"Minister"-Darsteller: Du kannst gerne bescheißen - aber richtig

17.03.2013, 12:02 Uhr, Interview: Nada Weigelt/fm

Mit der Satire "Der Minister" hat Sat.1 in dieser Woche die Plagiats-Affäre rund um Karl-Theodor zu Guttenberg aufs Korn genommen. Darsteller Kai Schumann findet Schummeln im Prinzig nicht verkehrt - man muss es nur richtig machen, wie er im Interview erklärte.


Kai Schumann ist Fernsehzuschauern aus dem Leipziger "Tatort" oder der "Kreuzfahrt ins Glück" bekannt. In der Sat.1-Satire "Der Minister" spielt der 36-Jährige jetzt einen Minister, der an den früheren Hoffnungsträger Karl-Theodor zu Guttenberg erinnert. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa sagt Schumann, warum er nichts von Schadenfreude hält und was man beim Schummeln beachten sollte.
 
 
Darf man einem Selbstdarsteller wie Herrn Guttenberg gegenüber auch ein bisschen Schadenfreude haben?
 
Schumann: Schadenfreude ist ein sehr natürliches Gefühl. Das stellt sich automatisch ein, wenn Menschen sehr viel Aufmerksamkeit wollen und sich aufblasen und nachher stellt sich alles als Luftnummer heraus. Für mich ist das aber keine moralische Frage, es bringt nur einfach nichts. Schadenfreude ist kein besonders bereicherndes Gefühl, es führt nirgendwo hin.


Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
 
Schumann: Die erste und schwerste Aufgabe war, erst einmal objektiv zu werden. Wenn bekannt wird, dass man eine solche Rolle spielt, kriegt man von allen Seiten Ratschläge, und ich hatte ja auch selbst eine Meinung zu dieser Figur. Natürlich muss man diese Gefühle erstmal wahrnehmen und durchgehen, aber dann muss man sie auch beiseitelegen können. Denn es ist ja eine Fantasiegeschichte, und Donnersberg ist eine Fiktion, eine Kunstfigur.
 
Was macht denn eine Satire aus?
 
Schumann: Der Film ist mehr als nur eine Geschichte über Guttenberg. Er wirft einen satirischen Blick auf diese Gesellschaft. Und Guttenberg ist nur exemplarisch für einen Gesellschaftszustand. Es geht doch heutzutage so oft nur um Selbstdarstellung, es geht ums Verkaufen und Verpacken und nicht mehr um die wirklichen Inhalte. Was wir versucht haben, ist mit einem lachenden und zwinkernden Auge diesen Kulturpolitikmischmaschverpackungsgesellschaftswahnsinn zu entlarven.
 
Was halten Sie davon, was er im wirklichen Leben mit seiner Doktorarbeit gemacht hat?
 
Schumann: Es ist absurd, darüber überhaupt zu reden. Für mich ist das ganz klar: Du kannst gerne bescheißen, aber wenn Du erwischt wirst, musst du gehen. In der Schule ist das auch so. Aber das dann nachher auch noch zu verteidigen, ist einfach grundrespektlos gegenüber allen Fakultäten und allen wissenschaftlich arbeitenden Menschen.
 
Vielen Dank für das Gespräch.

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