Raab: "Gute Ideen entstehen zwischen Tür und Angel"

29.10.2009, 22:21 Uhr, fp

München - Niedriges Niveau, fehlende Köpfe, wenig Geld; Deutsche TV-Produzenten und Sendervertreter zeichneten bei einem Panel der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) während der Medientage München ein düsteres Bild, was die TV-Unterhaltung der nächsten Jahre angeht.


"More oft the Same" scheint seit einigen Jahren das einzige Konzept zu sein, auf das die deutschen TV-Programmanbieter setzen: Innovationen – Fehlanzeige. Stefan Raab, TV-Entertainer und -Produzent, gilt als einer der kreativsten Köpfe der deutschen Fernsehunterhaltung und berichtete aus seiner Fernsehpraxis. Doch wer auf eine Raabsche Zauberformel gehofft hatte, wurde enttäuscht: Um international erfolgreiche Formate wie "Schlag den Raab" zu entwickeln, brauche er weder Meetings noch Brainstormings, verkündete der TV-Star. Beim "Schlag-den-Raab"Produzenten Brainpool entstünden solche Formate "zwischen Tür und Angel", verkündete Raab, Hinter seinen guten Ideen stecke weder System noch viel Geld, versicherte er. Einen Tipp hatte der Fernsehpreis-Träger dann aber doch an Sendervertreter und Produzenten. Er empfahl, konsequent den Nachwuchs zu fördern, und forderte Formate, in denen sich junge Künstler ausprobieren und wachsen können.
 
"Ich sehe mich als Mentor für andere Künstler und stelle ihnen eine Plattform zur Verfügung", betonte Raab, der als einer der ersten Mario Barth und Cindy aus Marzahn in seinen Shows auftreten ließ. Außer der fehlenden Nachwuchsförderung bemängelte Raab das sinkende Niveau der deutschen Fernsehunterhaltung. "Ich habe den Eindruck, im Moment kann man schon erfolgreiche Unterhaltung machen, indem man den Leuten jemanden zeigt, dem es noch schlechter geht, als ihnen selbst", kritisierte der Entertainer und beschrieb die Misere mit einem Zitat seines Kollegen Dieter Nuhr: "Da spielen Assis Assis für Assis."
 
Im Laufe der anschließenden Podiumsdiskussion konnte und wollte niemand der eingeladenen TV-Programmmacher die fehlenden Innovationen in der deutschen Fernseh-Unterhaltung leugnen. Wolfgang Link, Leiter des Bereichs Entertainment bei Sat.1, kündigte weniger Comedy und mehr Familien-Show an und setzt auf "neue Köpfe" wie Johannes B. Kerner und Oliver Pocher. VoxGeschäftsführer Frank Hoffmann riet dagegen zu Unterhaltungsformaten, die sich "evolutionär entwickeln". Produzentin Ute Biernat, Geschäftsführerin von Grundy Light Entertainment (DSDS), prophezeite ein Comeback der Gameshow und versicherte, die Formate dafür lägen im Schrank. Weniger festlegen wollte sich da Axel Kühn, Deutschland-Chef der britischer Produzentengruppe Shine. "Es geht in erster Linie um Inhalte. Shine steht dabei für alle Formate", erklärte er. Konzentrieren werde man sich zunächst auf Factual Entertainment und Show-Produktionen Fiktionale Formate sollten folgen.
 
"Trend wird immer das Format sein, das Quote erzielt", betonte Jörg Grabosch, geschäftsführender Gesellschafter des Produktionsunternehmens Brainpool. Auf ein festes Erfolgsformat wollte er sich nicht festlegen. Es herrsche ein "knallharter Verteilungswettkampf", kritisierte Grabosch. Vor allem ARD und ZDF gäben viel zu wenig Geld aus. "Wenn jemand für Programm-Innovationen verantwortlich ist, dann die öffentlich-rechtlichen Sender", appellierte der Produzent. Thomas Schreiber, Unterhaltungskoordinator der ARD, gab offen zu, mit den föderalen Strukturen seines Hauses zu kämpfen und noch keinen Ersatz für den prominenten Abwanderer Jörg Pilawa gefunden zu haben. Das aber bedeute "Gefahr und Chance" zugleich. "So etwas zwingt uns dazu, neu zu denken", bekannte Schreiber. Da prominente Köpfe fehlten, heiße für ihn der Trend 2010 "Das Format ist der Star". Innovationen scheiterten bei der ARD allerdings tatsächlich am fehlenden Geld und Mut. So halte man lieber an bestehenden Formaten fest, anstatt Neues zu präsentieren. "Angst vor dem Tod ist der Tod selber", kritisierte Schreiber das ARD-Prinzip.
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