Update: Saudi-Arabien gibt Journalistenmord zu

15.10.2018, 16:20 Uhr, rs

CNN berichtet: Saudi-Journalist sollte vom Gelände der Botschaft entführt werden, starb während eines Verhörs. Türkische Behörden verfügen über Ton- und Videoaufnahmen der Tat.

Update: 16.10.2018, 8:28 Uhr


Überraschende Entwicklung im Vermisstenfall Khasoggi: Der US-Sender CNN berichtet, dass die Ermordung des Journalisten auf dem Istanbuler Botschafsgelände aus zuverlässigen Quellen bestätigt worden sei. Eine genaue Nennung der Informanten steht bislang noch aus, allerdings schließt auch die Saudische Führung die Ermordung des Regimekritikers nicht mehr aus - bestreitet aber nach wie vor jegliche Beteiligung daran.


Türkische Behörden, die mittlerweile Zugang zum saudischen Botschaftsgelände erhalten haben, gehen davon aus, dass ein fünfzehnköpfiges Killer-Kommando mit saudischen Diplomatenpässen am Tag von Khasoggis Verschwinden über Privatflugzeuge eingereist und das Land nur wenige Stunden wieder verlassen hat. Den CNN-Quellen zufolge sollte der Journalist jedoch nicht ermordet, sondern aus der Türkei entführt und in sein Heimatland Saudi-Arabien zurückgebracht werden. Bei einem missglückten Verhör soll Khasoggi dann verstorben sein. Die türkischen Strafverfolgungsbehörden seien ferner im Besitz von Video- und Tonaufnahmen, die nicht nur die Ermordung Khasoggis, sondern auch die grausame Zerstückelung von dessen Leichnam zeigen sollen. Die gestern von diversen Medien und DIGITAL FERNSEHEN verfolgte These, Tonbandaufnahmen der Apple Watch des Getöteten hätten das belastende Beweismaterial erbracht, wirkt angesichts der neuen Sachlage zusehends unwahrscheinlicher.

US-Staatssekretär Mike Pompeo wurde von Präsident Donald Trump nach Riad entsandt, um mit Kronprinz Salman - dem saudischen Machthaber - Details zu erörtern, um "den Geschehnissen auf den Grund zu gehen". Auch einen Besuch Pompeos in der Türkei schloss der US-Präsident dabei nicht aus.

Artikel vom 15.10.2018:


Es klingt alles wie das Drehbuch eines angestaubten Columbo-Films mit einer Prise James Bond: Der Exil-Journalist Jamal Khasoggi, ein unliebsamer Kritiker der Regierung seines Heimatlandes, betritt das saudische Konsulatsgebäude in Istanbul - und verlässt es nie wieder. Seither gilt er als vermisst, wobei die Mutmaßungen nicht lange auf sich warten ließen, Khasoggi sei auf dem Gelände heimtückisch ermordet worden. Diesem Verdacht gehen nun auch die türkischen Behörden nach.


Während die Regierung des saudischen Königreiches sich vehement gegen die Anschuldigungen verwehrt, scheint nun belastendes Beweismaterial auf einem unkonventionellen Wege aufgetaucht zu sein: Die türkische Zeitung "Sabah" berichtete, der saudische Journalist habe Tonaufzeichnungen seiner letzten Minuten mittels einer Apple Watch mitgeschnitten. Diese Aufzeichnungen sollen in das Apple-Datennetzwerk iCloud übertragen worden sein - unerreichbar für die mutmaßlichen Attentäter. Selbst deren Versuche, die Mitschnitte zu vernichten, seien über die Datenauswertung nachvollziehbar geworden.


Jamal Khasoggi hatte das saudische Konsulat besucht, um sich notwendige Papiere für seine Hochzeit mit einer Türkin ausstellen zu lassen - und ahnte scheinbar, was ihm bevorstehen könnte. Der Journalist lebte seit einiger Zeit im türkischen Exil und schrieb unter anderem Artikel für die "Washington Post". Deshalb erregte der Fall seines plötzlichen Verschwindens auch in den Vereinigten Staaten vermehrtes Aufsehen. US-Präsident Trump äußerte sich besorgt und kündigte an, im persönlichen Gespräch mit dem saudischen Kronprinzen eine Aufklärung des Sachverhalts zu fordern. Darüber hinaus drohte er dem Golfstaat mit empfindlichen Strafen, sollten sich die Mutmaßungen im Fall Khasoggi bewahrheiten. Ein geplanter Rüstungs-Deal mit dem saudischen Königreich über 120 Milliarden Dollar sei davon laut "Handelsblatt" allerdings nicht betroffen.

Der türkische Geheimdienst MIT wertet wohl derzeit die Daten aus der iCloud aus - während anderweitig Vermutungen kursieren, der Nachrichtendienst könnte die belastenden Informationen aus dem saudischen Konsulatsgebäude auch über eine illegale Überwachung des diplomatischen Hauptquartiers des arabischen Staates erhalten haben. Zur Zeit scheitern dem türkischen Innenminister Mevlüt Çavuşoğlu zufolge weitere Ermittlungen in dem Fall an der fehlenden Kooperationsbereitschaft der Saudis: Ermittlerteams sei bislang kein Zugang zum Konsulatsgebäude eingeräumt worden.

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