Wegen Netflix? Vivendi plant angeblich Verkauf von Watchever

11.06.2014, 11:33 Uhr, ps

Vivendi will laut französischen Medienberichten seine deutsche Video-on-Demand-Tochter Watchever abstoßen. Die Konzernsparte soll seit dem Start hohe Verluste einfahren. Könnte der geplante Markteintritt von Netflix die Franzosen nun zum Rückzug bewegen?


Der angekündigte Marktstart von Netflix in Deutschland könnte schon im Vorfeld Wirkung zeigen. Wie mehrere französische Zeitungen am Mittwoch berichten, plant der Mutterkonzern Vivendi offenbar einen Verkauf seiner deutschen Video-on-Demand-Tochter und soll sich bereits auf der Suche nach einem Käufer befinden.


Bislang soll der französische Medienkonzern auf dem deutschen Video-on-Demand-Markt mit dem Aufbau seines Portals Watchever trotz der geschätzten 300 000 bis 500 000 Kunden lediglich Verluste eingefahren haben. 2013 sollen diese laut Informationen, welche der Nachrichtenseite "Les Echos" von Seiten des Vivendi-Vorstandes vorliegen, bei 66 Millionen Euro gelegen haben. Im ersten Quartal 2014 seien die Verluste sogar noch einmal angestiegen, sodass diese allein in den ersten drei Monaten des aktuellen Geschäftsjahres bei 21 Millionen Euro gelegen hätten.
 
Geld verdienen, das scheint auf dem Video-on-Demand-Markt in Deutschland zumindest mit Abo-Modellen derzeit noch schwierig zu sein und die Konkurrenz wächst. Neben Sky Snap, das im Dezember 2013 gestartet ist, hat auch Amazon sein VoD-Angebot neu strukturiert und geht mit Niedrigpreisen auf Kundenfang. Der geplante Markteinstieg von Netflix könnte den Wettbewerb noch einmal verschärfen.
 
Bei Watchever in Deutschland wollte man die Berichte aus Frankreich auf Anfrage von DIGITAL FERNSEHEN zunächst nicht kommentieren. Auch von Vivendi selbst lautete die Antwort auf unsere Anfrage zunächt nur "kein Kommentar".Jean-Louis Erneux, Vice President Press Relations bei Vivendi, verwies auf Nachfrage lediglich auf einen Kommentar, den man im Mai veröffentlicht hatte. Demnach prüfe man derzeit alle strategischen Optionen. Ob sich die Franzosen, die erst im vergangenen Jahr mit großem Werbeaufwand gestartet waren, tatsächlich schon wieder aus Deutschland zurückziehen wollen, ist daher bislang unklar.

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