"Zapp" entlarvt "werberelevante Zielgruppe" als RTL-Trick
[ug] Hamburg - Die so genannte "werberelevante Zielgruppe" der 14- bis 49-jährigen Zuschauer als Gradmesser für den Erfolg von Fernsehprogrammen ist eine willkürliche Erfindung und ein reiner Werbetrick des Privatsenders RTL.
Trotzdem unterwerfen sich alle Fernsehsysteme dieser wenig oder gar nicht aussagekräftigen Erfolgsmessung bis heute. Das ergaben Recherchen des NDR Medienmagazins "Zapp" für die aktuelle Sendung am Mittwoch, 17. September, um 23.00 Uhr im NDR Fernsehen.
Der frühere RTL-Vermarktungschef Uli Bellieno, "rechte Hand" des ersten und legendären RTL-Chefs Helmut Thoma, gestand gegenüber "Zapp" ein, mit der willkürlichen Einführung der "werberelevanten Zielgruppe" zwischen 14 und 49 Jahren habe der anfangs kleine Luxemburger Privatsender seinen Zuschaueranteil künstlich nach oben getrieben. Denn völlig ausgeblendet wurden damit die über 50-Jährigen, die bei ARD und ZDF besonders stark vertreten waren und sind. Ex-RTL-Mann Bellieno wörtlich: "Im Prinzip war das ne gewisse Verzweiflungstat. Weil man sonst auch nicht weiter vorankam. Und manchmal sind ja Verzweiflungstaten auch sehr genial."
Diese Festlegung auf die 14- bis 49-jährigen Zuschauer sei "damals entstanden als wunderbarer Vermarktungstrick von RTL, von Helmut Thoma." Er habe es "geschafft mit seiner Eloquenz, diese Zielgruppe im Markt zu verankern". Bellieno weiter: "Wir waren eigentlich selber ein bisschen erstaunt, dass diese Konvention so nahtlos durchging." Heute gibt Bellieno zu: "Es ist eigentlich eine ziemlich unsinnige Zielgruppe". Denn 49 Jahre sei "überhaupt kein richtiger Schnitt".
Schließlich arbeiteten und konsumierten die meisten Menschen bis 59 oder gar 65 Jahren, seien also ebenfalls werberelevant. Der Werbeexperte Bernd M. Michael, der schon frühzeitig den RTL-Trick infrage gestellt hatte, betonte in "Zapp" ebenfalls, die Eingrenzung 14 bis 49 habe keine wissenschaftliche Basis. "Die Zielgruppe 14 bis 49 ist ein Gerücht gewesen, ein Missverständnis, erfunden durch einen Österreicher, den wir alle kennen, der damit die privaten Fernsehsender ins Gespräch gebracht, und diese wunderbare Lüge hat sich bis heute gehalten."
RTL-Sprecher Christian Körner hingegen hält unverdrossen an der Zielgruppe 14 bis 49 als Leitwährung für die Erfolgsmessung fest. Es sei "entscheidend", dass sich diese Zielgruppe "als gängige Währung durchgesetzt hat, in der Werbeindustrie, bei den Werbung Treibenden und bei anderen Sendern". RTL sei seit 16 Jahren ununterbrochen in dieser Zielgruppe die Nummer Eins. "Darauf sind wir sehr stolz."
AW: "Zapp" entlarvt "werberelevante Zielgruppe" als RTL-Trick Normalerweise finde ich "Zapp" ja nicht so prickelnd, aber wenn die Redaktion jetzt einen kleinen Beitrag dazu leistet, dass endlich mal dieser Schwachsinn mit der "werberelevanten Zielgruppe" aus den Fernsehbranche verschwindet, ist das schon viel wert.
Ich habe sowieso nie verstanden, warum 15-jährige oder 46-jährige Zuschauer "wertvoller" sein sollen als 13-jährige oder 54-jährige.
AW: "Zapp" entlarvt "werberelevante Zielgruppe" als RTL-Trick RTL hat's erfunden und alle haben abgeschrieben. Auch hinterfragt wurde dieses System (bis jetzt) nie. Interessant, wenn ich mir so vorstelle auf welchen Schwachsinn wir tagtäglich noch so reinfallen...
AW: "Zapp" entlarvt "werberelevante Zielgruppe" als RTL-Trick Ganz alt und schon lange bekannt. Auch dass man die Marktanteile sich schönrechnet, in dem man aus dieser willkürlichen Zielgruppe eine noch willkürlichere (z.B. die 18-22 jährigen) nimmt und sich dann 24% Marktanteil für eine Teen-Serie in dieser Zielgruppe zuschustert und damit einen auf Erfolg macht, während der Marktanteil bezogen auf 14-49jährigen weiß ich nur 6% ausmacht und damit ein riesen Flop.
AW: "Zapp" entlarvt "werberelevante Zielgruppe" als RTL-Trick Wird dann auch lustig, wenn die ganzen Medien-Infodienste (kress, Horizont, dwdl etc.), die diesen Unsinn über Jahre hinweg freudig aufgenommen und kritiklos weiterverbreitet haben, ihren Lesern irgendwann erklären müssen, dass in Zukunft ganz andere Erfolgskriterien für die Einschaltquoten gelten...
AW: "Zapp" entlarvt "werberelevante Zielgruppe" als RTL-Trick Ich frage mich auch, warum man irgendwann von Einschaltquote zum Marktanteil gewechselt hat.
Was die "werberelevante Zielgruppe" betrifft, kann ich mich noch erinnern, daß die Privatsender in den 90er Jahren zeitweise mal umgeschwenkt waren auf eine ältere Zielgruppe, weil die mehr Kaufkraft besitzt. Daher liefen dann haufenweise Volksmusiksendungen, Peter Steiner etc.
Irgendwann kam man dann alerdings auf den Trichter, daß die Älteren in ihrer Markenbindung festgefügter seien und weniger durch Werbung beeinflußbar.
Daher wieder der Schwenk zurück zu den Jüngeren.
AW: "Zapp" entlarvt "werberelevante Zielgruppe" als RTL-Trick naja was hat das mit FLOP zu tun, eine Teenserie und deren Werbepartner im Umfeld juckt nur die JUNGE ZIELGRUPPE ... für Sender und Werbewirtschaft ist dann halt nur eine gewisse Zuschauerschaft von Interesse, was ja auch nicht verwerflich ist in dem Fall ...
Das die Sache eine willkürliche Erfindung ist, ist ja auch nicht schlimm ... irgendwer muss es ja mal erfunden haben ... und alle haben sich ja im Endeffekt mit der Übernahme dieser Kategorie abgefunden bzw. diese akzeptiert ... in anderen Ländern gibt es ja genauso solche Staffelungen und RTL kann nicht überall alles mit erfunden haben ...
Viele Aufteilungen egal wo in welchen Bereich auch immer, sind oft rein willkürlich entstanden ...
Das gerade die ARD sowas (mit jahrelanger Verspätung) berichtet, naja was hat das wohl zu bedeuten
AW: "Zapp" entlarvt "werberelevante Zielgruppe" als RTL-Trick Es wird ja nie alles nur einzeln betrachtet, der Marktanteil allein sagt ja gar nix aus (10% von was ???), auch die Zuschauerzahl alleine sagt im Prinzip gar nix (2 Mio. aber wie viel hat die Konkurrenz) aus ...
In den USA mit den Ratingpoints wird es noch komplizierter ...
AW: "Zapp" entlarvt "werberelevante Zielgruppe" als RTL-Trick Ich hab das anders verstanden.
Einschaltquote heißt: Wie viele Menschen, die über einen Fernseher verfügen, haben diesen eingeschaltet und schauen Sender x.
Marktanteil heißt: Wie viele Menschen, die den Fernseher eingeschaltet haben, schauen Sender x.
Insofern sagt der Marktanteil nicht viel aus. Selbst ein Marktanteil von 30% kann ja in absoluten Zahlen sehr wenige Zuschauer bedeuten.
Vermutlich hat mal irgend ein schlaues Marktforschungsinstitut irgendwann mal ermittelt, wie viele Menschen zu einer bestimmten Jahres- und Tageszeit normalerweise vor der Glotze sitzen, weshalb man jetzt nur noch Marktanteile betrachtet.
Aber auch diese Zahlen können sich ja ändern. Das TV hat ja als Unterhaltungsmedium Konkurrenz bekommen in Form von Internet, Videospielkonsolen, DVD/BD etc.
AW: "Zapp" entlarvt "werberelevante Zielgruppe" als RTL-Trick Deshalb werden die absoluten Zahlen ja immer mit veröffentlicht.
Aber du hast recht: Bis in die 80er Jahre hinein wurde als Basis der Einschaltquoten nicht die Zahl der eingeschalteten Geräte genommen, sondern die Zahl der Fernsehgeräte (oder Fernsehhaushalte?) insgesamt.
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