Vernachlässigte Nachrichtenthemen: Bankenrettungsfonds vorne

16.07.2011, 22:10 Uhr, dpa/ar

Die fehlende parlamentarische Kontrolle über den Bankenrettungsfonds Soffin zählt laut Einschätzung einer Jury zu den Themen, die in TV-Nachrichten und weiteren Medien im vergangenen Jahr am stärksten vernachlässigt wurde.


Eine Gremium aus Wissenschaftlern und Journalisten benannte am Freitag in Dortmund das Thema zum Spitzenreiter der angeblich vernachlässigten Themen in den deutschen Medien. Die Rangliste benennt insgesamt zehn Sachverhalte, die im vergangenen Jahr nach Ansicht der Jury zu wenig von den Medien beachtet worden waren.

Über den Soffin, den 2008 eingerichteten Sonderfonds zur Stabilisierung des Finanzmarktes, werde zwar berichtet, jedoch ohne auf die fehlende Kontrolle durch das Parlament hinzuweisen, hieß es. "Deutschland ist auf dem Weg zu einer Expertokratie", sagte Professor Horst Pöttker, Geschäftsführer der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA). Nur wenige Experten hätten die Kontrolle über die Mittel in Höhe von 480 Milliarden Euro aus dem Soffin.

Auf den zweiten Platz sehen die Jurymitglieder die Schadstoffbelastung von Schulen in Nordrhein-Westfalen. In den Medien nicht berücksichtigt sehen die Jurymitglieder auch die militärische Forschung an deutschen Hochschulen. Das Thema landete auf dem dritten Rang.


24 Themen hat die 22-köpfige Jury überprüft. Zu den ausgewählten zehn zählten in diesem Jahr auch Doping im Fußball, der vergessene Krieg im Kaukasus und der sogenannte Nocebo-Effekt, bei dem schon durch das Wissen um Krankheitsverläufe oder Nebenwirkungen von Medikamenten entsprechende Symptome ausgelöst werden.

Seit 1997 gehen bei der Initiative jährlich zwischen 100 und 200 Hinweise von Bürgern und Institutionen ein. Studenten in Dortmund, Bonn, Siegen und Hamburg bewerten, ob die Themen ihrer Ansicht nach vernachlässigt und relevant sind, ehe eine Jury zehn davon auswählt.

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