Medientage München: Wie der Konsument beim Wettkampf der Netze gewinnt

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Bild: © soupstock - Fotolia.com
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München – Die dritte TV-Revolution in Deutschland ist vollzogen. „Triple Play TV“ – mit Telefon-, Internet- und TV-Diensten über einen Zugang – ist gestartet und forciert den Wettbewerb der Plattformen.

Um die Gunst der Zuschauer konkurrieren zurzeit Telekommunikationsfirmen und Kabelnetzbetreiber. Doch während sich die Anbieter solcher Bündelangebote bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der 20. Medientage München allesamt als Gewinner der neuen Entwicklung präsentierten, prophezeiten die Analysten von Marktforschern vor allem einem rosige Zeiten: dem Konsumenten.

Zunächst bescheinigte Niko Steinkrauß, Mitglied der Geschäftsleitung der Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton, in seinem Einführungsvortrag dem Triple Play TV hervorragende Wachstumschancen. In den kommenden fünf Jahren werde die Zahl der Nutzer auch in Deutschland drastisch steigen, so der Experte. Bis Ende 2011, so schätzte er, steige die Zahl der Triple-Play-TV-Konsumenten in Deutschland auf bis zu zwölf Millionen. Neue Dienste und erweiterte technische Möglichkeiten, wie EPG, PVR, Abo-VoD sowie eine bessere Bildqualität, machten das neue Angebot für die Kunden außerordentlich attraktiv. Märkte wie der in den USA zeigten, dass Verbraucher diese neuen Dienste und ihre Vorteile schnell zu schätzen lernten. „Seeing is believing“, so die einfache Formel des Experten. Daneben seien aber eine einfache Bedienbarkeit und vor allem ein niedriger Preis entscheidend für den Erfolg von Triple Play TV. „Wir erwarten einen massiven Preisverfall“, dämpfte Steinkrauß die Erwartungen der Anbieter.
 
Nach dem Start des Triple-Play-Angebotes „T-Home“ von T-Com sprach Burkhard Graßmann, Marketing-Vorstand der Deutschen Telekom, von einer „überraschend großen Nachfrage“. Er beobachte bereits heute ein neues Fernsehkonsumverhalten, das Trends setze. Konkrete Zahlen blieb der Telekom-Marketingchef in München allerdings schuldig. „Mehrere hunderttausend Kunden,“ lautete seine vage Prognose, erwarte T-Com für das neue VDSL-Angebot innerhalb eines Jahres.
 
Kämpferisch präsentierte sich Konkurrent Dr. Manuel Cubero, Geschäftsführer Cable TV & Content bei der Kabel Deutschland GmbH (KDG). „Wir freuen uns auf den Krieg mit den DSLAnbietern“, betonte der Kabel-Manager selbstbewusst. Er setze auf die riesigen Wachstumschancen des Marktes.
 
Dr. Marcus Englert, Vorstand Diversifikation bei ProSiebenSat.1 Media, beschrieb die Folgen der vielen neuen Plattformen für die TV-Programmanbieter. „Diversifikation ist derzeit der Bereich, der am stärksten wächst“, erklärte der TV-Manager. Anbieter müssten sich angesichts der neuen Netze „ständig neu erfinden“. Trotzdem sehe er weiter das Free-TV als Massenmarkt, auch Triple Play TV werde daran nichts ändern. Neue Programmtrends wie „user generated content“ beziehe sein Unternehmen ständig in alle Planungen ein. Dabei sei die geschickte Kombination von solchen Angeboten mit Marken-Formaten ausgesprochen wichtig.
 
Angesichts der positiven Prognosen der traditionelle Medienunternehmen, Telekommunikationsund Kabelnetzfirmen mochte schließlich Florian Haller, Geschäftsführer der Media-Agentur Serviceplan, nicht nachstehen. Zwar werde die Reichweite traditioneller Werbespots durch das neue Fernsehen zweifellos reduziert, räumte er ein, diese Auswirkungen würden aber überschätzt. Er erwarte durch die neuen Möglichkeiten – vor allem von der Interaktivität und der individuellen Kundenansprache – eine enorme Effizienzsteigerung.
 
Adam Bird, Geschäftsführer von Booz Allen Hamilton, konnte den Anwesenden einen Wermutstropfen allerdings nicht ersparen. Der Konkurrenzkampf zwischen den unterschiedlichen Infrastrukturmodellen werde im preissensiblen deutschen TV-Markt „brutal“, sagte der Experte voraus. Die Angebote würden folgerichtig immer aggressiver, die Preise immer niedriger. Am Ende zeige sich, welcher Anbieter konkurrenzfähig sei. Ein Gew“Der Kunde“, erklärte Bird, „kann sich freuen.“[fp]

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