Hintergrund • Untersucht: Satellitenempfang hinter Glas, Teil 2

Schwierige Schüsselmontage

 erstellt am 27.07.2011
 
 
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Ist die Schüssel größer als die Fensterbreite, bleibt ein Teil des Reflektors wirkungslos
Bild: Auerbach Verlag

Sat-Antennen werden im Freien an einen Mast oder eine Wandhalterung montiert. Beides steht in der Wohnung nicht zur Verfügung. Satellitenantennen sind bedingt durch den LNB-Arm sehr kopflastig, weshalb etwa eine an einen Sonnenschirmständer montierte Schüssel sehr leicht umkippen würde.
 
Schäden an der Antenne und am Mobiliar wären unausweichlich. Einen fix am Fußboden verankerten Montagemast wird man im Wohnzimmer aber kaum anbringen wollen.

Satellitenempfang hinter Glas kann nur eine Notlösung sein, besonders weil der Empfang mit hoher Wahrscheinlichkeit nur unzureichend oder gar nicht funktionieren wird.
 
Die besten Chancen auf einen guten Empfang bieten sich bei einem wenig genutzten Raum, der auch im Winter nur selten beheizt wird. Eine signaldurchlässige Fensterscheibe würde hier nicht besonders ins Gewicht fallen. Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Empfang ist jedoch die Ausrichtung des Fensters nach Süden.

In der Praxis

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Sat-Empfang hinter Glas funktioniert nur, wenn die Signale etwa im rechten Winkel durch die Scheibe dringen
Bild: Auerbach Verlag

Im modernen Wohnungsbau kommen durchweg hochwertige Wärmeschutzgläser zum Einsatz, die an ihrem Farbstich zu erkennen sind. Ihre UG-Werte liegen bei etwa 0,9. Wegen ihrer Metallbedampfung lassen sie kaum Satellitensignale durch. Welches Glas in einem Fenster eingebaut ist, kann man üblicherweise im Metallsteg zwischen Innen- und Außenscheibe nachlesen.
 
Bei zehn von uns getesteten aktuellen Wärmeschutzgläsern erlaubte kein einziges den Satellitenempfang. Nur mit einem einfachen Isolierglas, bestehend aus zwei je 4 Millimeter dicken Glasscheiben mit einem UG-Wert von 3,1 hatten wir Erfolg. Diese Scheibe besitzt keine Metallbedampfung bzw. Farbstich. Die von uns ermittelten Signalpegel an einer hochwertigen 90-cm-Antenne hinter Wärmeschutzgläsern bewegten sich bei 2 Dezibel (dB) über Grundrauschen, was eindeutig zu wenig ist, um vom Digitalreceiver ausgewertet werden zu können.
 
Die durchschnittliche Signaldämpfung bewegte sich um die 16 dB. Brauchbarer Empfang gelingt uns lediglich hinter Isolierglas, aber selbst dieses dämpft die Satellitensignale um rund 7 dB. Damit hat unsere 90er-Schüssel etwa den gleichen Wirkungsgrad wie eine kleine 40-cm-Antenne im Freien. Immerhin gelingt es uns auf diese Weise, alle digitalen Transponder auf Astra einwandfrei zu sehen. Am besten gestaltet sich der Satellitenempfang hinter Glas bei schönem Wetter. Wegen der hohen Signaldämpfung hat man selbst bei einer guten 90-cm-Schüssel kaum Schlechtwetterreserven. Sie werden von der Glasdämpfung geschluckt.

UG-Wert

Würden Sat-Signale von der Seite in den Raum einstrahlen, würde nur ein sehr kleiner Bereich ausgeleuchtet werden
Bild: Auerbach Verlag

Der Wärmedurchgangskoeffizient (UG-Wert) gibt die Wärmemenge an, die pro Zeiteinheit durch 1 Quadratmeter (m²) eines Bauteils bei einem Temperaturunterschied der angrenzenden Raum- und Außenluft von 1 Kelvin (K) hindurchgeht.
 
Je kleiner der UG-Wert, desto größer also die Wärmedämmung.
 
Die Maßeinheit ist W/m²K. Die Prüfnorm des UG-Werts für die Verglasung ist die DIN EN 674.

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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Letzte Änderung: Donnerstag, 28.07.2011