Französische Schnellzüge mit TV-Empfang ausgerüstet

08.12.2007, 07:30 Uhr, lf

Paris - Am Freitag ist in drei französischen TGV-Schnellzügen ein interessantes Projekt angelaufen: Im Rahmen eines Testlaufs haben Fahrgäste kostenfreien Zugang zu TV-Sendern und Internet.


Ab 2008 sollen auch Züge nach Deutschland, der Schweiz und Luxemburg diese Technologie testen. Zuerst wird das so genannte "Connexion TGV"-System jedoch in den TGV-Verbindungen östlich von Paris (TGV Est) eingesetzt. Alles was der Bahnkunde zum Empfang braucht, ist ein Notebook mit Wi-Fi-Technologie. Der Dienst funktioniert auch in den Wagen der Zweiten Klasse.

Somit können die TGV-Passagiere zukünftig während der Fahrt ihren E-Mail-Verkehr erledigen, im Internet surfen oder TV-Programme ansehen. Möglich wird dies durch eine Satellitenantenne auf den TGV-Zügen der französischen Eisenbahn SNCF. Dabei werden Satelliten-Kapazitäten von Eutelsat auf dem Atlantic Bird 2 genutzt, der sich auf der Orbitalposition 9 Grad West befindet.
 
Das Satellitensignal wird dann im Zug in ein Wi-Fi-Signal umgewandelt. Neben Eutelsat sind Orange Business Services, Capgemini und Alstom Transport an dem ehrgeizigen Pilotprojekt beteiligt. Ziel des Testlaufs ist es, das System zu erproben und herauszufinden, wie es vermarktet werden soll. In Befragungen wollen die Betreiber dann herausfinden, wie viel welche Passagier-Gruppen bereit sind, für ein derartiges Angebot auszugeben.
 
Oberste Priorität hat für die SNCF die hohe Qualität und Stabilität des Systems. Unterbrechungsfreier TV- und Internetempfang bei Geschwindigkeiten bis zu 320 Stundenkilometern stellt hohe Ansprüche an die Technologien. Nachdem ein ähnlicher Testlauf mit dem GPRS-Standard bereits gescheitert war, vertraut die SNCF jetzt auf die Satellitentechnologie, die als einzige Lösung auch bei hohen Geschwindigkeiten funktioniert. Für den bis zum 8. März dauernden Testlauf werden deswegen 19 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, pro Zug werden 205 000 Euro allein für die Umrüstung fällig.
 
Die SNCF rechnet zunächst mit maximal 50 parallelen Abrufen pro Zug. Davon sollen bis zu 30 Nutzer gleichzeitig das Offline-Mulitmedia-Angebot und 20 den Internet-Anschluss nutzen können. Die maximale Kapazität pro Zug soll bei 350 gleichzeitigen Nutzern liegen.
 
Voraussichtlich Mitte nächsten Jahres wird sich die SNCF auf Basis des Testlaufs entscheiden, ob der Dienst in den Regelbetrieb geht und auf alle Züge ausgeweitet werden soll. Dann könnten 2010 bereits 52 TGVs in Ostfrankreich mit der Technologie ausgestattet sein. Bewährt sich die Technologie, stünde einer Einführung in allen 400 TGV-Zügen nichts mehr im Weg.
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