Die Grünen: HDTV-Vorgehen von Kabel Deutschland "politisch bedenklich"

21.01.2010, 06:00 Uhr, fp

Leipzig - Kabel Deutschland verweigert nach wie vor die Einspeisung von ARD und ZDF in HDTV. Die Kundenproteste und der Druck auf Deutschlands größten Kabelnetzbetreiber nimmt in dem Maße zu, wie der HD-Regelbetrieb näher rückt. Gegenüber DIGITAL FERNSEHEN kritisiert nun Malte Spitz, Mitglied des Bundesvorstandes Bündnis 90/Die Grünen das Vorgehen der Kabel Deutschland.


DIGITAL FERNSEHEN: Herr Spitz, Kabel Deutschland verweigert die Einspeisung von ARD und ZDF in HDTV in ihre Netze. Welche Auswirkungen hat die Haltung von Deutschlands größtem Kabelnetzbetreiber auf den Verbreitungsweg Kabelfernsehen?
 
Malte Spitz: Es ist traurig das es hier zu keiner gemeinsamen Lösung kommen kann. Das Verhalten von Kabel Deutschland ist in dieser Hinsicht politisch bedenklich und schwächt die Stellung vom Kabelfernsehen, da die Kunden aufgezeigt bekommen wie abhängig sie in solchen Fällen vom Kabelnetzbetreiber sind.
 
DF: (...)Setzt aus Ihrer Sicht (..) der Kabelnetzbetreiber zu Lasten des klassischen Fernsehens seine Prioritäten falsch?
 
Spitz: Es geht um die Stärkung eigener HDTV-Portfolios als kostenpflichtige Zusatzangebote. Das damit die Digitalisierungsprojekte der öffentlich-rechtlichen geschwächt werden, ist schade. Wir kämpfen seit langem das ARD und ZDF in diesem Bereich das Tempo anziehen.
 
DF: Der Steuerzahler hat das Verlegen des TV-Kabels massiv subventioniert, jetzt fordert die KDG für den weiteren Ausbau wiederum Gelder der Allgemeinheit. Was halten Sie von dieser Forderung?
 
Spitz: Die öffentliche Förderung beim Breitbandausbau lehnen wir nicht ab, sie muss aber mit Augenmass passieren. Den Aufbau neuer Monopole, auch regionale, wollen wir unbedingt verhindern und gleichzeitig die Breitbandinfrastruktur als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge durch echtes Breitband für die Zukunft gestalten.
 
DF: Kabel Deutschland kassiert sowohl vom Kunden Kabelgebühren. Gleichzeitig verlangt das Unternehmen von den Sendern eine Einspeisevergütung. Halten Sie dieses Geschäftsmodell noch für zeitgemäß?
 
Spitz: KDG tritt hier als Mittler auf uns bietet zusätzliche Dienstleistungen an, dieses findet auch zahlreiche Abnehmer. Im Wettbewerb mit neuen Plattformen und Übertragungstchnikes werden sie aber auch Konkurrenz spüren und ggf. umjustieren.
 
DF: Was empfehlen Sie den TV-Zuschauern, die über Kabel Deutschland ARD und ZDF nicht in HDTV empfangen können?
 
Spitz: Sie sollten ihren Protest kundtun und ARD und ZDF ermuntern ihr HDTV Angebot weiter auszubauen.
 
DF: Dem Bundesverband für Verbraucherschutz liegen bereits erste Beschwerden über das Verhalten der Kabel Deutschland GmbH vor (DF berichtete). Sehen Sie bei den zentralen Frage der Rundfunkversorgung politschen Handlungsbedarf, um dem Zuschauer den Empfang der öffentlich-rechtlichen Programme auch im bezahlten Umfang (Stichwort GEZ) zu ermöglichen?
 
Spitz: Wenn sich das Problem nicht mittelfristig löst, muss es hier eine politische Reaktion geben. Die Kabelnetzbetreiber haben sich mit der Übernahme des Kabelnetzes auch zur Rundfunkfreiheit und flächendeckenden Versorgung verpflichtet, diese Vereinbarung sehe ich in Gefahr wenn über das Senderportfolio Firmenpolitik betrieben wird.
 
DF: Vielen Dank für das Gespräch.
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