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  • Primacom-Insolvenz wäre nicht nötig gewesen

16.07.2010, 12:00 Uhr, mg

Leipzig - Für den insolventen Kabelnetzbetreiber Primacom AG war eine Lösung bereits verhandelt, doch der Hauptgesellschafter drängte den Vorstand zur Insolvenzanmeldung.


Bis Ende Mai schien die Situation zwischen dem Haupteigentümer der inzwischen insolventen Primacom AG, dem luxemburger Finanzkonstrukt Escaline, sowie den Kredit gebenden Banken nicht aussichtslos. Der damalige Vorstandssprecher und CEO Michael Buhl hatte bereits einen Lösungsplan zusammen mit der Beratungsfirma KPMG entwickelt, der von den Gläubigerbanken akzeptiert worden wäre.
 
Laut dem DF-Schwestermagazin DIGITAL INSIDER vorliegenden Informationen hätte dieser Plan wie folgt ausgesehen: Bei der Primacom AG wird ein Kapitalschnitt vorgenommen. Der Hauptaktionär Escaline hätte danach anstelle von 90,45 Prozent nur noch gut 20 Prozent der Anteile gehalten, die freien Aktionäre hätten anstelle der 9,51 Prozent anschließend nur noch gut zwei Prozent am Unternehmen gehalten. Dafür wäre das Unternehmen jedoch zu großen Teilen, vielleicht auch komplett, entschuldet gewesen. Denn die Gläubigerbanken hätten im Rahmen einer Kapitalerhöhung das bisherige Fremdkapital als Eigenkapital eingebracht. Damit wäre das operativ hochprofitabel arbeitende Unternehmen auf einen Schlag auf eine solide Basis gestellt worden.
 
Doch anstelle das Angebot anzunehmen und vielleicht noch im Detail zu verhandeln, muss CEO Buhl das Unternehmen zum 1. Juni verlassen, Escaline setzt ab 28. Mai lieber auf den neuen Chief Restructing Officer Sebastian Freitag. Dieser kann die Banken jedoch nicht davon überzeugen, dass sie auf bis zu 75 Prozent ihrer Forderungen verzichten sollen, damit Escaline neues Geld in das Unternehmen zuschießt. Am 31. Mai verstreicht dann um 18 Uhr eine von den Kreditgebern gestellte Frist zur "Abgabe eines tragfähigen Vorschlages für eine Einigung über Restrukturierungsmaßnahmen" ohne jeglichen Vorschlag Escalines. Deshalb stellen die Banken in der darauffolgenden Nacht Kreditforderungen von rund 29,2 Millionen Euro fällig. Sie machen von ihrem Pfandrecht Gebrauch und beschlagnahmen die operative Tochter, die Primacom Management GmbH. Der Teufelskreis nahm damit seinen Anfang, die AG wurde zahlungsunfähig.
 
Bis zum 14. Juni verhandelten Banken und Escaline noch über den Erhalt der Primacom AG. Nachdem die Kreditgeber den Kompromissvorschlag von Escaline letztmalig zurückgewiesen hatten, war daraufhin Ecaline nicht mehr verhandlungsbereit und brach die Gespräche ab. In der Folge musste die Primacom AG dann am 16. Juni Insolvenz anmelden. Die Kreditgeber kündigten für den 5. Juli die Versteigerung ihres Pfadrechts, der Primacom Management GmbH, an. Nachdem der Insolvenzverwalter seit Mitte Juni mit dem Kaufinteressenten Medfort verhandelte und nun handelseinig wurde, verkaufte er wenige Stunden vor der Versteigerung die GmbH schnell an das Luxemburger Unternehmen Medfort S.a.r.l.
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