Antenne Bayern: Radioübertragung über Internet zehnmal teurer als UKW

01.01.2010, 03:33 Uhr, ar

Leipzig - Radio-Übertragung ist für die Sender um den Faktor zehn teurer als UKW oder das digitale DAB-Verfahren, rechnet der Vorsitzende der Geschäftsführung von Antenne Bayern, Karlheinz Hörhammer, vor. DIGITAL FERNSEHEN hat sich mit ihm unterhalten.


"UKW funktioniert nach wie vor einfach zu gut, ob das die Technik, die Qualität oder die flächendeckende Versorgung betrifft. Hier heißt es Radio anschalten, egal ob im Bad, Auto oder in der Werkstatt", so Hörhammer. Komplizierter sei das Radiohören über das Internet. "Erste Voraussetzung ist hier schon mal ein Internetzugang. Gut beraten ist dann noch, wer eine Flatrate besitzt, weil ansonsten die Internetkosten teuer werden können", so Hörhammer. Wenn all diese Vorraussetzungen erfüllt seien, biete Webradio aber Vorteile.

DIGITAL FERNSEHEN: Inwieweit verlagert sich Ihrer Meinung nach die Radionutzung Ihrer Hörer immer mehr ins Internet und glauben Sie, dass die Verlagerung in Zukunft noch zunehmen wird? Woran liegt es, dass besonders jüngere Leute zunehmend Radio übers Internet hören?
 
Karlheinz Hörhammer: Laut den Ergebnissen der letzten Medien-Analyse (MA Radio 2009 2) hören in der Zielgruppe der zehn- bis 19-Jährigen 105 000 Hörer unser Programm, bei den 14- bis 29-Jährigen sind es 233 000 Hörer in der Durchschnittsstunde. Dies zeigt, dass die jüngeren Zielgruppen bei Antenne Bayern stark vertreten sind. Internet ist einer von mehreren Distributionswegen und insbesondere von der jungen Zielgruppe stark genutzt.
 
DF: Wie viele Teile Ihres Sendearchivs sind bei Ihnen bereits digitalisiert?
 
Hörhammer: Bei Antenne Bayern sind sämtliche Archive von der Redaktion, Produktion und der Musik bereits digitalisiert. Der gesamte Signalfluss bis zum UKW-Sender verläuft digital.
 
DF: Welche Programm- und Musikinhalte werden bei Ihnen per Webradio übertragen?
 
Hörhammer: Das Programm von Antenne Bayern und unserem zweiten Programm Rock Antenne kann per Webradio gehört werden. Hinzu kommen zwölf weitere Channels als Webradio mit Zielgruppenformaten, wie beispielsweise Schlagern, Chillout Music, Lovesongs oder Kinohits.
 
DF: Wie viele Zuhörer nutzen Ihr Webradio-Angebot im Augenblick?
 
Hörhammer: Pro Monat verzeichnen wir circa 3,69 Millionen Zugriffe auf den Webstream von Antenne Bayern, bei Rock Antenne sind es circa 2,3 und auf die zusätzlichen Streams circa 1,5 Millionen Zugriffe. In Spitzenzeiten hören 20 000 parallele User unsere Internetstreams.
 
DF: Welche Rolle wird künftig die regionale Berichterstattung im Radio spielen?
 
Hörhammer: Wir berichten aus Bayern und der Welt. Bei der ausführlichen Berichterstattung geht es um Menschen, Arbeitsplätze, um die Zukunft von Regionen. Darauf legen wir sehr viel wert und berichten ausführlich und verständlich. Das Bedürfnis unserer Hörer nach regionalen Nachrichten und Informationen ist sehr groß, dem tragen wir seit Jahren Rechnung, auch mit einer täglichen Service-Rubrik (8.30 Uhr, Montag bis Freitag).
 
DF: Welchen Stellenwert nimmt das Thema "Podcast" bei Ihnen ein?
 
Hörhammer: Seit Jahren stellen wir Programminhalte als Podcasts in unserer Mediathek unter Antenne.de zur Verfügung. Auf iTunes haben wir eine eigene Seite für den Sender im "look and feel" von Antenne Bayern. Wir bieten unsere Nachrichten, Comedy, unsere Talkformate "Samstalk" und "Menschen am Sonntag" sowie Serviceinhalte zum Download an. Antenne Bayern sendet ein 24-stündiges Programm mit Musik, Nachrichten und Service, Information und Comedy.
 
DF: Inwieweit schwächt, Ihrer Meinung nach, Webradio das Medium Radio?
 
Hörhammer: UKW funktioniert nach wie vor einfach zu gut, ob das die Technik, die Qualität oder die flächendeckende Versorgung betrifft. Hier heißt es Radio anschalten, egal ob im Bad, Auto oder in der Werkstatt. Komplizierter wird es hier schon beim Radiohören über das Internet - erste Voraussetzung ist hier schon mal ein Internetzugang.
 
Gut beraten ist dann noch, wer eine Flatrate besitzt, weil ansonsten die Internetkosten teuer werden können. Wenn all diese Vorraussetzungen erfüllt sind, bietet Webradio auf jeden Fall Vorteile. Aber solange UKW so gut funktioniert und überall verfügbar ist, wird Webradio das Medium nicht schwächen.
 
DF: Inwiefern treibt das Webradio die Analogabschaltung im Bereich Radio voran?
 
Hörhammer: Die Entwicklung Webradio lässt sich im Moment noch nicht abschätzen. Ich gehe davon aus, dass Radio mindestens noch die nächsten zehn Jahre im Wesentlichen analog über UKW übertragen wird. Denn das Internet ist für Radio-Übertragung um den Faktor zehn teurer als UKW oder das digitale DAB-Verfahren.
 
Gemäß einer Studie von Goldmedia generieren Webradios in Deutschland 15 Millionen Euro Umsatz, verteilt auf knapp 1 900 Webradio-Angebote. Diese werden sich kaum auf dieser Basis bis zum Jahr 2013 refinanzieren können. Somit kann man sicherlich nicht davon sprechen, dass die Übertragung über das Internet die Analogabschaltung vorantreiben wird.
 
DF: Vielen Dank für das Gespräch.
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