Hilker: MDR wieder einmal nicht auf eine Krise vorbereitet

14.07.2008, 13:05 Uhr, mg

Leipzig - Seit letzten Mittwoch ist das umfangreiche Internet-Angebot des MDR auf mdr.de nicht bzw. nur eingeschränkt zu erreichen. Techniker arbeiten seit mehr als 150 Stunden daran, die Störung zu beseitigen.


Zu diesem Vorfall erklärt der Medienexperte der Linksfraktion im Sächsischen Landtag, Heiko Hilker: "Jeder Computer kann einmal abstürzen. Allerdings geht man als Nutzer davon aus, dass nach einem Neustart mit den vorhandenen Sicherungskopien weitergearbeitet werden kann. Was in der PC-Welt Standard ist, ist beim MDR jedoch offenbar seit Tagen nicht möglich."

Er könne nun darauf verweisen, dass über Jahre hinweg kaum in www.mdr.de investiert wurde und Hardware und Datenbank somit veraltet sind, führt der Politiker aus und schlussfolgert: "Im wahrsten Sinne hat man mdr.de auf diese Weise kaputt gespart. Doch anstatt - wie erst kürzlich geschehen - in ein neues, aber bedienerunfreundliches Videotextsystem zu investieren, hätte man besser den Krisenfall proben sollen, auch um herauszufinden, ob es nach einem Absturz gelingt, die Sicherungskopie neu aufzuspielen. Dann wären die sich jetzt zeigenden Schwachstellen bestimmt aufgefallen."
 
"Wer über Jahre hinweg das Outsourcing vorantreibe, der ist gleichzeitig verpflichtet, sich den notwendigen Sach- und Fachverstand zu sichern", heißt es in einer Presseerklärung des sächsischen Landtagsabgeordneten weiter.
Dies sei jedoch offenbar nicht geschehen. Die Zeche für den Sondereinsatz externer Experten gehe wieder einmal zu Lasten der Gebührenzahler. Hilker sei gespannt, welche Konsequenzen MDR-Intendant Prof. Udo Reiter aus diesem Online-Gau ziehen wird.
 
Hilker sei sich jedenfalls sicher: "Der MDR braucht mehr Experten!"
 
Auf seiner Internet-Seite informiert der Sender, dass das Internetangebot zurzeit wegen einer technischen Störung nur eingeschränkt zu erreichen sei. "An der Beseitigung dieser Störung wird derzeit gearbeitet. Wir bitten Sie um Ihr Verständnis!", heißt es dort.
 
Aktuelle Nachrichten und Sportergebnisse aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie Programminfos zu MDR-Fernsehen und den Radioprogrammen des MDR könnten Nutzer trotzdem wie gewohnt in der Internetausgabe des MDR-Textes nachlesen.
 
In einer Pressemitteilung, die die "Süddeutsche Zeitung" zitiert, heißt es, dass die Störung hardwareseitig verursacht worden sei und daraufhin zu einem Datenbankproblem geführt habe. Auf den Seiten des "Presseclub Dresden" gibt es einige erhellende Informationen über den tatsächlichen Grund.
 
Dort schreiben Insider: "Eine vertrauliche hausinterne Mitteilung zeigt, wie dramatisch die Situation tatsächlich ist. Es habe sich ein Bauteil der Datenbank für immer verabschiedet, heißt es da - das konnte inzwischen ersetzt werden. Aber: Es sei sehr schwierig gewesen, einen Techniker zu finden, der sich mit der uralten Technik auskenne, so die interne Mitteilung sinngemäß."
 
Es komme noch schlimmer: Ein Aufspielen der Datenbank-Sicherungskopie, die seit Jahren täglich gezogen wird, sei bislang nicht gelungen - offenbar habe man es all die Jahre versäumt zu testen, ob das überhaupt funktioniert. Der Fehler fällt jetzt erst im Krisenfall auf.
 
Allerdings gibt es auch Lichtblicke. Die Hörfunk-Wellen Jump und Sputnik sind nicht betroffen, da sie unabhängige Content-Management-Systeme (CMS) haben. Wann MDR-Online wieder online geht, ist derzeit noch offen - man arbeitet tatsächlich fieberhaft an einer Lösung. Aus internen Quellen heißt es, der MDR hätte die Anschaffung eines neuen CMS immer wieder aufgeschoben.
 
Unter den Mitarbeitern hatte das CMS stets den Spitznamen "die Oma". Jetzt ist die "Oma" offensichtlich verstorben. Ob sie einige Geheimnisse, vielleicht sogar einen großen Teil des erst vor Wochen erfolgten Relaunch der MDR-Seite mit ins Grab genommen hat, lässt sich freilich nur spekulieren.
 
Gegenüber DIGITAL FERNSEHEN wollte der MDR bezüglich der Thematik keine näheren Angaben machen. Nach Aussage des Mitteldeutschen Rundfunks wird zur Zeit noch fieberhaft an dem Problem gearbeitet, eine Lösung sei allerdings in Sicht. Was genau den Fehler verursacht hat und wann die MDR-Homepage wieder uneingeschränkt nutzbar ist, möchte man erst dann mitteilen, wenn alles wieder in geordneten Bahnen läuft.
  • Gefällt mir