ZDF: "DVB-T2-Umstieg zur Not auch ohne die Privaten"

25.09.2013, 16:12 Uhr, ps

Erst in der vergangenen Woche hatten ARD und ZDF ihre Pläne offenbart, ab 2017 mit dem Umstieg der terrestrischen TV-Übertragung auf DVB-T2 beginnen zu wollen. DIGITAL FERNSEHEN sprach mit dem Produktionsdirektor des ZDF, Andreas Bereczky, über die technischen und medienpolitischen Vorraussetzungen sowie über die Rolle der Privatsender.

Dr. Andreas Bereczky, Produktionsdirektor des ZDF
Bild: ZDF


Herr Bereczky, neben der ARD hat auch das ZDF angekündigt, ab 2017 mit der Programmausstrahlung über DVB-T2 beginnen zu wollen. Warum peilt man dafür nicht einen früheren Termin an?
 
Andreas Bereczky: Für einen möglichst reibungslosen und verbraucherfreundlichen Systemwechsel müssen die technischen Parameter und der geplante Zeitpunkt des Umstiegs frühzeitig kommuniziert werden. Nur so können sich alle Marktteilnehmer, insbesondere Geräteindustrie und Zuschauer, rechtzeitig darauf einstellen. Dies ist unbedingt erforderlich, da die gesamten DVB-T-Empfangsgeräte mit dem neuen Standard nicht mehr nutzbar sind und von daher ausgetauscht werden müssen.
 
Neben der Umstellung des Übertragungsstandards auf DVB-T2 planen wir nach derzeitigen Überlegungen auch die Umstellung  des Videokompressionsstandards auf HEVC (Anm. d. Red.: auch als H.265 bezeichnet) Damit erreichen wir einen maximal effizienten und zukunftsfähigen Systemwechsel, müssen dabei aber insbesondere auf die Verfügbarkeit von entsprechenden Empfangsgeräten Rücksicht nehmen.
 
 
Sicherlich sind für einen Start von DVB-T2 zunächst noch zahlreiche Abstimmungen etwa mit den Betreibern der Sendeanlagen, den Herstellern von Endgeräten für den Empfang, der Politik und mit anderen Rundfunkveranstaltern notwendig. Befinden Sie sich hier bereits in Gesprächen?
 
Bereczky: In der Tat bedarf es für einen erfolgreichen Umstieg zahlreicher Abstimmungen. Wir befinden uns diesbezüglich erst am Anfang eines komplexen Prozesses. Mit der jetzigen Ankündigung des angepeilten Umstiegs ab 2017 haben wir ein erstes wichtiges Signal in den Markt und in Richtung Medien- und Frequenzpolitik gegeben. Alles weitere gilt es in den kommenden Wochen und Monaten anzugehen.


In der Vergangenheit haben ARD und ZDF stets betont, dass sie sich für eine Einführung von DVB-T2 eine Zusammenarbeit mit den privaten Programmveranstaltern wünschen. Werden Sie die Pläne für den Umstieg notfalls auch ohne eine Beteiligung der Privatsender forcieren?
 
Bereczky: Natürlich ist es wünschenswert, dass auch die privaten Programmveranstalter mit dabei sind. Diese sollten die Chancen eines Umstiegs auf ein zukunfts- und wettbewerbsfähiges DVB-T2-System ebenfalls nutzen und so auch portabel und mobil ohne "Datenbremse" empfangbar bleiben. Die Entscheidung in unserem Haus ist jedoch nicht zwingend an ein "mitgehen" der Privaten gebunden.
 
 
Gibt es von Ihrer Seite aus schon Einschätzungen oder gar Pläne, wann die Vorbereitungen auf einen Umstieg wirklich mit konkreten Maßnahmen beginnen könnten?
 
Bereczky: Dazu können wir derzeit leider keine konkrete Aussage treffen. Unsere Erfahrungen aus dem Umstieg der analogen auf die digitale Terrestrik sowie die Abschaltung des analogen Satelliten werden dabei sicher sehr hilfreich sein und eine Orientierung hinsichtlich der notwendigen Maßnahmen und zeitlichen Vorläufe geben.
 
 
Ein großer Stolperstein für einen Umstieg auf DVB-T2 könnte die sogenannte Digitale Dividende II sein. Alle Rundfunkveranstalter warnen davor, das 700-MHz-Frequenzband frühzeitig an die Mobilfunkanbieter zu übergeben und es so für den Rundfunk unbrauchbar zu machen. Die Bundesnetzagentur argumentiert hingegen, dass Frequenzband sei gar nicht notwendig für eine Weiterentwicklung der Terrestrik. Wie wichtig ist denn das 700-MHz-Frequenzband tatsächlich?
 
Bereczky: Das 700-MHz-Band wird derzeit intensiv durch den Rundfunk genutzt. Für den angestrebten inselweisen Umstieg auf DVB-T2 benötigt der Rundfunk unbedingt dieses Band. Dem überraschenden Plan der Bundesnetzagentur, das für die Rundfunkverbreitung wichtige 700-MHz-Band bereits 2015 zu versteigern und ab 2017 dem Mobilfunk für eine Nutzung zur Verfügung zu stellen, ist daher eine klare Absage zu erteilen.
 
 
Vielen Dank für das Gespräch.

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