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  • "Zapp" entlarvt "werberelevante Zielgruppe" als RTL-Trick

17.09.2008, 13:27 Uhr, mg

Hamburg - Die so genannte "werberelevante Zielgruppe" der 14- bis 49-jährigen Zuschauer als Gradmesser für den Erfolg von Fernsehprogrammen ist eine willkürliche Erfindung und ein reiner Werbetrick des Privatsenders RTL.


Trotzdem unterwerfen sich alle Fernsehsysteme dieser wenig oder gar nicht aussagekräftigen Erfolgsmessung bis heute. Das ergaben Recherchen des NDR Medienmagazins "Zapp" für die aktuelle Sendung am Mittwoch, 17. September, um 23.00 Uhr im NDR Fernsehen.
 
Der frühere RTL-Vermarktungschef Uli Bellieno, "rechte Hand" des ersten und legendären RTL-Chefs Helmut Thoma, gestand gegenüber "Zapp" ein, mit der willkürlichen Einführung der "werberelevanten Zielgruppe" zwischen 14 und 49 Jahren habe der anfangs kleine Luxemburger Privatsender seinen Zuschaueranteil künstlich nach oben getrieben. Denn völlig ausgeblendet wurden damit die über 50-Jährigen, die bei ARD und ZDF besonders stark vertreten waren und sind. Ex-RTL-Mann Bellieno wörtlich: "Im Prinzip war das ne gewisse Verzweiflungstat. Weil man sonst auch nicht weiter vorankam. Und manchmal sind ja Verzweiflungstaten auch sehr genial."
 
Diese Festlegung auf die 14- bis 49-jährigen Zuschauer sei "damals entstanden als wunderbarer Vermarktungstrick von RTL, von Helmut Thoma." Er habe es "geschafft mit seiner Eloquenz, diese Zielgruppe im Markt zu verankern". Bellieno weiter: "Wir waren eigentlich selber ein bisschen erstaunt, dass diese Konvention so nahtlos durchging." Heute gibt Bellieno zu: "Es ist eigentlich eine ziemlich unsinnige Zielgruppe". Denn 49 Jahre sei "überhaupt kein richtiger Schnitt".
 
Schließlich arbeiteten und konsumierten die meisten Menschen bis 59 oder gar 65 Jahren, seien also ebenfalls werberelevant. Der Werbeexperte Bernd M. Michael, der schon frühzeitig den RTL-Trick infrage gestellt hatte, betonte in "Zapp" ebenfalls, die Eingrenzung 14 bis 49 habe keine wissenschaftliche Basis. "Die Zielgruppe 14 bis 49 ist ein Gerücht gewesen, ein Missverständnis, erfunden durch einen Österreicher, den wir alle kennen, der damit die privaten Fernsehsender ins Gespräch gebracht, und diese wunderbare Lüge hat sich bis heute gehalten."
 
RTL-Sprecher Christian Körner hingegen hält unverdrossen an der Zielgruppe 14 bis 49 als Leitwährung für die Erfolgsmessung fest. Es sei "entscheidend", dass sich diese Zielgruppe "als gängige Währung durchgesetzt hat, in der Werbeindustrie, bei den Werbung Treibenden und bei anderen Sendern". RTL sei seit 16 Jahren ununterbrochen in dieser Zielgruppe die Nummer Eins. "Darauf sind wir sehr stolz."


-Vermarktungstrick Sendung: Mittwoch, 17. September, 23.00 Uhr,
NDR Fernsehen
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Spoonman
Spoonman · Foren-Gott · DF-Forum
Normalerweise finde ich "Zapp" ja nicht so prickelnd, aber wenn die Redaktion jetzt einen kleinen Beitrag dazu leistet, dass endlich mal dieser Schwachsinn mit der "werberelevanten Zielgruppe" aus den Fernsehbranche verschwindet, ist das schon viel wert.

Ich habe sowieso nie verstanden, warum 15-jährige oder 46-jährige Zuschauer "wertvoller" sein sollen als 13-jährige oder 54-jährige.
 
chrikro
chrikro · Junior Member · DF-Forum
RTL hat's erfunden und alle haben abgeschrieben. Auch hinterfragt wurde dieses System (bis jetzt) nie. Interessant, wenn ich mir so vorstelle auf welchen Schwachsinn wir tagtäglich noch so reinfallen...
 
Berliner
Berliner · Lexikon · DF-Forum
Ganz alt und schon lange bekannt. Auch dass man die Marktanteile sich schönrechnet, in dem man aus dieser willkürlichen Zielgruppe eine noch willkürlichere (z.B. die 18-22 jährigen) nimmt und sich dann 24% Marktanteil für eine Teen-Serie in dieser Zielgruppe zuschustert und damit einen auf Erfolg macht, während der Marktanteil bezogen auf 14-49jährigen weiß ich nur 6% ausmacht und damit ein riesen Flop.
 
Spoonman
Spoonman · Foren-Gott · DF-Forum
Wird dann auch lustig, wenn die ganzen Medien-Infodienste (kress, Horizont, dwdl etc.), die diesen Unsinn über Jahre hinweg freudig aufgenommen und kritiklos weiterverbreitet haben, ihren Lesern irgendwann erklären müssen, dass in Zukunft ganz andere Erfolgskriterien für die Einschaltquoten gelten...
 
NedFlanders
NedFlanders · Gold Member · DF-Forum
Ich frage mich auch, warum man irgendwann von Einschaltquote zum Marktanteil gewechselt hat.

Was die "werberelevante Zielgruppe" betrifft, kann ich mich noch erinnern, daß die Privatsender in den 90er Jahren zeitweise mal umgeschwenkt waren auf eine ältere Zielgruppe, weil die mehr Kaufkraft besitzt. Daher liefen dann haufenweise Volksmusiksendungen, Peter Steiner etc.

Irgendwann kam man dann alerdings auf den Trichter, daß die Älteren in ihrer Markenbindung festgefügter seien und weniger durch Werbung beeinflußbar.
Daher wieder der Schwenk zurück zu den Jüngeren.
 
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