300 Mitarbeiter von Kabel Deutschland tragen Arbeitsplätze symbolisch zu Grabe

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Bild: © soupstock - Fotolia.com
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Hannover – In diesen Tagen kommt es in den Niederlassungen des Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland (KDG) zu Betriebsversammlungen. Mehr als 200 Mitarbeiter der KDG protestierten gestern in Hannover gegen den angekündigten Abbau von Arbeitsplätzen.

Im Rahmen einer Betriebsversammlung protestierten in Hannover mehr als 200 Beschäftigte des Unternehmens mit einer „aktive Mittagspause“ für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber will 313 Stellen streichen, betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen (DIGITAL FERNSEHEN berichtete).
 

„Die Mitarbeiter sind gewillt um ihre Arbeitsplätze zu kämpfen“, erklärte ein Mitglied des Konzernbetriebsrates auf Anfrage. Die Beauftragten der Geschäftsführung hätten sich die „aktive Mittagspause“ von der anderen Straßenseite angesehen. In der Betriebsversammlung selbst trugen 300 Beschäftigte mit einem Sarg symbolisch die Arbeitsplätze zu Grabe. Beim Hereintragen des Sarges erhoben sich die Mitarbeiter – lediglich die Beauftragen der Geschäftsführung seien sitzen geblieben. „Der Ärger unter den Beschäftigten ist groß, denn die Argumente der Geschäftsführung erkennen wir nicht an“, erklärte der Konzernbetriebsrat. So habe es im Technikbereich in den letzten Jahren allein drei Restrukturierungen gegeben.
 
Einerseits würden Kostendruck und Konkurrenz als Gründe für die Kündigungen angeführt, andererseits wurden Dividenden von Millionen Euro ausgeschüttet. Das würden die Mitarbeiter so nicht mehr hinnehmen. „Alle Züge stehen still. Wir stellen die Ampeln auf rot“, formulierte der Betriebsrat die Position der Belegschaft klar und deutlich. Die Beschäftigten wüssten schon, wie man „Dienst nach Vorschrift“ mache. Man werde die Vorschläge der Geschäftsführung von KDG rechtlich überprüfen lassen.
 
Aus Sicht des Konzernbetriebsrates bereite die jetztige Geschäftsführung die Zerschlagung des Konzerns vor und versuche durch ihre Maßnahmen „die Braut schön zu machen.“ Die Kündigungen im Technikbereich, in dem 720 Leute arbeiten, seien ein Testballon und wohl erst der Anfang für weitere Entlassungen in den anderen Bereichen des Konzerns. So arbeiteten derzeit in den Kundenservice-Zentren von Kabel Deutschland etwa 1000 Beschäftigte.
 
Die Geschäftsführung des Kabelnetzbetreibers KDG hatte angekündigt, im Rahmen einer Restrukturierung Teile der technischen Serviceleistungen an externe Dienstleistungsunternehmen ausgelagert. „Betroffen davon sind voraussichtlich 300 Arbeitsplätze an verschiedenen Standorten in Deutschland. Die Geschäftsführung hat dazu Gespräche mit dem Konzernbetriebsrat aufgenommen“, hieß es Ende August 2008 aus dem Unternehmen.
 
Zehn Prozent aller Arbeitsplätze sollen so wegfallen. „Der Markt ist extrem wettbewerbsintensiv, deshalb müssen wir unsere Kostenposition laufend überprüfen und wenn notwendig handeln“, begründet KDG-Chef Adrian von Hammerstein. „Das ist hart, aber es geht dabei letztlich um die Zukunft des Unternehmens“.
 
In Niedersachsen sollen 111 der insgesamt 236 Arbeitsplätze wegfallen. Die Standorte Leer und Bremerhaven werden komplett geschlossen, in Hannover fallen 33 von 58 Jobs weg. In der Technik sei nach Berechnungen der Dienstleitungsgewerkschaft Verdi mit Lohneinbußen von 20 Prozent zu rechnen. Außerdem plane die KDG, Aufträge auch an günstiger arbeitende Firmen zu vergeben. „Wir werden den Abbau von so vielen Arbeitsplätzen nicht hinnehmen“, sagte der Verdi-Fachbereichsleiter Hugo Waschkeit. Das Unterfangen, in der Region einen neuen Arbeitsplatz zu finden, sei nahezu aussichtslos. [mg]

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9 Kommentare im Forum

  1. AW: 300 Mitarbeiter von Kabel Deutschland tragen Arbeitsplätze symbolisch zu Grabe Wo bleibt der Aufruf der Die Linke zu mehr Kabelanschlüssen?
  2. AW: 300 Mitarbeiter von Kabel Deutschland tragen Arbeitsplätze symbolisch zu Grabe Warum sollte die Linke dazu aufrufen ? Mehr Kabelanschlüsse würde die Dividende erhöhen, aber keinen einzigen Arbeitsplatz retten. Eher würde der Service verschlechtert. Eher sollte man solche Firmen verstaatlichen und wie ehemals unter Regie der Bundespost führen.
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