Dream: "Kudelski nimmt die Falschen ins Visier"

04.05.2007, 15:48 Uhr, lf

Lünen - Der Geschäftsführer des Receiver-Herstellers Dream Multimedia, Alpaslan Karasu, wehrt sich gegen die Vorwürfe von André Kudelski, dem Geschäftsführer der Kudelski Group, zu der auch der Verschlüsselungsanbieter Nagravision zählt.


In einem Interview der Schweizer "Sonntagszeitung" hatte Kudelski unlängst erklärt, er habe seine Zweifel, dass jemand die Dream-Box legal nutzt. Dies möchte der Dream-Geschäftsführer Karasu nicht auf sich beruhen lassen.

Herr Karasu, in der Schweiz versucht André Kudelski, Chef der Kudelski Gruppe, zu der auch der Verschlüsselungsanbieter Nagravision zählt, gegen den Hack bei Cablecom und Teleclub vorzugehen. Was halten Sie von seinen Aktionen?
 
Karasu: Natürlich begrüßen wir, dass Kudelski etwas gegen den illegalen Empfang von Pay-TV unternimmt. Ich glaube allerdings, dass er die Falschen ins Visier nimmt.
 
Wie meinen Sie das?
 
Karasu: Durch seine Aussagen wurde suggeriert, dass die Dreambox ein illegaler Receiver wäre. Das ist natürlich völliger Humbug.
 
Aber die DM 500-C wird stets genannt, wenn die Sprache auf den Hack bei Cablecom und Teleclub kommt.
 
Karasu: Daran ist nicht Dream Schuld, sondern diejenigen, die die DM 500-C für illegale Zwecke missbrauchen. Daher sollte sich Kudelski um diejenigen kümmern, die illegale Software entwickeln und über das Internet anbieten. Hier liegen die Gefahren für Unternehmen wie Nagravision.
 
Sie sehen sich also nicht in der Verantwortung?
 
Karasu: Genauso gut könnte man Automobilherstellern vorwerfen, sie seien Schuld an den Unfällen, die Raser oder Betrunkene mit ihren PS-starken Autos verursachen.
 
Zwei Händler soll Kudelski ja bereits vors Gericht gebracht haben. Reicht das aus?
 
Karasu: Definitiv nicht. Wie so oft greifen die Maßnahmen zu kurz.
 
Was müsste Nagravision Ihrer Meinung nach noch machen?
 
Karasu: Nachdem z. B. die letzten Maßnahmen gegen den Nagra-Hack in Deutschland im Herbst vergangenen Jahres schlichtweg verpufften, kann jeder mit einer Hacker-Smartcard Premiere, Tividi und Kabel Digital Home seit Monaten illegal empfangen. Selbst Emulatoren sind schon erhältlich. Doch weder wird gegen die Anbieter solcher Piratenkarten vorgegangen, noch wird ein Key-Wechsel vorgenommen.
 
Was würde ein Key-Wechsel denn bringen? Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die neuen Codes sofort wieder im Internet verbreitet würden.
 
Karasu: Die Besitzer der Hacker-Smartcards und diejenigen, die illegale Software in ihren Empfangsgeräten nutzen, müssten immerhin neue Daten auf die Karten bzw. Boxen spielen, was mit einigen technischem Aufwand verbunden ist, gerade bei den Smartcards. So wie es jetzt läuft, macht es Nagra den Schwarzsehern schlichtweg zu einfach.
 
Welche Rolle kommt hierbei Premiere zu?
 
Karasu: Es kann unmöglich im Sinne des Pay-TV-Anbieters sein, wenn seine Programme über Monate illegal empfangen werden können und der Verschlüsselungsanbieter nichts unternimmt. Gerade Premiere sollte aus der Vergangenheit wissen, wie schlecht das fürs Geschäft ist. Dabei sind aber nicht nur Premiere, Kabel Deutschland & Co. gefragt.
 
Sondern wer noch?
 
Karasu: Die Landesmedienanstalten. Mit illegaler Software oder Hackerkarten wird die PIN-Abfrage für Blue Movie, Red X Club, Playboy TV oder Blue Hustler ausgehebelt. Jeder kann sich pornografische Filme anschauen und das rund um die Uhr, ob die Eltern zu Hause sind oder nicht. Ich verstehe nicht, warum nicht mehr Druck auf Nagravision ausgeübt wird, damit endlich was passiert. Momentan lachen sich die Schwarzseher doch ins Fäustchen.
 
Wird das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Hackern und Pay-TV-Anbietern irgendwann ein Ende haben?
 
Karasu: So lange es geschützte Inhalte gibt, so lange wird es Personen geben, die sich für eine Umgehung des Schutzes interessieren. Pay-TV-Hacker agieren ja nicht aus rein sportlichen Gründen um des Hackens willen. Sie wollen mit ihren illegalen Smartcards Geld verdienen und das gelingt ihnen zurzeit, was unter anderem auch daran liegt, dass sich die andere Seite nicht rührt bzw. die getroffenen Maßnahmen bestenfalls ein Tropfen auf dem heißen Stein sind.
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