WDR-Redakteurin will gegen Kabarettist Somuncu klagen

11.01.2017, 11:59 Uhr, buhl

Wegen vermeintlicher Beleidigung will eine Redakteurin des WDR gegen den Kabarettisten Serdar Somuncu klagen. Der Sender sagte seiner Mitarbeiterin öffentlich seine Unterstützung zu und löste damit eine Diskussion um Zensur im TV aus.


Serdar Somuncu gilt als Freund klarer Worte, der auch unbequeme Wahrheiten ausspricht. Dabei schießt der Kabarettist, der sehr emotional werden kann, auch mal über das Ziel hinaus. Nun will eine WDR-Redakteurin wegen Beleidigung gegen Somuncu klagen und darf sich dabei der Unterstützung ihres Senders sicher sein, wie der Westdeutsche Rundfunk (WDR) in einem Pressestatement am Dienstagabend bekannt gab.


Damit reagierte der Sender auf einen Facebook-Post von Somuncu, in dem dieser die Klage öffentlich machte und der Mitarbeiterin Zensur vorwarf. Das Thema "Zensur" ist für den WDR keines, der klarstellt, dass es in der Klage um schwere Beleidigung geht. "Wir unterstützen sie dabei, da wir nicht dulden, dass unsere Mitarbeiterin öffentlich als 'Keimzelle des Faschismus' oder 'Arschloch' bezeichnet wird".
 
Dabei beziehen sich Redakteurin und Sender auf eine Podiumsdiskussion der Körber-Stiftung vom November 2015, in der Somuncu im Gespräch mit der Journalistin Mely Kiyak auch auf das Thema TV-Auftritte kam. Hierin warf der türkisch-stämmige Kabarettist vielen TV-Sendern und -Redakteuren vor, seine Texte und Auftritte mit dem Rotstift zu verstümmeln. "Kein Redakteur der Welt ist so frei in seinem Kopf, dass er sagt, 'komm wir winken das durch, ist doch Kunst'. Das Publikum kann selbst entscheiden, ob gut oder schlecht", so Somuncu im damaligen Gespräch.
 
Vor allem die fehlende Unterstützung der Kollegen enttäuschte Somuncu, der zudem der Redaktion des WDR, inklusive der namentlich genannten Redakteurin, vorwarf, aufstrebende Kabarettisten "hinzurichten": "Diese Arschlöcher nehmen sich raus, uns im Namen der Gebührenzahler zu zensieren. Das war für mich die Keimzelle des Faschismus."
 
Den eigentlichen Grund für die Wutrede Somuncus, die vermeintliche Zensur, wollte der WDR jedoch nicht kommentieren. Dass dieses Thema jedoch aktuell ist, zeigt auch die Tatsache, dass das Video von der Podiumsdiskussion zunächst bei Youtube entfernt und anschließend um die entsprechenden Stellen gekürzt wieder hochgeladen wurde. Die Original-Fassung ist dank mehrerer Youtuber allerdings auch noch zu finden.
 
Auf die Ankündigung des WDR fand Somuncu per Facebook eine Antwort, in der er seine Vorwürfe der Zensur bekräftigt. "Ich begrüße dennoch, dass die Verantwortlichen durch ihre empfindsame Reaktion, wenn auch nach beträchtlicher Bedenkzeit, eine Diskussion über Meinungs- und Satirefreiheit angestossen haben."
 

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