Arte: 20 Jahre deutsch-französisches Fernsehen

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Arte nimmt in der deutschen Fernsehlandschaft eine besondere Stellung ein. Vor 20 Jahren startete der Sender als deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt und ist als solches heute nicht mehr wegzudenken. Mit einem zum Teil eigenwilligen aber qualitativ hochwertigen Programm hat sich der Kulturkanal ein treues Publikum erarbeitet. Doch auch in den Bereichen HDTV und 3D hat Arte deutliche Ausrufezeichen gesetzt.

Der Kulturkanal Arte sollte der deutsch-französischen Freundschaft neuen Schwung geben. Als am 30. Mai vor 20 Jahren die Sendungen starteten, glaubte kaum jemand an einen Erfolg dieser Schöpfung von Bundeskanzler Helmut Kohl und Frankreichs Präsident François Mitterrand. Beide Politiker unterzeichneten den Vertrag für den Sender am 2. Oktober 1990.

„Arte hat sich als kultiviertes Qualitätsprogramm für besondere
Inhalte in den Köpfen unsere Zuschauer festgesetzt, die allen Altersklassen angehören“ sagt der Arte-Koordinator und Geschäftsführer von Arte Deutschland, Wolfgang Bergmann. Der Marktanteil in Deutschland liegt nach seinen Angaben konstant bei etwa einem Prozent, in Frankreich bei etwa zwei Prozent.

Da Arte zu 95 Prozent aus Rundfunk- und Fernsehgebühren beider
Länder finanziert wird, kann er auf Werbeeinnahmen verzichten. Im Arte-Sitz in Straßburg am Ufer der Ill regieren nicht die Quoten, stattdessen gibt es viel Spielraum für Qualität. Bei brisanten und aktuellen Themen steigt das Interesse schlagartig. Dokumentarfilme über die Langzeitfolgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl oder das Bienensterben brachten in Deutschland und Frankreich mehr als zwei Millionen Zuschauer. Die Romanverfilmung „Die Buddenbrocks“ erreichte 2010 in Deutschland einen Marktanteil von fünf Prozent und in Frankreich von vier Prozent.

„Wer glaubt, dass die jüngeren Generationen sich nicht für anspruchsvolles Programm interessieren, irrt sich“, sagt der Vizepräsident von Arte, Gottfried Langenstein. „Diese greifen zunehmend über das Netz auf unsere Programme zu. Eine immer größere Rolle spielen dabei die sozialen Netzwerke. Bei Facebook hat Arte mittlerweile eine Million Fans“.

Einen ganzen Thementag widmet der Sender dem verstorbenen „King of Pop“, Michael Jackson. Zu seinem dritten Todestag am 25. Juni sendet Arte eine ausführliche Würdigung mit Dokumentationen, Spielfilmen und einer Filmbiografie.

2011 lag das Budget bei etwa 425 Millionen Euro. Bei Arte sind fast 700 Menschen beschäftigt, 400 davon in Straßburg. Die Zusammenarbeit mit anderen Ländern wird ständig ausgeweitet. Man kooperiert mit dem ORF in Österreich, dem RTBF in Belgien, ebenso wie auch mit Fernsehsendern in Großbritannien, Schweden und Finnland.

Schon etliche Arte-Filme und Gemeinschaftsproduktionen wurden
preisgekrönt. Fernsehspiele wie der Vierteiler „Die Elsässer“, die dramatische Geschichte einer elsässischen Industriellen-Familie zwischen 1870 und 1953, die 1997 mit dem dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. „Lady Chatterley“, die klassisch-romantische Romanadaption nach dem erotisch-leidenschaftlichen Roman „Lady Chatterley’s Lover“ von D.H. Lawrence war großer Gewinner der César-Verleihung 2007. Zu den eindrucksvollen Dokumentarfilmen gehörte „Rhythm Is It“, über ein Tanzprojekt für 250 Berliner Kinder, das die Berliner Philharmoniker ins Leben gerufen haben.

Wenn es um technische Innovationen ging, stand Arte in der Vergangenheit stets in der ersten Reihe. Der deutsch-französische Sender gehörte beispielsweise zu den ersten, die ihr Programm in HDTV ausstrahlten. So haben die Leser von DIGITALFERNSEHEN.de Arte jüngst zum drittbeliebtesten HDTV-Anbieter gewählt. Auch im Bereich 3D wagte Arte bereits die ersten Schritte, unter anderem mit zwei 3D-Days. Sowohl in Deutschland, als auch in Frankreich gilt der Kulturkanal als Pionier im Bereich 3D. In Straßburg ist Arte derzeit beispielsweise an der Doku-Produktion „Die Baumeister der Kathedrale“ über die Entstehung des gewaltigen Liebfrauenmünsters beteiligt. [Petra Klingbeil/ps]

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  • Inhalte_Fernsehen_Artikelbild: Destina - Fotolia.com
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