Hintergrund • Untersucht: Satellitenempfang hinter Glas

Vorraussetzungen für den Empfang

 erstellt am 27.07.2011 von Thomas Riegler
Hat man keine Möglichkeit, eine Sat-Antenne im Freien zu installieren, stellt sich die Frage, ob der Empfang nicht auch aus dem Inneren einer Wohnung heraus funktionieren könnte. In diesem Fall würde der Empfang durch die Glasscheibe hindurch erfolgen. Die Problematik der Durchführbarkeit dieses Vorhabens ist deshalb so alt wie der Satellitenempfang selbst.
 
 
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Wärmeschutzgläser sind metallbedampft. Man erkennt sie an der Verfärbung, wenn man ein weißes Blatt Papier dahinter hält
Bild: Auerbach Verlag

Obwohl Sat-Empfang grundsätzlich durch das Fenster funktionieren würde, ist davon abzuraten. Zu viele Faktoren sind zu berücksichtigen, die kaum zur Steigerung des Wohnkomforts beitragen.

Damit der Sat-Empfang von innen überhaupt funktionieren kann, ist ein nach Süden ausgerichtetes Fenster erforderlich. Nur wenn dieses geöffnet ist, strahlen die Satellitensignale in einen kleinen Bereich ungehindert ins Innere. Genau hier ist die Antenne aufzubauen. Sat-Antennen sind übrigens größer, als vielfach angenommen wird. Eine 90-Zentimeter-Schüssel beansprucht beispielsweise 1 Kubikmeter Raum und verhindert zudem den Blick nach draußen sowie die direkte Sonneneinstrahlung am Fenster.
 
Übliche Fensterscheiben haben eine relativ hohe Signaldämpfung, die selbst bei "Sat-freundlichen" Gläsern nicht zu vernachlässigen ist. Damit scheiden für den Indoor-Empfang kleine unauffällige Spiegel aus. Kompakte Schüsseln der 40-Zentimeter-Klasse oder kleine Flachantennen stehen ebenfalls nicht zur Wahl. Als Mindestdurchmesser sind 90 Zentimeter (cm) anzuraten. Ob das ausreicht, wird von dem im Fenster eingebauten Glas bestimmt. Klassische, nur wenige Millimeter dicke, einfache Scheiben kommen derzeit kaum noch zum Einsatz. Man findet sie heute fast ausschließlich in nicht beheizten Geräteschuppen. Gerade mit ihnen würde der Sat-Empfang aber am ehesten gelingen.

Hindernis: Wärmeschutzglas

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Welche Glasscheibe eingebaut ist, erkennt man an der Typenbezeichnung auf dem Metallsteg
Bild: Auerbach Verlag

Seit vielen Jahren sind Wärmeschutzgläser allgemeiner Standard. Sie sind mit einer aufgedampften Metallschicht versehen, die das Entweichen von Wärme weitgehend verhindert. Wärmeschutzgläser mit zwei Scheiben haben einen Wärmedurchgangskoeffizienten (UG-Wert) von rund 0,9 bis 1,6. 3-Scheiben-Wärmeschutzgläser haben einen UG-Wert von 0,4 bis 0,8. Sat-Empfang ist durch diese Doppel- oder Dreifachscheiben unmöglich.
 
Moderne Gläser in zahlreichen Ausführungen zeichnen sich durch ihre hohe Isolierwirkung aus und lassen nur wenig Wärme ins Freie entweichen. Blickt man durch eine solche Scheibe, fällt die dünne Metallschicht nicht auf. Wie wohl allgemein bekannt, dämpfen Metalle Funksignale. Das gilt im Wesentlichen auch für moderne, durchweg metallbedampfte Fensterscheiben. Sie versperren Satellitensignalen den Weg fast vollständig, ihre Dämpfung ist also enorm.

Die Signaldurchlässigkeit einer Scheibe sinkt mit steigendem Isolierwert. Im gegenwärtigen Wohnungsbau kommen üblicherweise Gläser mit hoher Isolation zum Einsatz. Das ist übrigens schon seit vielen Jahren der Fall, da so Heizkosten gespart werden können und die Umwelt geschont wird. Auch spezielle Sonnenschutzgläser, wie sie an manchen Hochhäusern zu finden sind, beeinträchtigen den Empfang erheblich. Sie sind ebenso mit einer isolierenden Metallschicht bedampft.

Ausrichtung entscheidend

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Wegen der Glasdämpfung sollte die Schüssel rund 90 cm groß sein
Bild: Auerbach Verlag

Das Glasmaterial allein entscheidet nicht, ob der Satellitenempfang im Inneren auch tatsächlich gelingt. Dieser wird auch davon beeinflusst, in welchem Winkel die Funkwellen auf die Scheibe treffen. Dringen sie im rechten Winkel durch das Glas, bestehen die größten Empfangschancen. Dazu muss das Fenster exakt auf den anzupeilenden Satelliten ausgerichtet sein. In unseren Breiten kommt ohnehin nur Astra auf 19,2 Grad Ost infrage. Seine Transponder verfügen über die meiste Power, was unser Vorhaben grundsätzlich begünstigt.
 
Dringen Satellitensignale schräg durch die Scheibe, werden sie stärker gedämpft, weil der Weg, den die Funkwellen im Glas zurücklegen müssen, länger ist. Außerdem wird mit zunehmender Schräge der Bereich im Raum, in den Satellitensignale einstrahlen, kleiner.
 
Die Empfangswahrscheinlichkeit sinkt also umso mehr, je schräger die Signale nach innen strahlen. Eine größere Schüssel kann hier kaum Abhilfe schaffen. Wird im Raum zum Beispiel nur noch eine Fläche von 45 cm mit Sat-Signalen ausgeleuchtet, bleibt der überwiegende Teil des Reflektors einer größeren Antenne wirkungslos. Hier würde selbst eine größere Schüssel den Empfang nicht verbessern.

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf sorgfältiger Recherche und geben den Sachstand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wieder. Spätere Entwicklungen oder Updates sind aus diesem Grund unter Umständen nicht berücksichtigt. Für Hinweise auf möglicherweise überholte Informationen sind wir dankbar.
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Letzte Änderung: Donnerstag, 28.07.2011