KDG-Chef Christof Wahl: „Das Kabel erlebt eine Renaissance“

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Bild: © soupstock - Fotolia.com
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500 Millionen Euro will Kabel Deutschland in den Ausbau seiner Netze investieren. Im März 2009 sollen 90% rückkanalfähig ausgebaut sein. Welche Vorteile dies für den KDG-Kunden hat, verriet uns Christof Wahl, mit 10 Millionen Kunden wohl Deutschlands mächtigster Kabelmanager im persönlichen Interview.

Herr Wahl, Kabel Digital Home wird bald zwei Jahre alt. Haben Sie Grund zu feiern?
 
Wahl: Ein klares Ja. Kabel Digital Home ist ein großer Erfolg. Für uns, unsere Abonnenten und die transportierten Inhalteanbieter. Mittlerweile abonnieren mehr als 600 000 Kunden unser Angebot Kabel Digital.

Wie wird sich das Programmangebot weiter entwickeln?
 
Wahl: Wir werden Kabel Digital Home und die Fremdsprachenpakete von Kabel Digital International mit gezielten Ergänzungen weiter stärken. Insbesondere arbeiten wir zur Zeit aber an einem Ausbau des digitalen Free-TV-Angebots. Noch im Oktober wird die Zahl der frei empfangbaren digitalen Kanäle auf 75 steigen.
 
Gibt es überhaupt noch programmliches Wachstum?
 
Wahl: Wir wollen, dass unsere Kunden über das Kabel das beste Fernsehen bekommen. Das heißt unter anderem auch, eine möglichst große Auswahl an Free-TV- und Abo-TV-Programmen. Außerdem haben wir gerade erst unser Pay-per-View-Angebot gestartet, bei dem sich die Kunden ohne Abo-Verpflichtungen einfach tolle Filme bestellen können. Auch dieses Angebot werden wir weiter ausbauen. Wichtig ist mir vor allem, dass alle unsere Kunden diese neuen Inhalte empfangen können. Daher werden wir alles daran setzen, die Set-Top-Boxen-Population im Markt 2007 dramatisch zu erhöhen.
 
Sind Fernsehprogramme der entscheidende Faktor im Kampf um den Kunden zwischen Satellit, DSL, Kabel und DVB-T?
 
Wahl: Gute Fernsehprogramme und eine große Vielfalt im Angebot sind wichtige Faktoren, aber schon lange nicht mehr allein entscheidend. Mindestens genauso wichtig sind Zuverlässigkeit und Qualität von Bild und Ton. Da ist das Kabel Spitze. Außerdem wollen immer mehr Kunden eine Infrastruktur die alles kann: Mit unserem Triple Play-Angebot bieten wir Fernsehen, Internet und Telefon aus einer Hand zu sehr günstigen Bedingungen.
 
Für die Grundverschlüsselung von RTL und ProSieben sind Sie häufig kritisiert worden. Ist die Grundverschlüsselung das Ende des Free-TV?
 
Wahl: Keinesfalls. Das Gegenteil ist der Fall. Die Grundverschlüsselung ist notwendig um Free-TV, wie wir es kennen, überhaupt zu erhalten. Sowohl die Sender als auch die Rechteinhaber bestehen zunehmend auf dem Schutz ihrer Signale. Dem müssen wir Rechnung tragen.
 
 
Sie bauen die digitale Kapazität aus. Zu Lasten der analogen?
 
Wahl: Als Kabel Deutschland das Kabelnetz übernommen hat, gab es nur 33-34 analoge Programme. Heute speisen wir zusätzlich mehr als 180 digitale Programme ein, als Free-TV oder Abo-TV. Die Kapazität dafür haben wir fast ausschließlich durch Investitionen in moderne Technik geschaffen. Nur ein einziger Analogkanal wurde bislang digitalisiert. Auch für die Zukunft gilt: Wir schaffen Platz durch Investitionen und nicht durch Abschaltung der analogen Kanäle.
 
Wie geht das?
 
Wahl: Zum einen modulieren wir die Programme in einem neuen technischen Standard (QAM256). Damit passen nun 16 statt bislang 12 Sender in einen Kabelkanal. Zum anderen bauen wir im Zuge der Modernisierung des Kabels auch das Frequenzspektrum oberhalb von 470 MHz aus.
 
Wann schaltet die KDG analog ganz ab?
 
Wahl: Wir schaffen die Kapazität für neue Programme vor allem durch den Einsatz moderner Technik. Um alle Programmangebote, die wir für die nächsten Jahre vorhersehen, einspeisen zu können, müssen wir deshalb nur ein bis maximal zwei analoge Kanäle digitalisieren. Von uns aus gibt es also keinen Druck, die analoge Übertragung der Fernsehsignale zu beenden. Wir sind aber offen für Gespräche, wenn der Umstieg in die rein digitale Welt politisch gewünscht ist.
 
Bei der Zuführung Ihrer Programme und Dienste in die einzelnen Netze sind Sie auf den Satelliten angewiesen. Gibt es Alternativen?
 
Wahl: Ja, daran arbeiten wir. Wir erschließen unsere Versorgungsgebiete sukzessive mit Glasfaserringen, die langfristig die Zuführung der in unseren Netzen verfügbaren Inhalte übernehmen sollen. In München haben wir das bereits umgesetzt, in einem Jahr wollen wir zwei Bundesländer umstellen. Das bedeutet jedoch keinesfalls den kurzfristigen Ausstieg aus der Satellitenzuführung.
 
Mit welcher Infrastruktur sehen Sie sich am ehesten im Wettbewerb?
 
Wahl: Das terrestrische Fernsehen ist in seiner sehr eingeschränkten Vielfalt eher eine Randerscheinung, so dass unser härtester Wettbewerber sicher der Satellit ist. Um so mehr freuen wir uns, dass 5-10 % unserer Neukunden für Internet und Telefonie vom Satelliten kommen. Natürlich haben wir auch VDSL im Blick.
 
Sie geben zur Zeit eine Smartcard pro Haushalt = Abonnent aus. Sind Ihre Kunden damit zufrieden, oder fordern diese eine Zweit- bzw. Drittkarte?
 
Wahl: An einem Modell dafür arbeiten wir. Eine Zweitkarte für einen Haushalt wird es mit Sicherheit geben, doch müssen wir auf die Konditionen achten, um Missbrauch möglichst von vorneherein auszuschließen.
 
Ihren Kunden bieten Sie die Bundesliga nicht als eigenes Paket an, die Chance dazu hätten Sie gehabt. Weshalb haben Sie „Nein“ zu Arena gesagt?
 
Wahl: Wir haben uns die Geschäftsmodelle für Fußball in Deutschland sehr genau angesehen und sind zu dem Schluss gekommen, dass sich Fußball zu den angebotenen Bedingungen in Deutschland nicht wirtschaftlich vermarkten lässt.
 
Ist die Bundesliga nicht ein Prestigeprojekt?
 
Wahl: Ja, aber alles hat durch die notwendige Finanzierung seine seriöse Grenze. Die sahen wir bei weitem überschritten. Unsere Kunden können weiterhin über Premiere Fußball schauen. Mit dieser Lösung sind wir sehr zufrieden. Und wir können das Geld in andere wirtschaftliche Innovationen stecken. Wir sind am langfristigen Erfolg unseres Unternehmens interessiert. Das honorieren uns auch die Banken.
 
 
Das komplette Interview mit Christof Wahl steht unter www.digital-insider.de zum Abruf bereit. [fp]

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  • Empfang_Kabel_Artikelbild: © soupstock - Fotolia.com

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