400 Stunden Propaganda ausgewertet: Deutsche Doku zu Colonia Dignidad

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© Frédéric MAIGROT

Eine beispiellose TV-Doku zur deutschen Sekte Colonia Dignidad läuft dieser Tage auf Arte und im Ersten. Das Produktionsmaterial soll zu einem späteren Zeitpunkt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Die Macher wollen ihr Material nutzen, um früheren Bewohnern erstmals Bilder ihrer Vergangenheit zugänglich zu machen. „Man muss wissen: Es gibt ja keine Fotoalben. Viele haben gar keine Bilder von sich als Kind“, sagte Annette Baumeister, Regisseurin des Films „Colonia Dignidad – Aus dem Innern einer deutschen Sekte“. 400 Stunden Propagandafilme, die Sektenführer Paul Schäfer einst in der deutschen Siedlung in Chile aufnehmen ließ, wurden nun ausgewertet.

Die fast vierstündige Doku wird an diesem Dienstag ab 20.15 Uhr auf Arte gezeigt, das Erste bringt sie an zwei Abenden, dem 16. und 23. März, jeweils um 22.45 Uhr. Sie ist eine einzigartige visuelle Darstellung des Sektenalltags. Die Aufnahmen waren zu Propagandazwecken gefilmt worden. Den Siedlern selbst waren private Fotos und Videos untersagt.

„In den ganzen 43 Jahren wurde von unserer Familie zwei Mal ein Familienfoto gemacht, mit Erfragen um Erlaubnis bei Paul Schäfer“, so Ex-Mitglied Esther Müller. „Einzelne Aufnahmen von mir als Kind, als Jugendlicher hab‘ ich keine einzige. Es wurden keine Fotos gemacht.“

Die „Colonia Dignidad“ war 1961 rund 350 Kilometer südlich von Santiago de Chile von deutschen Auswanderern gegründet worden. In der Kolonie kam es unter dem 2010 gestorbenen Sektenführer Paul Schäfer jahrzehntelang zu Folter, Zwangsarbeit und Kindesmissbrauch. Die Ermittlungen der chilenischen Justiz dauern bis heute an.

Das ausgewertete Material war Jahre im Erdreich vergraben gewesen und aufwendig restauriert und katalogisiert worden, so Produzent Gunnar Dedio. „Wir als Ko-Produktionsgemeinschaft werden dieses Material auch zugänglich machen.“ Man habe die Initiative ergriffen, „alles Material, das noch irgendwo verstreut ist auf der Welt, an einem Ort zusammenzubringen“ – Akten, Fotos sowie Video- und Tonaufnahmen.

Bildquelle:

  • Arte5: © Frédéric MAIGROT

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