Landesmedienanstalten: Ein schwarzer Tag für die Digitalisierung des Hörfunks

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Bild: © jakkapan - Fotolia.com
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Saarbrücken – Die Landesmedienanstalten bezeichnen die Entscheidung der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF), für die Einführung des digitalen Hörfunks in Deutschland kein Geld mehr zur Verfügung zu stellen, als „schwarzen Tag“. Zudem kritisieren sie die KEF, die sich Rechte anmaße, die nur dem Gesetzgeber zustünden.

„Mit großem Bedauern hat der Hörfunkbeauftragte der Gemeinschaft der Landesmedienanstalten und Direktor der Landesmedienanstalt Saarland, Dr. Gerd Bauer, die Entscheidung der KEF zur Kenntnis genommen, der ARD und DeutschlandRadio, die für die Gebührenperiode bis 2012 vorgesehenen Mittel für die Einführung von Digitalem Hörfunk nicht zur Verfügung zu stellen“, heißt es in einer Mitteilung der Medienanstallt Saarland.
 
Damit sei, so Bauer, im Unterschied zu Frankreich, Großbritannien oder der Schweiz die Einführung eines modernen, leistungsfähigen Digitalradios in Deutschland auf unabsehbare Zeit unmöglich gemacht worden. Es sei schließlich nicht zu erwarten, dass private Rundfunkveranstalter Mittel in die Digitalisierung investieren würden, wenn die KEF nicht einmal die für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk erforderlichen Mittel freigebe.
 
Kritisch äußert sich Bauer zu der Frage, ob es tatsächlich zu den gesetzlichen Aufgaben der KEF gehöre, eine Entscheidung, die eindeutig einerseits rundfunkpolitisch und andererseits technologisch ausgerichtet sei, durch ihre Beschlussfassung vorzuprägen.
 
Es sei jetzt Sache der Politik und insbesondere der Bundesländer zu entscheiden, ob damit die Digitalisierung des Hörfunks in Deutschland endgültig gescheitert sei. In diesem Zusammenhang sei dann sicherlich auch die Rolle der KEF noch einmal zu beleuchten. [mg]

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6 Kommentare im Forum

  1. AW: Landesmedienanstalten: Ein schwarzer Tag für die Digitalisierung des Hörfunks Gott sei Dank gibts bei der KEF noch wache Menschen. Die Entscheidung, kein Geld mehr in das total veraltete DAB oder DAB+ zu stecken, kann man nur begrüssen. Es gibt wesentlich bessere Systeme wie HD-Radio, DRM und zukünftig DRM 120. DAB war bei seiner Einführung schon technisch überholt. Allein das Erschließen neuer Frequenzbereiche hierfür war schon Verschwendung. Die Nutzung der VHF-Kanäle hierfür kann nicht die Lösung sein und die schlechte Versorgung durch die äußerst beschränkte Reichweite des L-Bandes braucht man gar nicht erst zu erwähnen. Beim HD-Radio kann man neben dem UKW-Hauptträger noch gleichzeitig 3 digitale Programme auf der gleichen Frequenz übertragen. Verzichtet man auf den analogen Hauptträger so kann man 10 Programme auf einer Frequenz übertragen. Bei Nutzung der DRM 120 reicht eine Frequenzabstand von 0,1 Mhz um das nächste Packet auszustrahlen. Alles Sachen die das veraltete DAB oder DAB+ aufgrund von Bandbreitenverschwendung nie zu leisten im Stande gewesen wäre. Es kann also nur noch besser werden, deshalb soll man sich ruhig Zeit lassen und einen vernünftigen Standart einführen. Bis dahin tuts das gute alte Dampfradio (UKW) noch gut. Im mobilen Empfang reicht dies aufgrund der vielen Nebengeräusche allemal und im stationären Betrieb hat man ja heute schon die Möglichkeit via DVB-C oder DVB-S digitalen Hörfunk zu empfangen.
  2. AW: Landesmedienanstalten: Ein schwarzer Tag für die Digitalisierung des Hörfunks ... ich stimme Dir voll und ganz zu - Du sprichts mir mit deinem Komentar aus dem Herzen! Man könnte mit HD-Radio einen längeren Simultanbetrieb (analog / digital) "fahren" und später durch nach und nach Abschaltung der analogen Sendungen mehr Platz für digital bekommen. Dadurch würde niemand!!! diskriminiert bzw. ausgeschlossen, die millionen Analogradios könnten noch Jahre weiter betrieben werden und trotzdem wäre genügend Platz für digitale, Zusatzprogramme, incl Textdienste. Außerdem gibts bereits Radios (siehe USA). Das wäre die Ideal-Lösung schlechthin! Warum hört man eigentlich nicht mehr auf unsere Vorschläge? Es könnte alles so schön sein...
  3. AW: Landesmedienanstalten: Ein schwarzer Tag für die Digitalisierung des Hörfunks HD-Radio ist auf das US-amerikanische Rundfunkrecht zugeschnitten. Die Sender (private und öffentliche) sind anders als in Europa Eigentümer der Frequenzen, wobei die Frequenzen für ein definiertes Versorgungsgebiet zugewiesen sind, in dem sie nicht durch andere Sender gestört werden dürfen. Außerdem beträgt der Frequenzabstand üblicherweise 0,3 MHz. Die letzte Bedingung ist in Mitteleuropa überhaupt nicht erfüllt. In Europa wird den Privatsendern eine Frequenz von der Regulierungsbehörde üblicherweise nur für einen begrenzten Zeitraum zugewiesen. Da es vor einer FM-Abschaltung im UKW-Band 2 einen mehrjährigen Analog-Digital-Simulcast geben muss, ist die parallele Einführung des zukünftigen DRM+ (früher als DRM 120 bezeichnet) im Band 2 wegen Frequenzmangel gar nicht möglich. Ich sehe DRM+ als eine Option für Lokalsender für den Zeitpunkt, an dem zumindest eine FM-Teilabschaltung stattgefunden hat. Die Behauptung mancher, dass DAB (einschließlich seiner Varianten DAB+, DMB-A, DMB sowie der Datendienste wie TPEG) veraltet sei, ist einfach Unsinn. Für ein ähnlich robustes System bei DVB-T müsste QPSK mit GI 1/4 und FEC 1/2 (ergibt 4.35 kbit/s) oder 2/3 (ergibt 5.81 kbit/s) als Modulationsparameter gewählt werden. Der Vergleich mit 16QAM ist nicht statthaft. Bei DVB-T gibt es aber Einschränkungen beim Empfang im fahrenden Fahrzeug, die es bei DAB nicht gibt. Außerderdem müsste ein ganzer DVB-Multiplex auf einmal gefüllt werden, was in Flächenländern kaum möglich sein dürfte, während die kleineren DAB-Muxe schrittweise in Betríeb genommen werden können. Desweiteren ist eine Regionalisierung in größeren Bundesländern mit DVB-T im Band 3 nur schwer zu verwirklichen. Wenn man dann noch den europäischen Gerätemarkt anschaut, sieht man, dass das DAB-System erst in diesem Jahr mit den neuen europäischen Empfängerprofilen eine wirkliche Marktreife erlangt hat, was anderes aber nicht in Sicht ist.
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