Radio PSR: "Derzeit kaum zunehmende Radionutzung über Internet"

02.01.2010, 03:33 Uhr, ar

Leipzig - Der Leiter der Unternehmenskommunikation bei Radio PSR, Nico Nickel, beobachtet keine zunehmende Radionutzung über das Internet. "Als Begleit- und Drive-Time-Medium fehlt hier vor allem noch die Möglichkeit, Internet-Radio im Auto zu empfangen", sagt er.


Noch macht sich das Internet für die Radionutzung bei Radio PSR kaum bemerkbar. "Mit der zunehmenden Verbreitung von DSL-Anschlüssen, Flatrates und hoffentlich bald kostengünstigeren WLAN-Radios wird die Radionutzung über das Internet nicht nur zunehmen, sondern in einigen Jahren sicherlich zur Normalität", hofft Nickel im Interview mit DIGITAL FERNSEHEN.

DIGITAL FERNSEHEN: Herr Nickel, inwieweit verlagert sich Ihrer Meinung nach die Radionutzung Ihrer Hörer immer mehr ins Internet und glauben Sie, dass die Verlagerung in Zukunft noch zunehmen wird? Woran liegt es, dass besonders jüngere Leute zunehmender Radio übers Internet hören?
 
Nico Nickel: Eine zunehmende Radionutzung über das Internet ist bei unseren Hörern momentan nur in geringem Maße spürbar. Dabei sind es natürlich vor allem die jungen und mobilen Nutzer, die diesen Schritt häufiger gehen. Moderne WLAN-Radios und Handy-Applikationen machen dies immer unkomplizierter möglich sind aber noch keine Voll-Alternative.
 
Denn als Begleit- und Drive-Time-Medium fehlt hier vor allem noch die Möglichkeit, Internet-Radio im Auto zu empfangen. Mit der zunehmenden Verbreitung von DSL-Anschlüssen, Flatrates und hoffentlich bald kostengünstigeren WLAN-Radios wird die Radionutzung über das Internet nicht nur zunehmen, sondern in einigen Jahren sicherlich zur Normalität.
 
DF: Wie viele Teile Ihres Sendearchivs sind bei Ihnen bereits digitalisiert?
 
Nickel: Unser Sendearchiv ist mittlerweile vollkommen digitalisiert. Darüber hinaus haben wir aus Nostalgiegründen und zum Bewahren der eigenen Historie natürlich noch etliches Material auf Band.
 
DF: Welche Programm- und Musikinhalte werden bei Ihnen per Webradio übertragen?
 
Nickel: Radio PSR wird vollständig per Web-Stream im Internet angeboten. Darüber hinaus bieten wir regelmäßig Live-Streams von Konzerten, spezielle Musikmixe zum Anhören und Genießen an.
 
DF: Wie viele Zuhörer nutzen Ihr Webradio-Angebot im Augenblick?
 
Nickel: Täglich nutzen gegenwärtig mehrere tausend Hörer den Web-Stream.
 
DF: Welche Rolle wird künftig die regionale Berichterstattung im Radio spielen?
 
Nickel: Die regionale Berichterstattung ist ein Grundpfeiler für die Radioberichterstattung. Regionalität ist die Kernkompetenz aller privaten deutschen Radiosender, da sie ihre Lizenzen und Frequenzen jeweils für ein Bundesland erhalten. Regionalität ist neben der Musik und den Moderatoren das wichtigste Differenzierungsmerkmal. Das wird sich auch künftig nicht ändern. Ich möchte morgens beim Frühstück wissen, was in Sachsen los ist. Ich lebe hier, das ist meine unmittelbare Umwelt. Warum sollte sich hier an den Bedürfnissen etwas ändern?
 
DF: Welchen Stellenwert nimmt das Thema "Podcast" bei Ihnen ein?
 
Nickel: In unserer Wahrnehmung ist das Thema "Podcast" schon wieder Geschichte. Dieser sehr kurzlebige Trend hat bereits vor einigen Monaten an Dynamik verloren und spielt daher für uns keine Rolle. Viel interessanter sind Bewegtbild-Angebote, die Studio-Gäste oder Programmaktionen über unsere Web-Seite nicht nur hör- sondern auch sichtbar machen. Diese Entwicklung bietet für das Radio ein großes Potenzial, da so zusätzliche "Klick"- und Einschalt-Impulse gesetzt werden.
 
DF: Inwieweit schwächt, Ihrer Meinung nach, Webradio das Medium Radio?
 
Nickel: Webradio schwächt das Medium Radio meines Erachtens nicht. Im Gegenteil: die Vielzahl an Nischen-Angeboten im Netz stellt eine Herausforderung dar, die uns dazu antreibt, unsere Stärken noch besser zu nutzen. Besonders unsere Kompetenzen im regionalen Bereich, die Möglichkeit vor Ort den direkten Kontakt mit den Hörern zu suchen, bieten uns ein Spielfeld, auf dem wir definitiv den Ton angeben.
 
Diese Möglichkeiten haben die Macher von reinen Webradioangeboten nicht. Dazu kommen im Land bekannte Moderatoren, die dem Sender ihr Gesicht geben. Diese Form der emotionalen Hörer-Bindung ist eine weitere Stärke, die uns in die Lage versetzt, weiterhin eine echte Alternative zu gesichtslosen Webradio-Angeboten anzubieten. Natürlich müssen wir dabei auch das Medien-Nutzungsgewohnheiten im Auge behalten und zu jeder Zeit ebenfalls im Netz vertreten sein und die Entwicklung aktiv mit gestalten.
 
DF: Inwiefern treibt das Webradio die Analogabschaltung im Bereich Radio voran?
 
Nickel: Es ist unbestreitbar, dass die technischen Entwicklungen, besonders im Bereich Internet, die Analogabschaltung in einem gewissen Maße mit vorantreiben. Entscheidender für den Zeitpunkt der Analog-Abschaltung ist unserer Meinung nach aber die Entwicklung von kostengünstigen, digitalen Radiogeräten und natürlich die Einrichtung eines flächendeckenden digitalen Sendenetzes. Beides steckt noch in den Kinderschuhen.
 
Es gibt in Deutschland 280 Millionen analoge Radiogeräte (davon zig Millionen Autoradios), die bei UKW-Abschaltung von heute auf morgen Schrott wären. Demgegenüber stehen derzeit sehr wenige, sehr teure digitale Radioempfänger. Ein weiteres Problem sind die unterschiedlichen Planungen in den verschiedenen Bundesländern. So kann beispielsweise Sachsen Ende 2014 nur schwer abschalten, wenn in anderen Bundesländern noch weiter auf UKW gesendet wird. Wir sind uns sicher, dass die Gesetzgeber mit viel Fingerspitzengefühl und mit Blick auf die Bedürfnisse und Lebenswelten der Menschen die Analog-Abschaltung umsetzen werden.
 
DF: Vielen Dank für das Gespräch.
  • Gefällt mir