Steiner: "Eutelsats geplanter Ka-Sat erreicht einen Datendurchsatz von 70 Gigabit/s"

24.03.2009, 02:30 Uhr, ar

Leipzig - Über die Multi-Spotbeam-Technologie, die Eutelsat in Europa einführen will, sprach DIGITAL FERNSEHEN mit Volker Steiner, dem Managing Director von Eutelsat Deutschland.


"Der entscheidende Vorteil der von uns eingesetzten Technologie ist, dass sich das vorhandene Frequenzspektrum mehrfach nutzen lässt", so Volker Steiner im Interview. Somit sei dieser Satellit deutlich produktiver als herkömmliche TV-Satelliten. "Zudem erlaubt das Ka-Band den Betrieb von sehr kleinen Nutzerterminals mit einem Durchmesser von nur 67 Zentimetern", sagt Steiner.

DIGITAL FERNSEHEN: Herr Steiner, Eutelsat plant mit einem Ka-Band-Satelliten, dem so genannten "Ka-Sat", einen ersten Multi-Spotbeam in Europa einzuführen. Was verbirgt sich hinter dieser Technologie?
 
Volker Steiner: Unser geplanter Ka-Sat arbeitet mit Ka-Band-Frequenzen und eröffnet völlig neue Perspektiven für satellitengestützte Breitbanddienste. Ka-Sat hat mehr als 80 Spotbeams. Deren Ausleuchtzonen haben jeweils einen Durchmesser von ca. 250 Kilometern und können so kleine Regionen adressieren. Zugleich kombinieren wir den Satelliten mit einer völlig neuen Infrastruktur am Boden. Diese besteht aus acht über ganz Europa verteilte Gateways, die miteinander über eine redundante Glasfaserleitung verbunden sind.
 
Der entscheidende Vorteil der von uns eingesetzten Technologie ist, dass sich das vorhandene Frequenzspektrum mehrfach nutzen lässt. Somit ist dieser Satellit deutlich produktiver als herkömmliche TV-Satelliten. Zudem erlaubt das Ka-Band den Betrieb von sehr kleinen Nutzerterminals mit einem Durchmesser von nur 67 Zentimetern. Wir wollen Ka-Sat im Jahr 2010 starten und auf unsere Premiumposition Hot Bird auf 13 Grad Ost einsetzen. Von dort aus können Verbraucher dann mit einer Antenne und Zusatzeinrichtungen sehr schnelles Internet genießen, via Satellit telefonieren und hunderte digitale TV-Programme empfangen. Sie erhalten also echtes Triple Play über Satellit.
 
DF: Welche Kapazitäten bzw. Leistungen erbringt der Ka-Sat?
 
Steiner: Ka-Sat erreicht einen Datendurchsatz von 70 Gigabit pro Sekunde. Dies entspricht einer Kapazität, die fast doppelt so hoch ist wie die aktuelle Flotte aller Eutelsat-Satelliten von 25 Satelliten zusammen. Dies reicht aus, um beispielsweise eine Million Haushalte mit Breitbanddiensten zu versorgen. Wir planen via Ka-Sat in einem ersten Schritt Dienste mit Geschwindigkeiten von zehn Megabit pro Sekunde im Downlink und ein Megabit pro Sekunde im Uplink.
 
DF: Was steckt hinter dem Prinzip der Frequenzmehrfachnutzung? Ab wann könnte die Multi-Spotbeam-Technologie flächendeckend eingeführt werden?
 
Steiner: Der Einsatz von der Spotbeam-Technologie ermöglicht, unterschiedliche Daten auf derselben Frequenz zu senden. Damit kann der Satellit in Summe viel mehr Datendurchsatz verarbeiten, als "normale“ Broadcasting Satelliten dies bisher können. Diese Technologie ist allerdings nur für Punkt-zu-Punkt-Verbindungen interessant, wie beispielsweise Internet-Zugänge. Für die Verteilung von TV-Diensten sind große Bedeckungszonen auch zukünftig am effizientesten.
 
DF: Welche Vorteile ergeben sich aus den Leistungen des Ka-Sat?
 
Steiner: Wir können europaweit Internetzugänge via Satellit breitbandig zu Preisen anbieten, die selbst gegenüber DSL absolut wettbewerbsfähig sind.
 
DF: Welchen Stellenwert wird die Multi-Spotbeam-Technologie in den kommenden Jahren haben? Welche Strategie verfolgt Eutelsat bei Multi-Spotbeams außerhalb von Europa?
 
Steiner: Ka-Band-Satelliten und die Spotbeam-Technologie werden international bereits erfolgreich eingesetzt. Schauen Sie nach Nordamerika: "Wild Blue" nutzt seit 2005 Ka-Band Multispot-Satelliten, "Hughes" folgte 2008. In Nordamerika nutzen bereits eine halbe Millionen Haushalte Breitband-Dienste über Multispot-Satelliten. Derzeit kommen jede Woche schon mehr als 10 000 neue Nutzer hinzu. Als Pionier setzt Eutelsat diese innovative Technologie erstmals auf dem europäischen Markt ein. Ka-Sat erreicht zudem Teile Nordafrikas und des Nahen Osten. Ein Engagement von Eutelsat auf weiteren außereuropäischen Märkten ist natürlich eine interessante Option für uns.
 
DF: Der Eutelsat Breitbanddienst Tooway soll über Ka-Sat Endkunden in unversorgten Regionen Breitbanddienste anbieten, die hinsichtlich Preisen und Geschwindigkeiten mit DSL in den bereits ausgebauten Gebieten mithalten können. Streben Sie den Wettbewerb mit leitungsgebundenen DSL-Anbietern an?
 
Steiner: Unseren Tooway-Dienst vermarkten wir bereits seit Ende 2007 und haben inzwischen ein europaweites Vertriebsnetz mit 36 Partnern in 20 Ländern aufgebaut. Für den Dienst nutzen wir schon vorhandene Ka-Band-Kapazitäten auf dem Satelliten Hot Bird 6 sowie für einen Übergangszeitraum, bis Ka-Sat kommt, Ku-Band auf anderen Eutelsat-Satelliten. Wir sehen uns dabei nicht als Konkurrenz zu bestehenden Diensten in bereits erschlossenen Gebieten.
 
Unsere Zielgruppe sind unversorgte Haushalte abseits der mit terrestrischen Breitbandlösungen versorgten Regionen. Das sind über eine Million in Deutschland, in ganz Europa sind es rund 20 Millionen. Unser Dienst bietet beste Voraussetzungen, diese vorhandenen Lücken zu schließen. Tooway ist sofort flächendeckend verfügbar, in wenigen Stunden installiert und arbeitet ohne leitungsgebundenen Rückkanal – d.h. mit Rückkanal via Satellit.
 
Internet via Satellit ist technisch in einer ganz anderen Position als potentielle Wettbewerber. Terrestrische Funktechnologien, wie etwa bei der "Digitalen Dividende“ oder bei Wimax-Lösungen, benötigen immer eine Mindestzahl von Haushalten, die durch eine gemeinsame Antenne versorgt werden, damit "es sich rechnet“. Bei uns gibt es das nicht. Wir können jeden einzelnen Haushalt effizient versorgen. Und dies völlig unabhängig davon, ob sein Nachbar auch Internet haben will oder nicht. Die Infrastruktur, die sich die Haushalte teilen heißt Satellit und bedient Haushalte in ganz Europa. Dies ist bei der Versorgung deutlich effizienter und das leistet keine andere Technologie, die mit uns in den unversorgten Regionen um Endkunden konkurriert.
 
DF: Was wird das Breitbandvolumen über die Spotbeams auf dem Ka-Sat für den Verbraucher kosten?
 
Steiner: Tooway ist heute schon bei separatem Kauf der Hardware für unter 30 Euro mit zwei Megabit pro Sekunde im Downlink im Monat verfügbar. In diesem Zusammenhang arbeiten wir aktuell an neuen attraktiven Angeboten, die nur geringfügig über den DSL-Preisen liegen werden. Für Ka-Sat planen zunächst einen Dienst mit zehn Megabit pro Sekunde im Download und einem Megabit pro Sekunde im Uplink.
 
Die Preise für Tooway über Ka-Sat werden in etwa ähnlich wie heute sein. Allerdings erhalten Verbraucher dafür ein Vielfaches an Geschwindigkeit und Leistung, denn wir wollen den technischen Fortschritt und die Vorteile durch Ka-Sat selbstverständlich an unsere Endkunden weitergeben.
 
DF: Die Bundesregierung will bis Ende 2010 allen deutschen Haushalten einen schnellen Internetzugang ermöglicht und technologieneutral Projekte fördern. Welche Rolle wird dabei Tooway und Ka-Sat spielen?
 
Steiner: Die Bundesregierung hat in ihrem Strategiepapier zur Forcierung des Breitbandausbaus gerade der Satellitentechnologie ein enormes Entwicklungspotenzial zugesprochen und sich auch zur Spotbeamtechnologie geäußert. Wir unterstützen diese Regierungsinitiative ausdrücklich und wollen Tooway und ab dem kommenden Jahr mit Ka-Sat einen wichtigen Beitrag zum Erreichen des Ziels leisten, die Lücken bei der flächendeckenden Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen im ländlichen Raum für Endverbraucher und kleine Unternehmen rasch zu schließen.
 
Für uns ist der feste politische Willen wichtig, dass bei Ausschreibungen und Fördermaßnahmen die Lösung Internet via Satellit gleich wie andere alternative Technologien behandelt wird. Da sich die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort unterscheiden, ist die die optimale Lösung sicherlich ein Technologiemix. Eine technologieneutrale Vorgangsweise ist zudem im Sinne der Steuerzahler, denn nur so wird eine optimale Allokation der begrenzten Fördermittel ermöglicht und dadurch der volkswirtschaftlich höchst mögliche Wirkungsgrad erzielt.
 
DF: Herr Steiner, vielen Dank für das Gespräch.
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