Medientreffpunkt: Digitaler Rundfunk bleibt Sorgenkind

04.05.2010, 09:16 Uhr, mg

Leipzig - Vertreter des privaten Radios in Deutschland haben auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig das Sendenetz-Monopol der Media Broadcast beim bundesweiten digitalen Rundfunk kritisiert.


Das Monopol sei ein wesentliches Hindernis für die Durchsetzung des bundesweiten digitalen Radios, erklärte Erwin Linnenbach, Sprecher von Regiocast laut einer Mitteilung des Medientreffpunkts. Christophe Montague, Chef von NRJ International, sieht es ähnlich: Auch er habe den Eindruck, Media Broadcast versuche in Vergabeverfahren das Maximale herauszuholen, was für DAB aber nicht hilfreich sei.
 
Bis 22. Juli müssen interessierte Sender einen Vertrag mit der Media Broadcast vorlegen. Bei der Sitzung der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) im August soll dann über die Aufteilung der Übertragungskapazitäten entschieden werden (DIGITAL FERNSEHEN berichtete).
 
Cornelia Holsten, Direktorin der Bremer Landesmedienanstalt und ZAK-Mitglied, mahnte mit Blick auf die Kritik, die medienpolitische Lobby-Arbeit der Radioanbieter zu verbessern und gemeinsam aufzutreten. Tatsächlich bemängelte Montague mit Blick auf Lobby-Arbeit, dass es vielen um Bestandsschutz gehe, was die Entwicklung behindere. Auch Linnenbach machte "zu viele Bewahrer" aus, im privaten wie im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Vor allem letzterer habe Angst vor Wettbewerb. Zudem gebe es Interessen, die Kapazitäten anders zu nutzen. Montague schlug vor, die digitalen Kapazitäten in Deutschland neu zu verteilen, wobei der öffentlich-rechtliche Rundfunk Plätze abgeben solle. Eine Neuordnung der Radiolandschaft könne in fünf bis sechs Jahren für DAB zum Erfolg führen.
 
Heinz-Dieter Sommer, Hörfunkdirektor des Hessischen Rundfunks meinte dagegen, ein neuer Frequenz-Mix werde die Probleme nicht lösen. Die Medienpolitik sei Schuld an der Situation. Sie müsse wirtschaftlich tragfähige Bedingungen auch für private Anbieter schaffen. Letztlich könnten aber nur neue Angebote an Programmen zum Erfolg führen. Da seien auch die öffentlich-rechtlichen Sender gefragt, da die privaten dies allein nicht leisten könnten - "sonst werden wir UKW in zehn Jahren noch nicht abschalten".
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