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  • Studie: Trennung der Kabelnetzebenen bremst Breitbandaufschwung

15.12.2006, 10:53 Uhr, sch

Berlin - Deutschland zahlt einen hohen volkswirtschaftlichen Preis für die Dominanz von DSL bei der Breitbandversorgung - dies ist das Ergebnis einer Studie der WIK-Consult im Auftrag des Deutschen Kabelverbands.


Eine der Hauptursachen für den Rückstand Deutschlands bei Breitband-Internetzugängen sei der im Vergleich zu anderen Industrienationen kaum ausgeprägte Wettbewerb zwischen DSL- und Kabelnetzbetreibern, so die Autoren der Studie.

Während in den USA, Benelux und anderen EU-Staaten der starke Infrastruktur-Wettbewerb zwischen Kabel- und DSL-Betreibern zu einer hohen Marktdurchdringung von Breitband-Zugängen geführt hat, herrscht in Deutschland de fakto ein DSL-Monopol, das die Marktentwicklung lähmt. Die Studie weist auf eine Reihe von Nachteilen hin, die sich für den Standort Deutschland aus solch einer Entwicklung ergeben und insbesondere auch auf eine vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Untersuchung. Danach können bei optimaler Breitbandentwicklung, zu der insbesondere der Wettbewerb zwischen Kabel und DSL beiträgt, ein zusätzlicher wirtschaftlicher Gesamtnutzen von bis zu 46 Milliarden Euro bis zum Jahr 2010 sowie bis zu 265 000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.
 
Das Kabel habe durch den schleppenden Verkauf der Netze durch die Deutsche Telekom, die nachfolgende Restrukturierung der Unternehmen und das Ende des Internet-Börsenbooms lange gebraucht, um sich für den Wettbewerb im Breitbandmarkt aufzustellen. Den nach wie vor fehlenden umfassenden Wettbewerb führen die Forscher von WIK-Consult aber auf die Zersplitterung der deutschen Kabelnetze zurück: Durch die weltweit einmalige Aufteilung des deutschen Kabels auf Betreiber von Hausverteilnetzen ("Netzebene 4") und überregionalen Zuführungsnetzen ("Netzebene 3") in den Achtzigerjahren fehlt den großen Kabelunternehmen der Netzebene 3 heute vielfach der direkte Zugang zum Kunden. Investitionen in Breitband-Internetangebote enden somit oft ungenutzt vor der Haustür des Verbrauchers. Die Fragmentierung des Kabels führt zudem zu unwirtschaftlich kleinen Einheiten mit hohen Betriebskosten; neue Dienste und Angebote müssen mit einer Vielzahl von Beteiligten verhandelt und koordiniert werden. Breitband in Deutschland wird sich nicht optimal entwickeln, so lange Kabelnetzbetreiber mit ihren Aktivitäten nicht alle Kunden erreichen können, so die Autoren der WIK-Studie, die ihre Thesen mit Fallstudien und internationalen Vergleichen untermauern. So kommentiert J. Scott Marcus, US-Telekommunikationsexperte und Senior Consultant bei WIK-Consult: "Bei genauer Betrachtung des Deutschen Marktes war es selbst für mich sehr überraschend, welche Chancen hier nicht genutzt werden."
 
So hätte das TV-Kabel bereits Ende 2004 ein echter Wettbewerber für DSL sein können. WIK-Consult hat ermittelt, dass bei Marktstrukturen wie in den Niederlanden oder Österreich etwa 3 Millionen deutsche Verbraucher Breitband-Internet über das Fernsehkabel genutzt hätten. Tatsächlich waren es nur 120 000. Diese Entwicklung wäre auch nicht zwangsläufig zu Lasten der DSL-Anschlüsse gegangen. Die Untersuchung kommt vielmehr zu dem Ergebnis, dass die Gesamtzahl aller Breitbandanschlüsse als Reaktion auf verschärften Wettbewerb zwischen Kabelinternet und DSL angestiegen wäre.

Als Handlungsempfehlung kommt die WIK-Studie zu dem Ergebnis, dass die Kabelbranche mehr Gestaltungsspielraum braucht, um sich selbständig zu effizienteren Strukturen umzuorganisieren. Viele Netzbetreiber hätten einen Anreiz zur Konsolidierung im Sinne einer Effizienzsteigerung, Kostenreduzierung, Ausschöpfung von Größenvorteilen und der Internalisierung der Erträge aus Investitionen.
 
Wie Rüttger Keienburg, Präsident des Deutschen Kabelverbands, zusammenfasst, zeigt die Studie von WIK-Consult, dass "eine zukunftsgerichtete Wettbewerbspolitik in Deutschland stärker die sich rasch veränderten Marktrealitäten berücksichtigen muss. Die Konvergenzentwicklung schafft neue Angebotsformen wie IPTV, Voice-over-IP und Triple Play und verändert fundamental und unwiderruflich den Markt für elektronische Kommunikation. Auf diesem konvergenten Markt ist es dringend erforderlich, dass die Kabelnetze sich zu einem leistungsfähigen Wettbewerber zur Deutschen Telekom entwickeln können", betont Keienburg. "Um gegenüber diesem bundesweit aktiven Markführer mit enorm hohen Umsätzen konkurrieren zu können, brauchen die Kabelnetzbetreiber mehr Freiheit, sich effizient zu organisieren und zu restrukturieren. Nur der Wettbewerb der Infrastrukturen Kabel und DSL führt zu günstigeren Preisen, besseren Angeboten und somit zum dringend erforderlichen Breitbandaufschwung in Deutschland."
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