermöglichen, eine geeignete Vertrauensperson zu finden. Dazu zählten etwa Mitarbeitende der Personalabteilung, die Gleichstellungsbeauftragte und der Ombudsmann. "Auch die Führungskräfte werden in dieser Hinsicht sensibilisiert."

Weder aktuell noch im vergangenen Jahr hat der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) nach eigenen Angaben Hinweise auf sexuelle Übergriffe erhalten. "Für den Fall, dass sich Beschäftigte von sexueller Belästigung betroffen fühlen, gibt es interne und externe Ansprechpartner, an die man sich vertraulich wenden kann und die im Einzelfall auch Anonymität gewährleisten", erklärte eine MDR-Sprecherin. Ansprechpersonen könnten außerdem etwa die Personalräte, die Gleichstellungsbeauftragte, Compliance-Beauftragte, senderinterne Mediatorinnen, die betriebliche Sozialberaterin oder eine externe Ombudsfrau sein.

Bei der kleinsten ARD-Anstalt, Radio Bremen, gab es keine aktuellen Hinweise auf sexuelle Übergriffe - und lediglich einen im vergangenen Jahr, der mit den Fällen beim WDR aber nicht vergleichbar sei und sich nicht erhärtet habe. Das Thema #MeToo soll Bestandteil der Führungskräfte-Quartalsgespräche Ende Mai sein. Geplant ist außerdem der Erlass einer Dienstanweisung zum Schutz vor sexuellen Belästigungen am Arbeitsplatz, das Thema soll auch in die Volontärs-Ausbildung aufgenommen werden.

  • Gefällt mir